Archiv der Kategorie: Geschichte

Der heisse Heiligenschein

von Hans Obermair
erschienen am 16.12.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Christbaum und Krippe sind untrennbar Bestandteile einer bayerischen Weihnacht.

Beide Traditionen lassen sich auf das 15. beziehungsweise 16. Jahrhundert zurückführen. Der Christbaum, ursprünglich als „Paradiesbaum” bekannt, symbolisiert die Vertreibung aus dem Paradies, während die Krippe als figürliche Darstellung der Weihnachtsgeschichte in der Gegenreformation entstand. Diese Kunstform entwickelte sich, weil viele Menschen weder lesen noch schreiben konnten und die Verkündigung des Wortes allein nicht ausreichte.

Die Krippe basiert auf den Evangelien, wobei ihre bildliche Umsetzung an die jeweilige Hauslandschaft und Region angepasst ist. Man kannte die Geschichte, aber nicht die genaue Örtlichkeit. So entstanden verschiedene Krippen-typen, wie die neapolitanische oder die alpenländische Krippe. Diese Tradition zeigt, wie tief das Weihnachtsgeschehen verinnerlicht wurde. Die Geburt eines Kindes und die Herbergssuche armer Leute waren alltägliche Erleb-nisse, im Gegensatz zu Verurteilung, Kreuzigung und Auferstehung.

In den späten vierziger und frühen fünfziger Jahren bauten wir Buben Krippen, weil uns die Geschichte von unseren Eltern und im Religionsunterricht vermittelt wurde. Mit einfachsten Mitteln konnten wir diese umsetzen, das war einfacher als eine Modelleisenbahn. Unser Werkzeug war meist eine Laubsäge, oft aus „Vorkriegsbeständen”. Die Materialien fanden wir im Wald: Rindenstücke für Dach und Wände des Stalls und Landschaftsteile. Der Untergrund bestand aus Sperrholzresten oder Holz von Zigarrenkistchen. Ein gezeichneter Plan existierte nicht; die Größe des Bauwerks richtete sich nach den verfügbaren Materialien. Alles wurde mit „Papp” aus erhitztem Fichtenpech zusammengefügt, da Nägel rar waren. Papier wurde mit „Mehlpapp” verklebt, einer Mischung aus Weizenmehl und Wasser.
Für das Gelände außerhalb des Stalls sammelten wir Moos und Wurzelteile, die als Bäume dienten, sowie Fels-brocken und Steine für ein ärmliches Umfeld. Die Krippe mit Jesuskind, Maria, Josef, Hirten, Ochs, Esel und Schafen stammte aus den Vorjahren. Neue Attraktionen wie der Kometenstern und das Hirtenfeuer wurden jedes Jahr ergänzt. Der Kometenstern schwebte an einem Draht über dem Stall, das Hirtenfeuer stand im Feld. Beide wurden künstlich beleuchtet, mit Glühbirnen, die an eine Taschenlampenbatterie angeschlossen waren. Ein Schalter existierte nicht; das Ein- und Ausschalten erfolgte durch Anund Abklemmen der Batterie. Unser Taschengeld reichte gerade für Lampen, Fassungen und Draht.

Mir war das nicht genug: Ein beleuchteter Heiligenschein für das Christkind musste her. Ich bastelte eine Wiege mit Fassung und Glühbirndl am Kopfende. Die Wärme der Bir-ne hatte ich unterschätzt: Sie ließ den wächsernen Christkindlkopf anschmelzen, bis ich die Fassung ein Stück zu-rücksetzte. Stolz präsentierte ich meine Erfindung, und die Heiligen Könige Kaspar, Melchior und Balthasar konnten beruhigt auf ihren Auftritt am 6. Januar warten. Das begleitende Kamel verriet, wo das Trio daheim war. Am Lichtmesstag kam das Krippeninventar in die Schachtel, und die Batterie zurück in die Taschenlampe.

Wie bei vielen war mein Bild des Weihnachtsgeschehens mit einer bayerischen Krippe verbunden, die jedes Jahr in Kirchen, Stuben und Schaufenstern zu bewundern sind. Dies änderte sich, als ich ins Heilige Land reiste und Bethlehem sowie die Geburtsgrotte besuchte. Dort, wo das ganze Jahr über „Stille Nacht – Heilige Nacht” passt, nahm ich einen Erinnerungsstein mit. Er wurde Teil meines Kripperls und somit Teil des Heiligen Landes.

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Der “Doktormax” und das Attentat


von Hans Obermair
erschienen am 9.7.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

So wie man nicht durch Glonn fahren kann, ohne mit dem Namen Lebsche in Verbindung zu kommen, so trifft das auch auf die Geschichte des Marktfleckens zu. Diese Fmilie mit drei Ehrenbürgern hat aber nicht nur Orts- und Medizingeschihcte geschrieben, siondern auch bayerische. Dass der Glonner Professor Dr.Max Lebsche womöglich auch deutsche – wenn nicht gar Weltgeschichte mit beeinflusst hat, wurde erst vor ein paar Jahren offenbar.

Professor Max Lebsche

Der Doktormax, wie der Arztsohn genannt wurde, hatte eine steile Arztkariere hinter sich: Als Schüler von ferdinand Sauerbruch hatte er auch dessen Vertrauen, sonst hätte dieser sich nicht geäußert, er würde sich nur von Lebsche operieren lassen. 1930 gründete dieser eine eigenen Klinik. 1936 wurde Lebsche nach einem Parteitribunal aus dem Staatsdienst entlassen. 1939 meldete er sich freiwillig, um Verwundeten zu helfen und wurde Chefarzt des Militärstandortlazarettes München. Das war wohl der Ort, an dem Lebsche, nicht nur über 1000 „Einhändern” mit der von ihm weiter entwickelte „Sauerbruchhand” eine weitere berufliche Tätigkeit ermöglichte, sondern auch Tausenden Kriegsverwundeten das überleben. Seine ärztliche Kunst schützte ihn möglicherweise vor KZ oder Tod.

Nach dem mißglückten Attentat vom 20.Juli 1944. Foto:©DPA/AFP/Obermair

Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg war Berufsoffizier und zunächst auch Anhänger der Nazi-Ideologie. Nicht nur Stalingrad, sondern auch sein eigener Einsatz in Nordafrika, von dem er schwere Verwundungen davon trug, brachte ihn, zu-mindest gedanklich, zum Widerstand. Nach seinem Münchner Klinikaufenthalt kam er nach Berlin, um sich dann auch dem aktiven Widerstand anzuschließen.
Veranlasst durch Peter Sauerbruchs (Sohn von Prof. Sauerbruch) kam der in Afrika schwer verwundete Stauffenberg am 21.4.43 in das Münchner Standortlazarett zu Lebsche, um von diesem wegen einer Handprothese operiert zu werden. Die Operation wurde wegen Komplikationen verschoben, so war Stauffenberg noch bis September in München.

Dass er sich in München nach der „Weißen Rose” erkundigte und sich mit Lebsche über eine Nachkriegslösung unterhielt, so berichtet es Nina Gräfin von Stauffenberg, legt nahe, dass man auch über den Widerstand sprach. Stauffenberg war dann ab 1.10.1943 in Berlin Chef eines Stabes unter General Olbrich, einem führenden Hitler-gegner.
Ob Lebsche Stauffenberg wegen des Attentats vom 20.7.1944 positiv beeinflusst hat, ist nicht genau bekannt. Es darf aber als sicher angenommen werden, dass sich Leb-sehe nicht für Hitler ausgesprochen hat, sondern gegen ihn. Wenn schon über die ,,Weiße Rose” und eine Nachkriegslösung gesprochen wurde, dann ist anzunehmen, dass auch eine Beseitigung des schrecklichen Gewaltherrschers als Lösung im Raum stand.

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Als Glonn große Sprünge machte


von Hans Obermair
erschienen am12.11.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Veränderung in Natur und Leben vollzieht sich oft in Schüben. Also Ereignissen, die Grundsätzliches oder eine Richtung ruckartig beeinflussen. Die Gemeinde Glonn hat im laufe ihrer Geschichte mehrere derart prä-gende Entwicklungsschritte erlebt, die als Quantensprün-ge betrachtet werden können. Wenn auch die Entstehung keiner war, denn eine richtige Gründungsurkunde gibt es nicht. Und auch die Landschaft wurde durch den lnngletscher und die Jahrtausende geformt.

Die erste Erwähnung Glonns von 774 bezieht sich lediglich auf den Fluss und nicht auf den heutigen Ort. Ob die ersten Siedler ein Aha-Erlebnis hatten, um dauerhaft zu bleiben, ist fraglich. Es war wohl ein Kommen und Gehen, bis die Kelten den Fluss Clana nannten und dem Ort einen Namen gaben. Doch auch das ist nicht einzigartig, da es mehrere Clanas gibt. Die Römer könnten durch den Ausbau ihrer Verkehrswege den Raum bekannter gemacht haben. Steine und Lehm begünstigten den Straßenbau. Römerplätze wie Helfendorf und Oberseeon gibt es ja heute noch.
Mit der bedingten Schenkung von 774 wird der Bau einer Kirche in Georgenberg in Verbindung gebracht. Das Christentum brauchte solche Mittelpunkte, und Schenkungen stärkten die Verbindung zu Bistum und Bischof. Die Taufe war damals ein Untertauchen in fließendes Wasser, was in der Glonn auf jeden Fall, vielleicht auch beim Quellaustritt bei Georgenberg möglich war. Gräber belegen dort eine frühe Besiedlung. Ab 821 werden Priester in Glonn erwähnt, was auf eine Kirche schließen lässt. Diese Kirche war der Auslöser für Glonns zentrale Rolle und somit ein Quantensprung. 1315 wird Glonn als Pfarr- und Dekanatsort erwähnt, was die Bedeutung unterstreicht. Vor 1560 gab es in Glonn zudem bereits eine Schule.

Die Burg oder Schloss Zinneberg, 1235 erwähnt, war ein weiterer Pfeiler der Ortsentwicklung, erbaut aus Glonner Tuffstein. Sie war Arbeitgeber, Kunde und Sitz eines Ge-richts. Der Tuffstein war auch wichtig für den Bau und die Mühlsteine der Glonner Mühlen, die Kunden aus München anzogen, von denen nicht nur die Müller profitier-ten: 1857 hatten 53 von 54 Glonner Anwesen ein Gewer-be.

