14.7.2020 “Drinnahoiza-Draussahoiza”
10.10.2020 “Waar schod drum” -Mundart”
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Erstmalige Erwähung findet unser Ort in der Schenkungsurkunde des Ratpot von 774, in der dieser seine Besitzungen an Glonn und Moosach an die Kirche zu Freising vermacht.
Das 1250ste Jubiläum dieser Erwähnung haben wir 2024 gefeiert, archäologische Funde sprechen aber für eine Besiedelung schon weitaus früher.
Neben einer Chronologie der wichtigsten Ereignisse in der Glonner Ortsgeschichte finden Sie hier eine Übersicht über die zu Glonn gehörenden Ortsteile, insbesondere Zinneberg.
Die Veröffentlichungen und Chroniken zeitgenössischer und früherer Ortschronisten zeigen Ereignisse und Entwicklungen aus den verschiedensten Blickwinkeln.
(Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Inhalte noch bei weitem nicht vollständig sind, die Seite wächst langsam aber stetig)
Die allererste Chronik der Gemeinde Glonn verfasste der Lehrer und Gemeindeschreiber Johann-Baptist Dunkes. Sie umfasst die Glonner Geschehnisse von 1840 bis 1868.
Frühere Aufzeichnungen gibt es von Pfarrer Melchior Schmalzmaier (geb. 1617), der mit seinem Bruder Johann Schmalzmaier 1634 nach Glonn kam und nach dessen Tod, 1644, selbst Pfarrer in Glonn wurde. In den “Annotatio”, aufgeschrieben in “seinem 40.Lebensjahr”, 1656, schildert er das Kirchenleben, die vorhandenen Reliqien, die Stiftungen. Aber auch über die Folgen des dreißigjährigen Kriegs in Glonn können wir dort lesen.
Die erste umfassende und auch gedruckte Chronik Glonns haben wir dem Pfarrer Johann-Baptist Niedermair zu verdanken. Er veröffentlichte 1909 “Glonn und Umgebung – in Vergangenheit und Gegenwart nach Quellenforschung”.
Diese sehr umfangreiche und bereits mit Fotos bebilderte Chronik bemühte sich um ein umfassendes historisches Bild.
Zur 1200 Jahr Feier im Jahr 1974 hat der Lehrer und Schulrat Wolfgang Koller (1904-1974) eine Chronik der Gemeinde Glonn verfasst.
Seitdem haben sich vor allem Hans Obermair, Hans Huber und Konstanze Kilger um die Erforschung und Bewahrung Glonner Geschichte verdient gemacht.
Die meisten ihrer Veröffentlichungen und eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.
Festschrift „1200 Jahre Taglaching“ (1988)
Das Adelsgeschlecht der Pienzenauer auf Wildenholzen (2014)__________Herunterladen
Gemeinde Bruck, Festschrift zur Eröffnung des Gemeindezentrums (1995)
Informationsbroschüre zur Gemeinde Bruck (2014)
Festschriften zu Vereinsjubiläen:Â
100 Jahre Privatunterstützungsverein bei Brandfällen Bruck bei Grafing (1989)
Gemeinsam mit Johann Riedl „40 Jahre Waldbesitzervereinigung Ebersberg e.V. (1991)