Glonn war Verwaltungseinheit und wurde um 1808/1818 Mittelpunkt der neuen Gemeinde. Die 1768 erbaute Kirche, eigentlich für die Seelenzahl damals noch viel zu groß, bezeugte die Entwicklung. Die Säkularisation 1803 traf nur Filialkirchen und arrondierte die Pfarrei.

Die Reichsgründung 1871, das Gewerberecht und die Währungsumstellung auf Mark legten den Grundstein für die Gründerzeit. Die Bauernbefreiung und verbesserte Anbaumethoden führten zu einem Bauboom. Die Bahn erreichte 1857 Westerham und 1872 Grafing, aber nicht Glonn. Erst 1894 kam der Anschluss, was den Erholungssuchenden nach Glonn brachte. 1901 erhielt Glonn das Marktrecht, ein weiterer Quantensprung. 1928 wurden Schlacht, Reinstorf und Kreuz nach Glonn umgepfarrt.

1632 war Glonn Schlachtort und wurde fast völlig zerstört, beklagte an die 30 Gefallene. Die Pest forderte weitere Opfer. Der Wiederaufbau zeugte vom Überlebenswillen. Der Spanische Erbfolgekrieg brachte Besetzungen und Re-krutierungen. 1870 starben fünf Glonner im Krieg mit Frankreich, 1914/18 waren es 65. Die Arbeitslosigkeit, Hungersnot und Inflation nach dem Ersten Weltkrieg schadeten der Gemeinde. Der Zweite Weltkrieg forderte 91 Opfer. Diese Kriege waren negative Quantensprünge.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden Ausgebombte aus München aufgenommen. Heimatvertriebene kamen hinzu. Trotz der Schwierigkeiten wurde angepackt und ein Wirtschaftswunder geschaffen.
Die Nachkriegsentwicklung der Marktgemeinde ist einzigartig. Probleme wie Wasser, Abwasser, Bauentwicklung und Verkehr wurden angegangen. Die Verwaltungsreform 1978 führte zur Verwaltungsgemeinschaft mit Bruck, Moosach, Baiern, Oberpframmern und Egmating, für alle sechs Gemeinden ein großer Schritt. Das erste Dorffest 1992 war ein gesellschaftlicher Quantensprung.

Das verhaltene Wachstum Glonns erleichterte wohl die Integration von Neubürgern. Das Vereinsleben ist ein gelungenes Beispiel dafür. Für viele Neu-Glonner bedeutete ih-re Ansiedlung hier sicherlich einen persönlichen Quantensprung. Zukünftige Quantensprünge werden nicht ausbleiben. Ein solcher könnte eine umweltschonende Umfahrung sein.

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Als die Glonner Kirchen schwanden


von Hans Obermair
erschienen am 29.10.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Die Säkularisation veränderte die kirchliche Landschaft in der Gemeinde grundlegend.

In der Gemeinde Glonn und ihrer Umgebung reihen sich sechs Filialkirchen wie ein Kranz um die zentrale Pfarrkirche: Schlacht, Adling, Haslach, Kreuz, Frauenreuth und Münster. Diese Kirchen sind Zeugen einer langen Ge-schichte, die bis in die Säkularisation zurückreicht. Neben diesen Filialkirchen gibt es auch die Kirchen in Zinneberg, im Marienheim und in Georgenberg, die kirchenrechtlich keine Filialen, sondern Eigenkirchen sind. Während die Kirchen in Zinneberg und im Marienheim neueren Datums sind, haben die anderen eine Säkularisationsgeschichte, die geprägt ist von Abrissen und Umstrukturierungen. Die Kirchen von Steinhausen, Doblberg und Sonnenhausen fielen der Säkularisation zum Opfer und wurden „demoliert“.

Die Säkularisation war ein Prozess, der die uralten Strukturen und Institutionen der katholischen Kirche, wie Pfarreien, Kirchen und Klöster, im Zuge der Aufklärung politisch hinterfragte. Besonders im alten „Baiern“ wurden die Eigentumsverhältnisse der Klöster und Pfarreien kritisch betrachtet. Diese besaßen oft große Anwesen oder Grundstücke, die als „Obereigentum“ gegen Abgaben an „Untereigentümer” verliehen wurden. Der Reichsdeputationshauptschluss übertrug viele geistliche Besitzstände an den Staat, mit Genehmigung des Papstes und ohne großen Nachteil für die Kirche. Die Einführung der Kirchensteuer schuf einen Ausgleich.

In der Gemeinde Glonn hatte die Säkularisation weitreichende Auswirkungen. Die Kirche von Steinhausen, die dem Heiligen Nikolaus geweiht war und 1416 erstmals erwähnt wurde, war eine Eigenkirche der Herren von Steinhausen. Die Kirche maß gut 12 mal 5 Meter und wurde 1812 abgerissen. Trotz Bemühungen der Bevölkerung, das Gotteshaus zu retten, wurde das Inventar der Kirche zu einem guten Preis versteigert. Der Rohbau ging an einen Zimmermann, der das Material weiterverwendete.

Auch die Kirche in Schlacht wurde als entbehrlich eingestuft. 1807 zur Versteigerung angeboten, blieb sie jedoch bestehen, da nur Einrichtungsgegenstände verkauft wurden. 1813 wurde erneut die „Demolation“ verfügt, doch das Grundstück wurde von einem Finanzdirektor gekauft, der ein „Bethaus” errichten durfte. Dies rettete zumindest den Altarraum, und die Kirche ist heute noch ein Teil der Gemeinde.

Die Kirche in Kreuz, mit ihrer Weiheurkunde von 1268 und einer Wallfahrtstradition, wurde ebenfalls als entbehrlich angesehen. Trotz der Bedeutung der Kirche, die auch einen Friedhof besaß, wurde ihre Demolierung in Betracht gezogen. Die Kreuzer setzten sich jedoch erfolgreich für den Erhalt ihrer Kirche ein und boten sogar finanzielle Unterstützung für den Bau einer Schule in Glonn an. Dies führte zur Gründung einer eigenen Pfarrei, was die Kirche vor dem Abriss bewahrte.

Die Kirche von Doblberg, die bereits 1418 als Glonner Filiale erwähnt wurde, wurde ebenfalls abgerissen. Die Kirche war sehr baufällig, und 1807 wurde der Abbruch beschlossen. Die besondere Tragik des Abrisses: der Tod der beiden Mesnerbrüder Johann und Josef Feichtner, die dabei ums Leben kamen.

Die Kirche in Adling, die dem Heiligen Lampert geweiht ist, konnte durch das Engagement der Gemeinde gerettet werden. Trotz der Einstufung als „entbehrlich” bot die Gemeinde 170 Gulden für den Erhalt der Kirche und übernahm die Baulast. Dies führte dazu, dass die Kirche bis heute erhalten blieb. Die St. Ulrichskirche in Sonnenhausen überstand die Säkularisation nicht. Der Ort bestand nur aus einem Anwesen, und die Kirche wurde als entbehrlich angesehen. Sie wurde abgerissen, während die Schlosskapelle in Zinneberg als Hauskirche bestehen blieb.

Auch die Kirche in Georgenberg, die als „Urkirche” der Pfarrei gilt, wurde als entbehrlich eingestuft. Die Bauern in Georgenberg kauften die Kirche für 140 Gulden und bewahrten sie so vor dem Abriss.

Die gotische Kirche in Haslach, bekannt für ihre wertvolle Ausstattung, wurde ebenfalls als entbehrlich betrachtet. Pfarrer Amann argumentierte jedoch, dass die Kirche eine „Sepultur“ habe, was sie vor dem Abriss schützte. Vermutlich bezog sich der Pfarrer auf Gräber aus dem 30-jährigen Krieg, die als Beweis für die Bedeutung der Kirche dienten.

Die Kirchen in Glonn, Münster und Frauenreuth blieben von der Säkularisation unberührt, da ihre Friedhöfe weiterhin genutzt wurden. Die Säkularisation war zweifellos ein einschneidendes Ereignis für die kirchliche Landschaft in Glonn. Sie legte einerseits den Grundstein für die Bauernbefreiung von 1848, führte aber auch zur Vernichtung vieler wertvoller Kunstgegenstände und historischer Dokumente.

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Glonns frühe Schule und ihre Lehrer


von Hans Obermair
erschienen am 31.8.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

 

Dr.Heinrich Held, gestorben 1953 in Glonn, war der Pionier der Bayerischen Schulgeschichte Foto:©Hans Obermair

Der Verfasser der dreibändigen „Altbayerischen Volkserziehung und Volksschule“, Dr.Heinrich Held, 1953 in Glonn verstorben, schreibt, dass mit der „Römischen Welt“ wohl auch manche „pädagogi“, heidnische und christliche Hauslehrer, gekommen seien. Demnach habe es damals keinen Schulbetrieb im heutigen Sinne gegeben. Schule war also nur privat. Erst im Zuge der Christianisierung und der Gründung von Klöstern dürfte bei uns die Institution Schule entstanden sein. In den Klöstern sicher vorrangig zur Ausbildung des Ordensnachwuchses.

Dass die Klöster mit ihren Schulen auch ins Umland wirkten, war und ist ja auch deren Aufgabe. Der Benediktinerorden leistete hier Pionierdienste. Auch der damalige bayerische Staat, unter Herzog Tassilo 111, erkannte Schulen als notwendig und so entstand im Jahr 770 oder 772 anlässlich der Synode in Neuching (LK Erding) das erste Schulgesetz im heutigen Deutschland. Mit Franz von Assisi bildete sich ein neues Mönchstum. Der Lebensunterhalt dieser Mönche war nicht durch die Wirtschaft eines Klosters getragen, sondern durch Almosen. Daher gab es Wandermönche. Unter anderem war ihre stiftungsmäßige Aufgabe die Unterrichtung der Fächer Religion, Lesen und Schreiben. So wurde auch dort, wo es keine Schule gab, Einzel- oder Gruppenunterricht gegeben. Wenn dann Jahrhunderte später der Tegernseer Benediktinermönch P. Heinrich Braun mit seiner Bildungs- und Schulreform in die Aufklärung hinein wirkt, kennzeichnet das auch, wer über alle die Jahrhunderte hindurch maßgeblich unser Schulwesen getragen hat Klöster und Pfarreien. 1802 wird unter Kurfürst Max IV, die allgemeine Schulpflicht für 6-12-jährige eingeführt. Wohlgemerkt noch im Alten Baiern, das im Wesentlichen nur aus Oberbaiern, Niederbaiern und der Oberpfalz bestand. Mag sein, dass dieses 1802 auch der kommenden Säkularisation Vorschub leis-tete, weil abzubrechende Kirchen und Kapellen ja auch Baumaterial für fehlende Schulen sein konnten.

Lehrkräfte wechseln sehr häufig

Für die Glonner Schulgeschichte können wir wieder auf Heinrich Held verweisen: Im Visitationsprotokoll von 1560 heißt es: „Hat diser khain schuel, Ist in bei weilen ainer von der gemain und Kindern erhalten worden. Hatt seiheer offt ainen Schuelmaister ghabt aber nit lange ist von der gmain vnd khindern erhallten worden hat aber diser Zeit khaine.“ Damit wird gesagt, dass Glonn schon vor 1560 eine Schule hatte, aber keinen Lehrer. Ein Schulhaus war mit Sicherheit nicht vorhanden. Diese Situation ist für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich.

Der häufige Lehrerwechsel wird wohl mit der Existenzfrage der damaligen Lehrer im Zusammenhang stehen, obwohl die Größe der Pfarrei 1560 mit rund 800 „Kommuni-kanten” angegeben ist. Ein nächstes Glonner Schuldokument finden wir im Sterberegister von 1642 über den Tod „Cantor et Ludimagister” (Organist und Lehrer) Balthasar Kazmair. Der Schulbetrieb kostete. Und so war dessen Existenz immer auch eine Finanzierungsfrage. So ist es ein „warmer Regen” für die Schule, als die Glonner Wirtin Magdalena Zächerlin durch Testament 1648 ihr Drittel am Zehent von vier Münsterer Anwesen dem jeweiligen Lehrer oder Organisten in Glonn vermachte. Damit ist ein Basiseinkommen für einen Glonner Lehrer auf über 150 Jahre gesichert, denn dieser Zehent ist noch im Jahre 1803 Teil des Lehrereinkommens. Für das Jahr 1803 sind dar-aus 40 Gulden veranschlagt. Diese Schenkung könnte der Dank dafür sein, dass Magdalena Zächerlin und ihr Ehemann 1636 dem Pesttod entkommen sind. Von diesem Ereignis berichtet uns Pfarrer Schmalzmair. Aber auch die Glonner Allerseelenbruderschaft übernahm für ein Jahrhundert das Gehalt eines Hilfslehrers.

Dass nicht nur die Glonner Lehrer „arme Hunde” waren, kann damit zusammenhängen, dass sie im Sinne der Bevölkerung nicht „produktiv“ waren, also nichts erzeugten. Der obligate Organistendienst in der Pfarrei war daher ein Zubrot. Hier ein paar Beispiele: So diente Lehrer Knöpferl von 1766 bis 1795 insgesamt unter vier Pfarrern, deren Aufgabe auch die Schulinspektion war. Bei seiner Einstellung wurde er vom Pfarrer als Cantor, Organist und Lehrer „examiniert“. Als er 1795 verstirbt, hat seine Witwe die Schule weiter gehalten.
Scheinbar ohne Erfolg, denn wie es heißt „Die größeren aber, welche schreiben lernen wollten, sind ausgeblieben“. Nachfolger war, wohl zunächst als Aushilfe, Simon Sehretter. Er kann auch „Orgelschlagen und Singen“. Sehretter ist ledig. Den Mesnerdienst könne man ihn nicht anvertrauen, weil er „unbemittelt“ ist, wegen der Gerätschaften. Wir sind in der Zeit der Aufklärung. So hat er den „lluminateneid“ abzulegen, also dass er kein Aufklärer sei. Es bleibt bei der Aushilfe, fest angestellt wird er nicht..

Heftige Vorwürfe gegen den Lehrer

Auch Lorenz Bäck hat sich 1796 um die Glonner Stelle beworben und ist dem Sehretter unterlegen. Jetzt ist er drangekommen. Bis 1817 ist er in Glonn, obwohl er bei der Behörde „angeschwärzt“ wird: Er verderbe die Kinder aus Unwissenheit und Eigensinn. Auch heimtückisch sei er. Der Schulbesuch ginge zurück. Eventuell auch wegen der neuen Schulpflicht und dem Schulgeld. Er „verführe“ die Kinder. Als Beispiel wird angeführt, dass statt der Vorschrift „Mit Gott fang an, mit Gott hör auf“ werde gesagt „Mit dem Teufel fang an…”. Außerdem beklagt er sich, dass er im „Zölibat“ lebe, er müsse selber kochen, denn im Wirtshaus bräuchte er doppeltes Geld. So berichtet es Cooperator Waltl ans Landgericht.
Sein neuer Vorgesetzter, Pfarrer Amann, bewertet das Ansuchen von Bäck auf Heirat positiv. Es sei eben „anständiger“ wenn er verheiratet wäre. Er steht im 40. Lebensjahr und die Braut vermutlich einiges jünger, lasse aber befürchten „wenn er aber sterbe, würden Frau und Kinder einander zur Last fallen.“ Der Gegenstand seiner Verehelichung” (Braut) sei zwar nicht vermögend, aber sie sei eine „nähend, spinnend, strickend und anderes weibliches” sehr geschulte Person und könne ihn als Lehrerin in der Industrieschule (Handarbeit für Mädchen) an die Hand gehen. Auch die Gemeinde sieht die Heirat positiv. Allerdings mit der Einschränkung, dass diese gegebenenfalls nicht für die Witwe aufkommen könne. Von höherer Stelle kommt aber ein „nein“, weil die Gemeinde sich weigert, gegebenenfalls für Witwe und Waisen zu sorgen zu müssen. Böck bleibt ledig.

1808 beschwert sich Sebastian Schwarz aus Adling über den Lehrer: ,“Der Schullehrer in Adling bedient sich für seine Schulkinder eines Riemens mit Knöpfen und schlägt mit solchem selbe meistentheils auf den Kopf, welches sehr schädlich und gefährlich ist. Den kleinen Knaben von sieben Jahren schlug er mit diesem Riemen so lange auf den Kopf, dass er einige Zeit ganz wahnsinnig war.”
Er schickt seinen Knaben nun in die Schule nach Altenburg, müsse aber trotzdem das Schulgeld nach Adling bezahlen. Weiter meint der erboste Vater: ,“Entweder muss demselben das barbarische Schlagen verboten, oder der Schulzwang muss abgestellt werden”. Die Beschwerde geht weiter. Es wird allerdings festgestellt, dass es in Adling keine Schule gebe. Der Kläger wird als „unrichtiger Vogl” dargestellt. Hintergrund der Klage dürfte gewesen sein, dass das Kind nach Altenburg zur Schule gehen sollte, viel-leicht wegen des geringeren Schulgeldes, oder dass das „Schulschwänzen“ in Glonn nicht auffalle. Zwei Monate später stellt der Schulinspektor Pfarrer Müller aus Egmating fest, dass der Lehrer von Glonn „zwar einen Riemen, aber ohne einzigen Knopf habe”. Im Übrigen verteidigt er Bäck als guten Lehrer. Aber auch die Eltern sind nicht immer zufrieden mit Bäck.

1814 geht Bäck nach Aying

1811 beklagt sich Bäck beim Landgericht. Wegen des angebauten Schulzimmers würde das Holzgeld von vier Kreuzer je Kind nicht mehr ausreichen und man müsse frieren. Er stellt fest, dass die Schule einen „Setzkasten, Tabellen und so anderes” nötig hätte. Wegen des schlechten Schulbesuches und des ausstehenden Schulgeldes beklagt er sich über die nachlässigen Eltern. Wenn das Schulgeld eingehe, gedenke er Lehrmittel selbst zu kaufen. 1814 verlässt Lehrer Lorenz Bäck Glonn. Er hat rund 300 Gulden Außenstände. Er tritt sie per Protokoll an seinen Nachfolger Roman Hirschböck ab. Bäck, nun 48-jährig, geht an die Schule nach Aying.

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Fundamente Glonner Geschichte


von Hans Obermair
erschienen am16.8.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Es ist davon auszugehen, dass, bevor in Glonn irgendwer einen „Federkiel” in die Hand nahm, schon über Glonn oder die Glonn geschrieben wurde. Denken wir an die Botschaft von 774, die etwas später durch den „Notar” des Bischofs Hitto auf „Per-gament” gebracht wurde. Im Grunde eine Notwendigkeit, denn die Zeugen, die einst in Ausübung ihres Amtes vielleicht an den Ohren gezogen, ,,segneten” allmählich das Zeitliche. Die „Mächtigen” mit ihren Ansprüchen ändern sich mit der Zeit und dann gilt eben nur mehr, was „Schwarz auf Weiß” geschrieben steht.

So wird es auch bei ersten, in Glonn gefertigten Schriftstücken gewesen sein, die wohl der Pfarrherr, vielleicht vor über einem Jahrtausend, pflichtgemäß aufschrieb, um etwas zu sichern oder zu beantragen. Man muss bedenken, dass Schreiben früher auch ein aufwendiges Geschäft war, denn man brauchte ja Feder, Tinte und Papier, das man nicht um die Ecke so erwerben konnte.

Als “reine” Literatur, die viel mit Sprache zu tun hat, sind und waren diese “Verwal-tungspapiere” allerdings nicht einzuordnen. Aber sie sind eine wichtige Basis, für die Glonner Geschichtsschreibung. Und hierzu hat der Glonner Lehrer Johann-B. Dunkes 1840 bis 1868 einen wichtigen Beitrag geleistet. Im Wesentlichen eine Bestandsauf-nahme. Auch Lehrer Hecht hat für die Glonner Geschichte viel festgehalten. Zum ers-ten gedruckten Buch über Glonn brachte es Johann Niedermair, 1909. Sicher auch im Hintergrund das gute Beispiel des Ortsarztes Lebsche. Dieses erste Buch über Glonn wird kein „Renner” gewesen sein, sonst hätte man nicht die Gemeinderäte dazu „ver-donnert”, je 10 Stück zu ordern. 1939 wird dann schon die Nachfrage dafür gesorgt haben, dass mit Hilfe von Wolfgang Koller eine ergänzte und erweiterte Neuauflage zustande kam.