125 Jahre FFW Alxing e.V.
90 Jahre Radfahrerverein Alxing (2001)
50 Jahre Schützenverein St. Hubertus Alxing (2005)
Veteranenverein Bruck – 120 Jahre Vereinsgeschicht Milchverwertungsgenossenschaft Taglaching, 100 Jahre Geschichte (2013)
125 Jahre Burschenverein Bruck (2014)
...damals vor langer Zeit“ ein historischer Beitrag zur Festschrift: „75 Jahre Jugendhilfe auf Schloss Zinneberg“
Die Adelsgeschlechter auf Schloss Zinneberg, Chronik einer 700-jährigen Geschichte
Die Schwestern vom Guten Hirten: Geschichte der Ordensgründung in Haidhausen
Glonner Marktschreiber
Gemeindezeitung Bruck: “Die Brückeâ€
Ebersberger Zeitung
Süddeutsche Zeitung
Jahrbuch des Historischen Vereins
Dieser Text von ©von Hans Obermair erschien am 13.8.2021 in der Ebersberger Zeitung
Heute ist der Name Lanz vielen nur mehr vom Fernsehen her bekannt. Der aus Südtirol stammende Markus Lanz ist ein Moderator, der aus den bundesdeutschen Medien nicht mehr weg zu denken ist. AnlässÂlich eines Glonner Pfarrausfluges nach Südtirol waren wir im Hotel des OnÂkels von Markus Lanz untergebracht. Als ich mit dem Onkel ins Gespräch kam und im eröffnete, dass mir der Name Lanz vom „Bulldog” her geläufig sei und ich in meiner Jugendzeit mit einem solchen viel zu tun hatte, fragte er umgehend „hosch ‘t oan”, oder auch nur Teile – und wenn es nur eine
alte Heizlampe wäre. Der Onkel war nämlich begeistert von den Bulldogs seines Namens. Leider konnte ich ihm nicht dienen. Aber er war auch an meinen Erlebnissen mit diesem Schlepper sehr interessiert. Was auch sonst.
Der „Lanz” aus Mannheim war ab etwa Mitte der 1930er Jahre die meist gekaufte landwirtschaftliche Zugmaschine in ganz Deutschland, besonders in den Ackerbaugegenden. Und so hörte man in der Gegend, besonders während der herbstlichen Zeit des Pflügens, überall diese Bulldogs „schnaÂckein”. Besonders in der Ackerbaugegend des Münchner Ostens, dem so genannten „G’fij” (Gefielde) war das das Geräusch des Herbstes.
Dieser meistens 20 PS starke „Einzylinder” mit der Glühkopfzündung nach dem Zweitaktsystem war einfach und robust. Der Glühkopf vor dem lieÂgenden Zylinder und Kolben verlängerte die Maschine nach vorne. Hier war der Zündteller untergebracht, der vor dem Kaltstart mit einer LötlamÂpe erhitzt werden musste. Das dann von der darüber liegenden Düse auf das Zündteller eingespritzte Diesel explodierte und bewegte den Langhub- Kolben. Der Hubraum war 2.5 Liter und das Gewicht von rund 50 Zentnern brachte die Kraft auf dem Boden.
Die einfache Bauweise des Motors stellte auch keine besonderen AnsprüÂche an den Treibstoff. Pro Stunde waren das ca fünf Liter. Man konnte den „Saft” maximal mit einem drittel Ablassöl „strecken”. Dies hatte allerdings den Nachteil, dass die Düse öfter verstopfte und dass nicht alles verbrannÂte. Der Rest wurde dann aus dem typischen Auspuff nach oben geschleuÂdert, sodass der Fahrer seine „Düpferl” abbekam.
Nicht nur Ablassöl konnte der Lanz „verdauen”. Ein Bulldogfahrer berichteÂte, dass er versehentlich einen Kanister Karbolineum in den Tank schütteÂte. Sein Resümee: „Aba do hot a guat zog’ n”. Man erzählte auch, dass die Türkei den Kauf von Schleppern ausschrieb. Bedingung war, dass Zig-Ton- nen ranziger Butter zu verwerten seien. Lanz machte das Geschäft.
Hatte der Zündteller die nötige Temperatur, wurde der Bulldog gestartet. Vorher wurde noch über einen kleinen Hebel „eingespritzt”, sodass genüÂgend Diesel im Zünd-raum war. Bei den Vorkriegsmodellen erfolgte der Start mit dem abnehmbaren Steuerrad. Man steckte es in die Mitte der seitlich liegenden Schwungscheibe, wippte ein paarmal und zog dann durch. Das Steuerrad dreht sich nun mit dem laufenden Motor – und dann pressierte es, es musste schnellstens abgezogen werden. Genau hier war das größte Gefahrenmoment. Gelang dies nicht sofort, löste sich das SteuÂ
errad drehend von selbst und konnte wie ein Propeller durch die Luft flieÂgen. Unfälle gab es immer wieder. Und so war der Rat eines alten BulldogÂfahrers Gold wert: „Wenn dir das passiert, ist der sicherste Platz unter dem Bulldog!” Dieser Unfallquelle begegnete die Berufsgenossenschaft damit, dass ab Anfang/Mitte der 1950er Jahre feste Antriebsscheiben vorhanden sein mussten. Gegebenenfalls war nachzurüsten. Aber auch die Lötlampe wurde durch eine fest eingebaute Zündvorrichtung zum Starten häufig erÂsetzt.