Der Glonner Schneidermeister Hans Wäsler hat als Zeitzeuge ein umfangreiches handschriftliches Werk angelegt. Für Maria Sedlmair, die gebürtige Glonnerin, war es dann eine gute Basis in „Glonn meine Heimat” sozusagen mit dem Wissen von Hans Wäsler von „Haus zu Haus” zu gehen. Schon in den Dreißigerjahren hat Wolfgang Kol-ler in vielen Zeitungsartikeln Glonner Kunst und Geschichte vorgetragen. Mit seiner Broschüre zur 1200-Jahrfeier 1974 hat er dann nicht nur sein historisches Werk über Glonn abgeschlossen. Des Weiteren ist auf eine Artikelserie des in Glonn wohnenden Archivrates Dr. Heinrich Huber hinzuweisen. Auch dank dieser Geschichtspioniere ist das heutige Glonner Geschichtsbewusstsein im Aufwind. Barbara Kreutzer hält als Gemeindearchivarin sozusagen die „Fäden” in der Hand.

Lena Christ – Schwieriges Schicksal

Lena Christ (1881-1920) mit 17 Jahren.

1881, unbemerkt, wurde im Glonner „Hansschusterhaus” der Grundstein gelegt, der einmal den Namen Glonn, weit über seine Grenzen hinaus tragen sollte, und in der Li-teratur zum Begriff werden ließ: Das „ledige Kind” Magdalena Pichler, später Lena Christ, ist hier geboren, bei den Glonner Großeltern aufgewachsen und an ihrem sieb-ten Geburtstag von der Mutter nach München geholt. Vom kleinhäuslerischen Haus-halt der Großeltern hinein in die Großstadt, ins Wirtshaus und die Großstadtschule als ,”Datschen”, größer kann ein Unterschied nicht sein. Reichlich mit Aufgaben bedacht, bleibt das “Lenei” neben den Geschwistern, die “Hinzugestoßene”, so dass nach fünf Jahren München Glonn zum Zufluchtsort wird. Jetzt “des Gscheidal” in der Glonner Schule wird sie sich mehr erlauben. Nach einem Dreivierteljahr wieder bei der “Mingara Muata” ist nichts besser. Auch die Flucht in Religion und Kloster sind nur Episoden. Heirat, drei Kinder und Scheidung treiben sie in die Arme eines Schriftstellers und dann eines Sängers. Der Schriftsteller erkennt ihr Talent zum Schreiben. Stoff gibt es ja genug. In “Erinnerungen einer überflüssigen”, ,”Bauern” und “Unsere Bayern” ,”Lausdirndlgeschichten”, ,”Die Rumplhanni”, ,”Matthias Bichler” und “Madame Bäuerin” kann sie alles verarbeiten und einbauen, was sie erlebt und mitbekommen hat. In der Szene wird sie bekannt, bis hin zum königlichen Frühstück. In ihren Werken hat sie viel “Glonn” eingebaut. Die Glonner “lesen” sie auch und merken, dass vieles als selbst erlebt beschrieben ist, was so nicht stattgefunden hat. Besonders in den “Lausdirndlgeschichten”. Glonner Honoratioren werden “derbleckt”. Das nehmen ihr die Glonner übel. Hinzu kommt immer noch die Hypothek ein “lediges Kind” zu sein. Dann ist sie geschieden, sie hat Bilder gefälscht und ist schon “gesessen”. Auch ihr “Drehbuch” kommt ins Wanken. Fazit: Selbstmord am 30. Juni 1920. In Glonn dauert es drei Jahre, bis es zu einer Gedenktafel kommt. Dann ist es der Glonner Wolfgang Koller, der Lena Christ noch persönlich kannte, der aber auch eine “literarische Ader” hatte, und der sie nach Glonn zurückholt. Zug um Zug, auch durch einen rührigen Kulturverein, wird sie hier wieder entdeckt. Als dann 1981 ein guter Teil “der Rumplhanni”, der Geschichte ihrer Mutter, in Glonn verfilmt wird, machen die Glonner mit, als gehe es um ihre eigene Geschichte. Heute ist sie wieder “eine von uns” und wir sind stolz auf sie.

Hans Ernst – Romane und Theaterstücke

Der Schriftsteller Hans Ernst an seinem 75.Geburtstag, 1980 Bild:©Archiv Markt Glonn

Als weiterer Glonner Schriftsteller gilt Hans Ernst. Wie bei Lena Christ erinnert auch an ihn in Glonn eine Straße. 1904 ist er in München geboren. Auch das Schicksal hat es mit ihm nicht immer gut gemeint. Wenn ihm was in die Wiege gelegt war, dann sein Name: Hans Ernst. Kürzer und prägnanter geht’s für einen Autor nicht. Ansonsten: Armes Elternhaus, durch den frühen Tod der Mutter im Waisenhaus, dann eine böse Stiefmutter. Ein verordneter Landaufenthalt ist ein Glücksfall. Auch die spätere “Karriere” als Bauernknecht. Ein kleines Zubrot: Das Schreiben von Liebesbriefen für weniger Geübte. Erfolgreich!
Und endlich “landet” er in Glonn, nicht nur beim “Bot” mit der im wohl gewogenen “Schwoagarin”, sondern auch beim Trachtenverein und wieder auf der Laienbühne. Dieses “Theataspuin” wird ihm für vier Jahre zum Beruf. Ab 1932 ist er wieder in seinem “geliebten” Glonn und für die “Glonnthaler” auf der Bühne. Wegen seines Talents wird er zum “Kreislaienspielwart” ernannt. In einer Glonner Mansardenwohnung, für die er die Miete auch mit so manchem Buchgeschenk erledigen muss, wird er der Gendarmerie zugeordnet, später auch in Ebersberg. 1939 heiratet er die Kolbermoorerin Helen Kraus. Nach dem Krieg vorübergehend wieder Knecht, kann er dann in Kolbermoor seinen Lebensmittelpunkt aufbauen und kann schreiben. Er hatte ja mit Lena Christ in Glonn ein gutes Vorbild. Dieses Glonn blieb aber auch seine zweite Heimat. In seiner Autobiografie “Die Hand am Pflug”, wohl sein Hauptwerk, ist alles nachzulesen. 110 Romane und vier Theaterstücke hat er hinterlassen, die sich vornehmlich mit Land und Leuten befassen.

Wolfgang Koller – Lehrer und Autor

Wolfgang Koller (1904-1974)

Wolfgang Koller, 1904 in Glonn geboren, wurde für seine Geschichtsbeiträge schon erwähnt. Der Lehrer, spätere Schulleiter, Seminarleiter sowie Oberschulrat, hatte ein Faible für Menschen und Kultur, besonders auch für die Mundart. Dies ließ er nicht nur in seine Arbeit in Wort und Lied einfließen, sondern auch in seine Mundartwerke, wie dem “Schönauer Krippenspiel” und einer Reihe von Mundartgedichten. Sein be-sonderes Verdienst ist es auch, dass er nicht nur, seine ihm anvertrauten Lehrerinnen und Lehrer für Mundart begeisterte, sondern dass er auch den Stellenwert der Mundart in Ausbildungsplänen und Unterrichtsunterlagen förderte. Auch das ist eine literarische Leistung.
Dass sein Sohn Bernhard, 1934 geboren, zum “ganz anderen” Dichter als der Vater wird, mag mit dem uralten Phänomen der Abnabelung zu tun haben. Jedenfalls hat Bernhard als Dichter seinen Stil und seinen Weg gefunden. Was er dichtet, ist nicht Gereimtes, aus Mundart und Heimatverbundenheit, das heißt, es reimt sich im herkömmlichen Sinn gar nichts mehr, was er zu sagen hat Nur mehr Worte werden aneinander gereiht, die weniger Antworten als Fragen sind. Aber auch die Zeit damals hatte mehr Fragen als Antworten. Und Bernhard Koller wahrscheinlich erst recht. Vielleicht war das auch Drama seines frühen Todes, schon mit 20. 1965 würdigt Carl Amery den Dichter in “Efeu für einen Jüngling”. Ein „dritter” Koller hat sich in Glonn schreibend verewigt. Der älteste Bruder von Wolfgang, Karl, war letzter Generalstabschef der Deutschen Luftwaffe. In “Der letzte Monat” schreibt er seine Geschichte über die letzten Kriegstage.

Die Reihe der in Glonn Schreibenden, ist damit noch lange nicht abgeschlossen. Auch wenn Vieles sich nicht in Buchform wiederfindet, jede Zeile, egal in welcher Form auch immer erschienen, ist wichtig für die Erinnerungskultur. Es sind “Fundamente” Glonner Geschichte.

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Kunst in Glonn – Musik und Gesang

von Hans Obermair
erschienen am 25.6.2025 unter demTitel “Wie Glonn klang und sang” im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

 

Glonner Musikanten um 1949 v.l: Jakob Neuner, Christian Bell, Paul Mennacher, Balthasar Steinecker, Max Neuer, Martin Anderl jun. und sen., Georg Guggenberger. Unter dem Bild vermerkt: “Der Meßner Sepp war von der Gefangenschaft noch nicht daheim. Foto:©Hans Obermair

Wenn man davon ausgehen darf, dass „Musen“ als  göttliche und schöpferische  Inspirationsquelle  sind, dann wurde Glonn überdurchschnittlich von diesen „geküsst“: Sowohl Maler, Schriftsteller und Musiker haben sich hier wohlgefühlt und konnten sich entfalten.  Aber auch die Handwerkskunst brachte es hier zur Blüte. Allen ist eines gemeinsam: Durch Bearbeitung und Zusammenfügung einfachster Ideen oder Materialien werden diese einem höheren Zweck zugeführt –eben zur Kunst.  Das Wort Kunst kommt von „Können“ und erfährt auf diese Weise seine volle Bestätigung. Warum gerade oder auch in Glonn?  Der Glonner Lebensraum ist für Vieles lukrativ.  Unsere Pfarrkirche mit seinen Filialen, sowie die Schlösser Zinneberg und Mattenhofen  bilden für Künstler eben eine gute „Auftragslage“  und damit ein lebensfähiges Umfeld. Dass Glonn auch über Jahrhunderte Sitz des Dekanats war, hat dies sicher gefördert.
Gehen wir vom Werkzeug aus, so ist das wohl älteste die menschliche Stimme. Und so wird  Gesang die älteste Kunst in Glonns sein. Hier gab es zwar kein Kloster, aus dem mittelalterliche Choräle zu hören waren. Aber sicher ist, dass schon 1642 Balthasar Katzmair, seines Zeichens „Cantor und Ludimagister“ in der Glonner Kirche die „Orgel schlug“ und mit seinen Gesängen den Gottesdienst bereicherte.  Wenn dann ab 1684 der  Glonner Maler Herlemann beim „Chelionarius“  (Fidler) Pachmair für dessen Kinder die Patenschaft übernahm, war das nicht nur im Rahmen einer Künstlerclique , sondern auch eine Ehre für die Familie des  Musikers. So auch bei Philipp Arnold, „Geigerlipp“ genannt, der im Schloss Mattenhofen wohnte und für seine sieben Kinder keine geringeren als die “Reiserthalers”  als Paten hatte. Scheinbar hat der „Geigerlipp“  dort auch zum Tanz aufgespielt. Immer wieder finden wir in den Glonner Pfarrbüchern den Beruf des Musikers. Sie waren in der Regel nicht in Glonn gebürtig, aber hier „hängen“ geblieben. Einmal hat der Herr Pfarrer 1795 die Tochter des Geigers Holzinger sogar mit “Geigenmelkerfilia” eingetragen.  Ob Spott oder Ehre?
Dass der Priester und Komponist Franz Kalter als vormaliger Freisinger Domkapellmeister 1758 Glonns Pfarrei übernahm, mag kein Zufall sein. Vielleicht war Glonns Kirchenmusik über seine Grenzen hinaus bekannt.  Kaltner, dessen Werke heute noch, nicht nur in Glonn, aufgeführt werden, hat wahrscheinlich die Größe unserer heutigen Pfarrkirche vorgegeben. Nicht ungewöhnlich, er kam ja aus dem barocken Freising. Wenn sich dann 1822 Orgelbauer Wagner, ein gebürtiger Salzburger, in Glonn sesshaft macht und mit rund 60 Orgeln Kirchen zum Klingen brachte, mag das auch für den Glonner Musikstandort sprechen.

So wie einst in Schloss Mattenofen der „Geigerlipp“  unterhalten wurde und im Gegenzug unterhalten hat, wird auch Schloss Zinneberg keine musikalische “Diaspora” gewesen sein. Wahrscheinlich  hielt man sich “Mehrere”, denn wenn man “Fugger”, oder “Arco”  heißt und gar mit dem Österreichischen Kaiser verwandt ist, wäre  um Beispiel eine „Fidel“ allein doch etwas “unterbesetzt”. Unterlagen aus der Fuggerzeit sind hier zwar (noch) nicht entdeckt. Es ist aber sicher, dass die Arcos freundschaftlich verbunden waren mit dem „Zihermaxl“, dem Vater der „Sisi“. 1844 schenkt Herzog Max seinem Freund gar die „Zinneberger Polka“, wie Hans Huber weiss. Ob dann, wenn diese Polka gelegentlich vom Herrn „Compositeur“ selbst in Zinneberg „aufgespielt“  wurde, sich das „Deandl“, später „Sisi“ genannt, derzeit auf Zinnebergs Wiesen austoben durfte, wäre ein schöne Vorstellung. Vielleicht leisteten sich die neuen Herren auf Zinneberg keine eigene Musi mehr, denn 1859 führte die „Glonner Musi“ den Zinneberger Maskenzug an, 1862 spielen die Glonner Trauerzug und Requiem beim Tod der Mutter des Schlossherren Pallavicini, 42 Gulden war ihm das wert. Und 1872 ist von den Glonnern eine „Theatermusik“ in Zinneberg vermerkt. Und dass man sich bei so manchen Ständchen den „Thaler“ des Schlossherren nicht entgehen ließ, ist logisch. Diese Glonner Musikanten  waren allerdings keine “Fremden”. Meister Diemer wohnte ja anfangs in Zinneberg und ließ sich wegen seiner Braut dort nieder. 

Ein Glücksfall für die Glonner, aber auch für die Oberbayerische Blasmusik, war die aus Grafing stammende Musikerfamilie Diemer. Anton Diemer heiratet nach Glonn und übernimmt das Amt des Zinneberger Gerichtsdieners, der in Glonn 24 (später Gürteler) “residiert”.  Gleichzeitig ist er “Lotterieeinnehmer”.  1842 folgt ihm Bruder Alois als Färbergeselle nach Zinneberg.  1845 heiratet er hier Barbara Schenkelberger, die Tochter des Zinneberger Gärtnermeisters.  Diese Familie stammt aus der Rheinpfalz und ist protestantisch sowie mennonitisch. Ein Jahr nach der  Hochzeit ist die Braut allerdings schon katholisch, wohl eine Voraussetzung  für die Eheschließung.  Selbstverständlich spielte dabei die  “Diemermusi”. Von den sieben Musikern hatten nur zwei ihren Wohnsitz in Glonn, darunter auch Anton. Erster Glonner Auftritt dieser Formation war am 1. Januar 1844 anlässlich einer Neujahrsmusi.  Die Musik kann das junge Paar nicht ernähren. Alois wird Drechslermeister und betreibt den Handel mit Heu. Durch den frühen Tod des Orgelbauers Wagner konnte dessen Anwesen erworben und das neue Haus gebaut werden. Inzwischen waren es acht Kinder: Sieben Buben und Tochter Katharina. Die Söhne hatten beim Vater Musikunterricht. Sohn Alois verstarb 1870 erst 25-jährig. Dass man sich dank der Söhne auch teilen konnte, und wegen der guten Auftragslage des Öfteren auch musste, zeugt vom Bekanntheitsgrad dieser “Musi”.  Wenn man beim “Bräu” Liebhart in Aying  sowohl  die “Grüne”, “Silberne” und “Goldene Hochzeit” zu spielen hatte, weiß man dass die Glonner “die” Musi der der Gegend waren. Wenn sie auch immer wieder in Glonn mitspielten, machten sich einige Söhne “selbstständig”. Und so haben Blaskapellen wie die in Holzkirchen, Bad Aibling, Wildbad-Kreuth und Bad Tölz auch Wurzeln in Glonn.  Aber auch die Blaskapelle Stammsried im Bayerischen Wald hat hier Wurzeln. Und wenn Anton Diemer in  Wildbad–Kreuth mit den Seinen aufspielte, hören auch die Familie Mann (Thomas) und Hofkapellmeister Rheinberger zu. Letzterer nennt Anton Diemer den besten Bläser Bayerns, den er kenne.

Dass sich die “Buben” selbständig machten, mag der Grund sein, dass die Glonner Tradition auf Schwiegersohn Franz-X. Faßrainer überging. Der gebürtige Ebersberger gehörte schon seit Jahrzehnten zum Glonner “Stamm” und führte die Musi erfolgreich weiter. Gründer Alois Diemer verabschiedete sich nach 54 Glonner Musikerjahren 1899 in die Ewigkeit, also vor 125 Jahren. Nun hieß sie die „Faßrainer-Musi“. Nach weiteren zwei Generationen musste ihr Leiter „Musikmeister und Chorleiter“ Franz-X. Faßrainer in russischer Gefangenschaft 1945 seinen Taktstock niederlegen.  Dass nach dem Krieg weiter gespielt wurde versteht sich von selbst. Und so darf die heutige “Glonner Musi” unter Leitung von Albert Singer stolz auf ihre Tradition zurück blicken, nicht nur mit einer noch nie dagewesenen Größe, sondern auch mit einem Repertoire, das jeden Vergleich der letzten 180 Jahre standhält. Mehr über die Geschichte der “Glonner Musi” kann im Internet der Gemeinde Glonn nachgelesen werden.
Auch der Glonner Kirchenchor, die wohl älteste Gemeinschaft des Glonner Musiklebens, ist ein wichtiger Pfeiler unserer Kultur. Schaut man in den Notenbestand, dann traut man es der Gemeinschaft auch zu, dass man nicht nur viele der großen Messen aufführen konnte, sondern auch das volle Mozartrequiem  sowie den Messias. Bei einer konzertanten Aufführung der “Cäcilienmesse”  waren es gut 100 Mitwirkende, zu einem hohen Anteil aus Glonn. In rund 25 Jahren seines Wirkens konnte der jetzige Organist und Chorleiter  Thomas Pfeiffer immer wieder zeigen, zu was Glonner Kirchenchor und Orchester fähig sind. Die jeweiligen Glonner Pfarrer konnten und können stolz auf ihren Kirchenchor sein, den sie ja immer auch nach Möglichkeit gefördert haben.

Als Glonner Männergesangsverein wurde 1906 durch Lehrer Grad der heutige Chor-und Orchesterverein ins Leben  gerufen. Wenn er sich auch einmal “Sängeriege des Turnvereins” nannte und auch einmal mit der “Sparte „Salonorchester” aktiv war, ist er heute als gemischter Chor aktiv und damit noch ein wichtiger Teil des Glonner Musiklebens. Hans Peljak ist der Dirigent. Dass es in Glonn auch immer wieder außerhalb der Gemeinschaften musikalische Gruppen gab, versteht sich von selbst. Erinnert sei hier an die “Drei Hansen”. Veranstaltungen wie die  â€žKaffekranzl“ waren ihre Domäne. Bei  alten und neuen “Schlagern” und so manchem “selbstgestrickten” Witz unterhielten sie ihr Publikum.

Wo Musik zu Hause ist, fühlen sich auch die wohl, die Musik aufschreiben. Erinnert sei an den “Diemer Dori”, der für Blasmusik “schrieb”.  Die Kirchenmusik erinnert nicht nur an Franz Kaltner (siehe oben), sondern auch an den Glonner Pfarrer Loithaler (bis 1971), der, wenn es der Dienst  am Altar erlaubte, selbst “seinen” Kirchenchor dirigierte oder die Orgel spielte. Selbst studierter Musiker und langjähriger hauptamtlicher Chorregent in München, hat er Einiges komponiert, das auch in Glonn immer wieder aufgeführt wurde. Auch Reinhard Grieshaber hat  es 1971 nach Glonn verschlagen. Dann auch Kirchenchorleiter und Leiter der Chöre im Chor-und Orchesterverein, hat er uns so manchen “Ohrwurm” hinterlassen. Der wohl berühmteste dieser Zunft war der weltbekannte Komponist Professor Günther Bialas, an den in Glonn eine Straße erinnert. Aus Schlesien stammend und nach dem Krieg nach Glonn “verschlagen”, hat er sich hier schnell wohlgefühlt. Hier gab es ja  Musik und natürlich auch Ludwig Mayer, den Neuwirt, den einstigen Militärmusiker und Bürgermeister und ein Mentor des Glonner Musiklebens. Bei dem gab es in diesen schlechten Jahren nicht nur Musik, sondern auch etwas zu Essen. Auch Herrmann Prey, der große Bariton war, wenn er Bialas besuchte, gerne beim „Neuwirt“, diese jahrhundertelange Herberge des Glonner Musiklebens.

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Von Jägern, Sammlern und Bauern


von Hans Obermair
erschienen am 29.5.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Sollten die Glonner Ureinwohner noch Jäger und Sammler gewesen sein, dann waren es sicher vorrangig die Fischgründe, die sie in die Region lenkten. Dass es bei uns auch nacheiszeitliche Jagdgründe gab, erfährt man aus Funden, zum Beispiel ein paar Hirschköpfe und Geweihe.

Das Wasser als Grundnahrungsmittel für Mensch und Tier, aber auch für jegliche Pflanzen wird es gewesen sein, das die „Sesshaftigkeit“ nicht nur bei uns einleitete. Auch die Unterkunfstmöglichkeit spielte eine Roille. Höhlen waren natürlich gefragt. Mangels dieser war man auf de Bau von Zelten aus Fellen und/oder auf den Bau von Holzhütten angewiesen, wahrscheinlich in der Art, wie sich die ein Holzknecht unserer Zeit zimmert. Wegen der Rinde für Dach und Wand könnten Plätze mit Nadelbäumen gefragt gewesen sein. Das bäuerliche Steinhaus, das sich aus dem Holzhaus entwickelte, ist erst eine Erfindung der Neuzeit.

Es war sicher kein abrupter „Systemwechsel”, noch über Jahrtausende wurde auch parallel gejagt und gesammelt. Aber wahrscheinlich war es vor den Tieren das Brotgetreide, das man „domestizierte”, das heißt in der Nähe des ständigen Wohnplatzes anbaute, um es auch besser schützen zu können. Die ersten Nutztiere, die Milch, Fleisch, Wolle und Leder lieferten, könnten Schafe und Ziegen gewesen sein. Zum einen war diese Form einer Tierhaltung schon aus „nomadischen” Zeiten geläufig, zum andern war deren Unterbringung kaum ein Problem. überdies waren Schafe und Ziegen als Wiederkäuer genügsamer mit dem Futter, hier reichte auch eine Waldweide. Damit konnte man aufwendige Rodungen auf ein Minimum beschränken.
Als Jäger und Sammler war man „Nomade” und zog dem Wetter und dem Klima hin-terher. In der Sesshaftigkeit war das nur mehr ganz bedingt möglich. War man vorher zum Überleben von „Räumen” abhängig, so jetzt von „Zeiten”. Damit war man zu einer Vorratshaltung gezwungen. Aber auch zu einer anderen Wohnkultur. Langfristig erfolgte damit die Änderung unserer Mentalität hin auf ein längerfristiges Denken. Nicht mehr von „Tag zu Tag”, sondern von „Jahr zu Jahr”, oder gar auf ein Leben lang. Diese neue, notwendige Überlebensstrategie mag in unserer Zeit ein Vorteil sein – ja sogar ein Wettbewerbsvorteil.
Die freie Jagd auf Wild und Fisch war von jeher in Konkurrenz zur geregelten Landwirtschaft. Vielleicht haben die „Obereigentümer” darauf auch Rechte gelegt, um eben den „Untereigentümer” mehr an die auferlegten Aufgaben zu binden. Bis nach den Römern war das Land „Fiskalland”, es war also Staatseigentum. Allmählich ging es auf den Adel, sowie auf Kirchen und Klöster über. Ein Teil blieb dem Landesherrn und nur ein paar Prozent blieb bei freien Bauern. Diese neuen Eigentümer verliehen ihr Land durch verschiedene Lehensformen und Bedingungen als „Obereigentum” an die „Hin-tersassen” also die Bewirtschafter. Der Preis nannte sich “Stift”, ,”Zehnt”, ,”Gilt”, “Zins”, ,”Hand-und Spanndienste”. Die Obereigentümer übten nicht nur die Aufsicht aus, sondern hatten auch in gewissen Fällen zu helfen. Dass hier Kirchen und Klöster, ihre Oberen stammten ja oft aus dem Landvolk, ,,mildtätiger” agierten, mag in dem Spruch zum Ausdruck kommen: ,”Unterm Krummstab ist gut leben”.

Diese Lehensverhältnisse hielten oft über viele Generationen. Das hieß aber auch, seine Aufgaben zu erfüllen. Wer es nicht tat, konnte „abgestiftet” werden. Durch Rodungen wurde das Bauernland immer wieder vermehrt. Aber auch durch Be-, und Entwässerungen entstand mehr Nutzfläche. Die Bevölkerungszahl stieg, so manches Anwesen konnte geteilt werden. So aus einem Ganzen, zwei Halbe, oder aus dem Halben zwei Viertel oder aus diesem zwei Achtel. Hausnamen wie der “Moar” für einen ganzen Hof, ,”Huber” für den Halben, ,”Lehner” für eine viertelten oder “Sölde” für das Achtel, leiten sich davon ab. Dieses System, ,”Hoffuß” genannt, war im Grunde eine Steuergröße. Für die eines ganzen Hofes war nicht dessen Fläche nicht in Tagwerk festgestellt, sondern die Ertragsfähigkeit maßgebend. Und so konnten es bei guten Böden 60 Tagwerk und bei schlechten 120 Tagwerk für den “Moar” sein. Eine Fläche in Quadratmetern wurde also nicht bekannt.

Das Steuerverzeichnis von 1671 gibt uns einen Überblick über die rechtliche und wirtschaftliche Situation der einzelnen Anwesen. 1854 gab es 214 Hausnummern, damit ebenso viele Anwesen im Gemeindebereich. 1671 zählen wir 196. Der Zuwachs fand ausschließlich im Ort Glonn statt, während „rundherum” es sogar weniger wurden.
Beispielhaft gehen wir auf den Raum Überloh, Frauenreuth und Reisenthal ein: Von diesen damals zwölf Anwesen waren zwei im Obereigentum des Landesherren, zwei im Eigentum der Ortskirche, eines im Eigentum der Kirche in Glonn, eines gehörte dem Pfarrer in Aibling, eines den Zinnebergern, drei gehörten dem Klosters Dietramszell und zwei dem Beneficium Altenburg (Moosach). Zu bemerken ist, dass Dietramszell vom Kloster Tegernsee aus gegründet und dotiert wurde und Altenburg ein Tegernseer “Officio” (Amt) war. Ursprünglich wird also Frauenreuth Tegernseer Land gewesen sein. Was den “Hoffuß” betraf, gab es in Überloh, Frauenreuth und Reisenthal ein ganzes Anwesen, sechs Halbe, zwei Viertel, ein Achtel und zwei Sechzehntel. Letztere waren in der Regel ohne Vieh und damit nur zum Wohnen. Da die Familiennamen zum Beispiel durch Heirat wechseln konnten, hatte verwaltungshalber jedes Anwesen einen “Ewigen Namen” zu haben, eben den Haus- oder Hofnamen. die Zahl der Personen in diesen Anwesen, ist auch im Pfarrarchiv nicht zu ermitteln, weil die ledigen Knechte und Mägde nicht festgestellt sind.

Auch der Tierbestand ist in dieser 1671er Bestandsaufnahme angegeben: 28 Roße, sieben Fohlen, 32 Kühe, 24 Jungrinder, neun Kälber, zwei Stiere, zwölf Schweine, 45 Ferkel, 43 Schafe, 13 Lämmer, 13 lmpen, zwei Gänse und zwei Biber (Puten). Was auf-fällt: Scheinbar gab es als Zugtier nur Pferde und nicht auch Ochsen, obwohl diese neben der Arbeitsleistung mehr und besseres Fleisch liefern konnten. Scheinbar ist das Pferd, das man auch vor eine Kutsche spannen konnte – die größeren drei Anwesen hatten je vier – schon damals der Stolz eines Bauern. Selbst die “Sölde” (1/8) hatte ein Pferd. Die Rinder, es waren 32 Kühe, 24 Jungrinder, neun Kälber und zwei Stiere, sind in der Mehrzahl. Die Milch war wohl für den Eigenbedarf, aber auch für Käse, der lager- und marktfähig war. Die angegebenen zwölf Schweine werden zum Teil ,,Schweinsmuttern” gewesen sein, denn es gab auch 45 Ferkel. Für die nicht so nutzbaren Gründe hatte man 43 Schafe und 13 Lämmer. Natürlich auch wegen des Fleisches und der Wolle.
Vier der zwölf Anwesen hatten auch insgesamt 13 „lmpen” (Stöcke). Das lässt auch auf Obstbau schließen und natürlich liebte man auch Süßigkeiten. Die zwei Gänse und die zwei „Biber” (Puten) auf einem Anwesen waren die „Exoten” unter den Tieren und vielleicht nur „Liebhaberei” der Bäuerin.
Der Anbau war seit dem Mittelalter durch die „Dreifelderwirtschaft” geregelt. Damit war für eine Dorfflur der Anbau von einem Drittel der Felder mit „Sommerung” (Hafer/ Gerste) und einem Drittel „Winterung” (Roggen/Weizen) vorgegeben. Das letzte Drittel war „Brache”, hatte also unbebaut, zu sein. Die Brachfläche war zur Erholung des Bodens und zur Beweidung durch den Dorfhirten des Dorfviehs vorgesehen. Die einzelnen Felder waren so gelegen, dass jedes Anwesen in jedem Drittel entsprechende, in der Regel mehrere, Flächen hatte. Dies brachte einen Risikoausgleich im Falle von Nässe oder Unwetter. Sicherte aber auch, dass jedes Anwesen jedes Jahr entsprechend Sommer-und Wintergetreide ernten konnte.
Die wenigsten Felder waren an Wegen, sodass man sein Feld nur über ein anderes erreichen konnte. Ein “Flurzwang” regelte den einheitlichen Anbau, sodass gemeinsam geerntet werden konnte und so der Zugang unproblematisch war. Aber auch für die Beweidung der Brache war der Flurzwang unerlässlich. Die Felder waren nicht vermessen und nur durch “Raine”, beziehungsweise durch Naturmerkmale, abgetrennt. In den Saalbüchern (Grundstücksverzeichnisse) war lediglich aufgezeichnet, auf welcher Seite wer der Nachbar ist. Erst im 19. Jahrhundert wurde die “Brache” zugunsten einer “Blattfrucht” (Klee, Kartoffel usw.) abgeschafft. Die damit erhöhte Anbaufläche steigerte den Anteil an Verkaufsfrüchten, in der Regel Getreide. Damit wurde ein Bauboom ausgelöst.
Mit der Säkularisation ab 1803 wurde zu einem guten Teil das “Obereigentum” auf den Staat übertragen. Es gab dann Ablöseangebote an die “Untereigentümer”, die aber nur von wenigen genutzt wurden. Erst 1848 gab es dann eine generelle “Bauernbefreiung”. Die aktuellen Bewirtschafter wurden, gegen Bodenzins an den Staat, Eigentümer. Damit konnte man jetzt sein Anwesen beliebig verkaufen oder vertauschen. Die schon 1810 vermessenen Grundstücke konnten dann aber auch leichter zu größeren Parzellen getauscht werden. Die “Arrondierungen” beziehungsweise „Flurbereinigungen” in der Mitte des letzten Jahrhunderts ergaben dann die heutige Struktur.
Auch auf die Rinderzucht bekam einen höheren Stellenwert. Der Gastwirt Obermaier aus Gmund „importierte” dazu das Simmentaler Fleckvieh aus der Schweiz. Wohl auch das spezialisierte Personal, eben den „Schweizer”, wie man heute noch den Melker nennt.
Die neue Eigentumsstruktur ab 1848 brachte ein neues Selbstbewusstsein. Bei so manchem Neubau konnte man das auch sehen. Eine neue Freiheit gab es auch bei der Bewirtschaftung und bei den Betriebsmitteln, wie zum Beispiel dem Bauen. Frei-heit heißt auch Risiko und Selbstdisziplin. Nicht alle konnten damit umgehen und mussten verkaufen. Andere konnten sich „aufikaffa”, wie man damals sagte. Sie konnten eben ihr Anwesen vergrößern oder ein größeres kaufen. Den gesteigerten Immobilien- und Geldmarkt nutzten auch viele, die sonst nichts mit der Landwirtschaft zu tun hatten. Durch die neue Transport- und Kühltechnik wurden auch die Agrarmärkte größer. ,”Unsere Kühe weiden am La Plata”, dieses Zitat eines Reichskanzlers, zeigt aber auch die gesunkene Wertschätzung gegenüber der einheimischen Landwirtschaft. Die Landflucht fordert mehr Mechanisierung. Die wiederum muss finanziert sein. Zusammenschlüsse, in der Regel Genossenschaften, werden gegründet, um Ein-und Verkauf zu bündeln. Aber auch das Geld soll im Ort bleiben. Aus dem Bauernstand wurde immer mehr ein Berufsstand.
Zur Jahrhunderte lang geübten Praxis kommt später immer mehr die Theorie hinzu. Ausbildung ist gefragt, die die neuen Landwirtschaftsschulen anbieten. Immer mehr ist auch kaufmännisches Geschick angesagt. Gab es früher Konkurrenten, wenn es um die Hofnachfolge ging, kann es nun Probleme geben. Diesen Veränderungen hatte sich die Landwirtschaft der letzten 150 Jahre auch in der Gemeinde Glonn zu stellen.

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Tod am Rednerpult

von Hans Obermair
erschienen in leicht abgeänderter Form am 26.4.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Zum 50. Todestag von Wolfgang Koller

120 Jahre wäre er heuer alt geworden, dieser begnadete Glonner Dichter und Schulmann. Oberschlurat in Ebersberg bis 1969 war seine letzte Aufgabe und sein letzter Titel. Ich persönlich lernte ihn allerdings kennen als „Oberlehrer von Glonn“. Als damaliger „Seminarleiter“ für den Lehrernachwuchs im Landkreis Ebersberg, hatte er auch in meiner Volksschule in Gelting zu tun. Wenn er zu Lehrer Anton Markstätter kam um dessen Unterricht zu bewerten, war dieser sicher aufgeregter als wir Schulkinder. Wir kannten Koller ja schon von einigen Besuchen. Es begann immer so: „So Kinda jiazt lean ma z´scherst a Liadl“. An eines kann ich mich besonders erinnern: „Mia fahrn mit da Zuin üban See und fangan des Fischal juhe-juhe, Fischal im Grund gib guat acht –gib guat acht, sonst bist in da Pfann drin auf´t  Nacht“. Ob der gute Rat und die Drohung an das „Fischal“ auch unserem Lehrer gelten sollte -sicher nicht. Solch plumpe Ratschläge hätten gar nicht zu Wolfgang Koller gepasst. Dass er mit diesem Lied etwas in Mundart „vorgelegt“ hatte, war sicher so gewollt. So war die „Luft heraust“ bei uns Schulkindern, aber auch beim Testunterricht. Übrigens Wolfgang Koller war ein profunder Kenner und Förderer unserer Mundart, dessen Feinheit und deren Spielarten er besonders in seinen Gedichten nicht nur einbaute, sondern auch auslebte. Wenn er auch sicher gerne redete, aber das Zuhören in seine Muttersprache hinein, konnte er auch gut.

1904 in Glonn geboren und 1974 in Glonn gestorben. Eigentlich die Kurzform eines Lebenslaufes, wie ihn eine Vielzahl der einfachen Leute, unter denen er aufgewachsen und denen er zugetan war, lebten und starben. Der  Unterschied ist nur, dass sein Tod an Dramatik kaum zu überbieten ist. Trotz seiner vielen Arbeit war Wolfgang Koller immer für seine Glonner Heimat zu haben. Erst recht im Rentenalter. Logisch, dass er zur anstehenden 1200-Jahrfeier 1974 nicht nur gebraucht wurde, sondern im Festausschuss ein der ganz Wichtiger war. Er kannte sich ich nicht nur in Glonner Geschichte besonders gut aus, sondern auch in der Kunst. Und so war es zwangsläufig, dass man ihn auch für eine Festschrift gewann. Nur er konnte so schreiben, dass dabei keine „Aufzählung“ daraus wurde, sondern ein „Erzählung“. Dabei kam die „Glonner Seele“ nicht zu kurz. Ein Festakt braucht auch einen Festredner und noch dazu einen guten, wenn als Ehrengäste Kardinal Döpfner und Ministerpräsiden Goppel angesagt sind. Auch dafür gab es keinen Anderen und Besseren als Wolfgang Koller. Auch für ihn eine besondere Aufgabe: Während des Festgottesdienstes feilte er noch an seinem Konzept. So, als hätte er geahnt, dass es seine letzte Rede sein sollte.

Bisher war die 1200-Jahrfeier eine fröhliche, bis hin zum Festgottesdienst. Mozarts Krönungsmesse war aufgelegt, was denn sonst! Nachher ging  die Festgemeinschaft in den Pfarrsaal. Wieder Musik und Gesang. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Singer und den Grußworten, endlich der Festvortrag: Sicher, wie immer, stand Wolfgang Koller hinter dem Rednerpult. Weit ausholend kam er zum Glonner Geschehen des Jahres 774. Wohl auf einem Höhepunkt seiner Festrede aber versagt sein Herz. Wolfgang Koller knickte in sich zusammen. Der anwesende Arzt konnte nur mehr den Tod feststellen. Anstatt bei der zum Schluss geplanten Bayernhymne stand man jetzt, als der Kardinal die Sterbegebete über den Verstorbenen sprach. Wolfgang Koller liebte es in der Öffentlichkeit zu sein. So gesehen mag man anlässlich seines Todes am 28. April 1974, und das vor so erlauchtem Publikum, an Vorsehung denken.

Zurück ins Leben des Wolfgang Koller. Dass er am Leonharditag (6. November 1904), dem wohl  bedeutensten bäuerlichsten Fest, geboren ist, könnte ein Omen für seinen Bezug zu den Leuten auf dem Lande sein. Der Vater, Ortsgendarm und aus der Oberpfalz, die Mutter aus dem Schwäbischen stammend und die beiden älteren Brüder, der eine einmal General, der andere einmal Landrat, bildeten seine Familie.  Der gutmütige Vater und die strenge Mutter wohnen mit ihren drei Buben in der Dienstwohnung in einem alten Anwesen, direkt neben dem musikbegeisterten Neuwirt. Vielleicht nahm hier schon seine Liebe zur Musik einen Anfang. Lena Christ, die gegenüber dem Neuwirt ihre Glonner Heimat hatte, war ab 1911 beim Neuwirt ein paarmal in der „Logie“. Auch hier könnte sich eine Nähe zur späteren Dichterin entwickelt haben.
Wie es heißt, besucht Wolfgang in Glonn die achtjährige Volksschule. Lehrer Reisacher, ab 1911 in Glonn, und einer Kunstmalerfamilie entstammend, könnte auch auf das Kunstempfinden des Buben Einfluss gehabt haben. Die „ganze“ Volksschule besucht zu haben, war für den späteren Schulleiter und Schulrat, sicher eine gute Lehre. Im Jahr des Kriegsendes 1918 hat Wolfgang die Volksschule absolviert. Die „schlechte Zeit“ während des Krieges hat sich fortgesetzt. Was mit dem 14-jährigen dann war, ist offen. Jedenfalls heißte es, er sei 1924 nach einem Studium in Freising, wohl das eines Lehrers, in die Praxis als Lehramtsbewerber an die Glonner Schule berufen worden. Lehrer Reisacher war noch Schuleiter. Die „Rally“ eines Junglehrers  beginnt: Ramsau, Marzoll, Skt. Christoph, Amerang, Dorfen (EBE) und endet 1929 in Bad Aibling. Die Heirat mit Barbara, einer Bekanntschaft aus der katholischen Jugendorganisation „Quickborn“ folgt. Die beiden Kinder Lisl und Berhard werden geboren. 1937 begann ein Lehrgang an der LMU in München zum Sonderschullehrer. Das  ermöglichte eine Anstellung in München und brachte von den Schülereltern mehr Unabhängigkeit. Aber die Künstlerfreundschaften aus der Aiblinger Zeit halten sich ein Leben lang. 1937 wird auch das Haus in Glonn gebaut. Jetzt in München tätig, sorgt Koller federführend für eine ergänzte Neuauflage der Glonner Chronik von 1909,  geschrieben von  Pfarrer Niedermair. Später wird  das Werk zum „Einstampfen“ abgeholt.  Der „Quickborn“, bei dem er schon seit seiner Jugend aktiv und dann auch führend tätig  war, ist  nicht auf der Linie der „Nazis“. Und so wurden im Glonn nahen Krügling  konspirative Treffen unter Führung Kollers abgehalten. Dass dort auch der Aufruf der „Weißen Rose“ vorgelesen, und wohl auch diskutiert,  wurde, ist eidesstattlich bestätigt. So etwas war sehr mutig und lebensgefährlich. Aber auch  Glonns  Bürgermeister von 1930 – 1933, der „Neuwirt“ Ludwig Maier, bestätigt Koller als „Antinazi“. 
Nach dem Krieg ist Koller Lehrer in Schönau. Schon 1947 wird er Schulleiter in Glonn.  Von seinen „Oberen“ wird im zusätzlich die Ausbildung des Lehramtsnachwuchses im Landkreis übertragen. Bei der Neuauflage der Lesebücher leistet Koller immer wieder wertvolle Dienste.  Er kann dafür  sorgen, dass Bodenständiges mit eingebracht wird. 1952  wird  er Schulrat in Erding und 1957  â€žOberschulrat“  in  Ebersberg.

Malerei war  eine Leidenschaft Kollers. Auch von ihm selbst gibt es Bilder. Wenn man sein Glonner Haus besuchte,  bekam man einen Eindruck, mit welchen Malern er in Kontakt stand. „Seine“  Kunst aber war das Schreiben. Vom einfachen Zeitungsbericht und Fachbeiträgen  über Mundartgedichte, so auch das Schönauer Krippenspiel,  bis zur ausgereiften Lyrik, verstand er es, seine Mitmenschen anzusprechen. Immer kommt sein Schreiben aus der heimatlichen Wurzel und ist auch an das Gemüt gerichtet.  Und wenn er einmal sagt: „Nicht der Dichter allein schaffe ein Gedicht; eine Situation oder das Leben selbst würden ihm die Feder führen“, so klingt das eher bescheiden. Und doch ist es sein geschriebenes Werk, das ihn auf Dauer überleben wird.

1974 endet dieses Leben – ein gutes halbes Jahr vor seinem Siebzigsten. Hätte er diesen Tag erlebt, wäre er zum Ehrenbürger der Marktgemeinde ernannt worden. So aber erinnert die Straße nach Moosach,  die „Wolfgang-Koller-Straße“ an ihn. Aber auch seine  Sorge um Leben und Werk von Lena Christ ist in die Literaturgeschichte  eingegangen. Eines seiner eigenen Gedichte „Der Brunnen“  ist ein zeitloses Vermächtnis von Wolfgang Koller. Was aber noch an ihn erinnert, sind die vielen guten Lehrerinnen und Lehrer, die er uns geschenkt hat. Umgekehrt haben auch die an Ihn erinnert, nicht nur mit ihrer Arbeit, sondern auch, weil sie keinen runden Geburtstag- und Todestag ihres Lehrers übersehen haben.
Wer mehr über Wolfgang Koller wissen will, dem seien die Beiträge von Rudolf Gerer (Band 2/1999) und Herrmann Eberle (Band 15/2012)  der Jahrbücher des Historischen Vereins für den Landkreis Ebersberg e.V. empfohlen.

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Mühlrad und Forelle – Unverkennbar Glonn


von Hans Obermair
erschienen am 6.4.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Wenn einem „Mühlrad und Forelle“ auf dem Querschild eines Hosenträgers begegnen, dann hat das was mit Glonn zu tun. Der Träger dieser Hose ist dann zu einem hohen Prozentsatz ein Glonner.

Er muss deswegen nicht in Glonn geboren sein, aber mit großer Wahrscheinlichkeit  gehört er zur Glonner Musi oder zu den Glonner Trachtlern. Auch die Freiwillige Feuerwehr trägt dieses unmissverständliche Glonner Kennzeichen, auf dem Ärmel und auf der Fahne, so wie auch die vielen anderen Vereine des Marktfleckens. Alle die es tragen, tragen es mit etwas Stolz, niemand versteckt es. Unser Glonner Wappen ist also nicht nur ein hoheitliches Zeichen, sondern hat, wie wir gesehen haben,  auch eine Erkennungsfunktion. Letztere ist aber auch die Ursprungsidee warum man Wappen „erfunden“ hat. Es hat „ritterlichen Ursprung und zwar um die Erkennbarkeit eines Ritters zu erleichtern.  Denn die trugen bei ihren Turnieren, aber auch Kämpfen, eine Rüstung.  Und die sahen im Grund alle gleich aus. Zum einen sollte ein Ritter im Turnier für sein „Fans“ erkennbar sein, aber auch beim Kampf,  um im Ernstfall nicht den eigenen Kumpan für den Feind zu halten. Die Wappen, die sich ab dem 12. Jahrhundert entwickelt haben, waren sozusagen als „Visitenkarte“ auf dem „Schild“, dem „Schutzblech“ des Ritters, angebracht. Da hatte es den meisten Platz, um auch möglichst sichtbar zu sein. Dieses Zeichen wurde im Laufe der Zeit auch zum Emblem für ganze Familien, nicht nur für Adelige, sondern auch für Bürger.  Allmählich wurde Wappen auch als Hoheitszeichen für Länder, Städte, Märkte und Gemeinden angenommen. Aber  auch alle möglichen Zünfte, Gilden und Gemeinschaften nützten dieses Medium. Man war zwar damit nicht „ritterbürtig“,  man konnte aber auf allen möglichen Gegenständen, Papieren, Stempeln und Sigeln sein „Gesicht“ zeigen und verbreiten. Mit einem Wappen gehörte man ja zu den „Gwappit´n“, was ja heute im Volksmund noch Bedeutung hat. Wie oft die Wappenidee Umsetzung fand, zeigt uns der Wappenkundler Johann Siebmacher, der ab 1596 seine Wappenbände mit damals fast 6000 existierenden Wappen herausgab.  Ein heutiges Wappenbuch zeigt über
20 000 Beispiele.
Dass sich die 1848 „befreiten“ größeren Bauern zum Zeichen ihres „Standings“ auch mit einem Wappen schmücken wollten, ist begreiflich. An Tradition hat es ja nicht gefehlt. Clevere Geschäftemacher nützten das aus. Zum Namen passende Wappenvorlagen dienten als Muster für ein grafisches Angebot an die Interessenten. Mit  einem „ich habe euer Wappen gefunden“ war schnell ein Geschäft gemacht. So wie „echte“ Adels-und Bürgerwappen wurden diese dann verwendet und  gezeigt. Dass die Käufer auf den „Leim“ gegangen sind, hätte man im „Siebmacher“ oder einem anderen Wappenbuch  nachvollziehen  können.

Aber zurück zum Glonner Wappen: Glonn hatte bis dahin kein Wappen. Erst im Jahre 1931 wurde unter Bürgermeister Ludwig Mayer ein Wappen beantragt und vom Bayerischen Innenministerium am 16. November genehmigt. In diesem Jahr war auch die Einweihung des neuen Rathauses. Mag sein, dass dieses Ereignis den Bürgerstolz besonders entfachte und zu diesem Antrag führte. Auf jeden Fall stand auch Professor Lebsche hinter dieser Idee. Bürgermeister Mayer hält dies am 27. April 1932 schriftlich so fest: „Herr Universitäts-Professor Dr. Max Lebsche, Sohn des hiesigen Sanitätsrates Lebsche, hat ich um den Entwurf sowie um das Zustandekommen reichen Verdienst erworben. In hochherziger Weise  übernahm Herr Professor auch die gesamten Kosten der Ausführung. Die künstlerische Ausführung lag in den Händen von Professor Hupp, Heraldiker in Schleißheim und Professor Buchner in München.  Am 22. April 1932 wurde das Wappen am neuen Rathaus angebracht“. 
An geschichtlichen Motiven für ein Wappen hätte es in Glonn sicher keinen Mangel gegeben. Stattdessen wurde aber ein „sprechendes“ Motiv gewählt. Die Idee beziehungsweise die Vorgabe dürfte von Professor Lebsche  stammen.  Hier die offizielle Beschreibung: „In Silber ein schwarzes Mühlrad, überhöht von einer rechtshin schwimmenden Forelle“ Damit wurde den Besiedlungsmotiven Glonns  Rechnung getragen: Das Mühlrad, das 16 Zacken hat, hat übrigens mit den 16 Bundesländern nichts zu tun, sondern soll an das Wasser erinnern, die   Lebensgrundlage für Mensch und Tier, sowie  „Kraftquell“ für die sieben Glonner Mühlen. Aber auch an den Tuffstein, aus dem Wasser geworden und  Basis für den Mühlstein, dem wichtigsten Utensil einer Mühle.  Die Forelle steht für Leben, Nahrung und Beweglichkeit.

Einer der  Schöpfer des neuen Wappens, der weithin bekannte Heraldiker Prof. Hupp, entwarf nicht nur Wappen sondern auch Banknoten und Firmenlogos, auch für Brauereien.  Eine frühere Zusammenarbeit mit dem Architekten  Gabriel von Seidl ist verbürgt. Das Glonner Wappen ist nur eines von rund 10000 Werken, die Hupp gestaltet hat. Von ihm stammt auch das Bayerische Staatswappen von 1923.  1906 wurde Hupp vom Prinzregent Luitpold  zum Professor  ernannt. Obwohl Hupp ein hochrangiger Künstler war, er wollte als Handwerker gesehen werden.

Das neue Wappen ziert nicht nur das Gemeindesiegel, sondern auch als in Stein gehauenes Relief über dem Eingang des Rathauses. Der Bildhauer ist nicht bekannt. Vielleicht war es wieder der Bildhauer Maier, der 1923 den „sterbenden Krieger“ am neuen Kriegerdenkmal geschaffen hat. Jedenfalls hat diese Skulptur „fünf Zentner“, wie es im „Oberbayer“ vom Mai 1932 heißt, und scheint für die Ewigkeit geschaffen zu sein. Hoffentlich!
Sicher war das neue Rathaus ein günstiger Anlass für ein Gemeindewappen. Aber Professor Max Lebsche und Bürgermeister Ludwig Mayer, der „Neuwirt“, dürften aber auch die Zeichen der Zeit erkannt haben, und damit den drohenden Nationalsozialismus. Deshalb hat Lebsche 1930, er hatte den Staatsdienst quittiert und  seine eigene Klinik aufgebaut. 1933 nach der „Machtübernahme“, wäre es sicher nicht mehr möglich gewesen, solch konservative Motive wie  in einem Glonner Wappen zu  verwenden. Die „Nazis“ haben dann ab 1933 ihre eigene Symbolwelt aufgebaut und reichlich demonstriert –allerdings nicht mit Mühlrad und Forelle.

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