Die Pflege dieses Schleppers war einfach: Ölwechsel gab es nicht; er hatte ein eigenes Umlaufschmiersystem. Für die gelegentliche Reinigung des „Kamins” diente bei uns ein alter Offizierssäbel aus dem Ersten Weltkrieg, und ein paar Schmiernippel. Aus! War einmal die Düse verstopft, so konnÂte man diese schnell, auch auf dem Feld, mit einer Nadel reinigen.
Der Lanz hatte drei Vorwärts- und einen Rückwärtsgang. Dann den „ÜberÂsetzer”, sodass sich die Zahl der Gänge verdoppelte und das Gefährt auch straßentauglich war. Das Getriebe war natürlich nicht synchronisiert. Aber bei geringer Zugbeanspruchung und einer gewissen Technik mit dem GasÂpedal konnte man auch ohne zu kuppeln rauf und runter schalten. Ab den 1950er Jahren musste bei den älteren Modellen der ÜbersetzungsgangheÂbel abgesägt werden, weil diese Modelle nur eine Handbremse hatten, und das entsprach nicht der Vorschrift. Übrigens: Man konnte durch „spieÂlen” mit dem Gashebel auch die Drehrichtung ändern, sodass man die VorÂwärtsgänge zur Rückwärtsfahrt verwenden konnte. Bei den Anfangs-Lanz- Modellen war dies sogar die einzige Rückfahrmöglichkeit.
Meine Erlebnisse mit diesem Unikum waren ab 1951 auf dem Pachtbetrieb meiner Eltern beim „Wirt” in Ottersberg. Mit den 120 Tagwerk, davon gut zwei Drittel Ackerbau waren nicht nur wir, sondern auch unser Bulldog gut beschäftigt. Zu unserem „Lanz” hatten wir noch den kleineren „Schlüter”. Schon als Bub musste ich mit den Traktoren bei der Ernte „Vorfahren”. Nur wenn man sich „ganz lang” machte, konnte man die Kupplung durchdrüÂcken und schalten. Ab etwa 16 war ich dann der Bulldogfahrer auf dem Hof. Im Herbst zum Beispiel saß ich wochenlang täglich auf dem „Lanz” und pflügte. Eine Hand am Lenkrad, die andere an der Spindel des angeÂhängten Pfluges. Man fragte mich, ob ich es „im Kreuz” hätte, weil ich so schief daher komme. Es war eben diese wochenlange einseitigen Tätigkeit. Aber auch mein Gehör hatte mit dem „Lanz” auf Dauer zu leiden. GehörÂschutz gab es damals nicht. Und je lauter er bellte, umso besser zog er. Sein Geräusch war so laut, dass man, auch wenn man schrie, sich nicht höÂren konnte.
Einmal hätte mir der „Lanz” beinahe das Leben gekostet oder mir zuminÂdest lebenslange Invalidität eingebracht: Ich pflügte einen Kleeacker um. Beim Ausheben des Pfluges an der Querfurche, ich hatte schon das „Gas” zurückgenommen, starb der Motor ab. Ich startete mit dem Lenkrad den Bulldog wieder in gewohnterWeise. Ein weghängender Flicken an meinem Handschuh hatte sich aber im Lenkrad verfangen, sodass ich die Hand nicht mehr vom Rad brachte. Ich wurde mit der Drehung in Richtung KotÂflügel gezogen und hörte es in meiner Schulter schon krachen. Da schlug der Motor, Gott sei Dank, zurück und ich flog rücklings aufs Feld. Wäre, wie gewohnt, der Handgashebel auf „Voll” gewesen, hätte es keinen RückÂschlag gegeben und ich wäre womöglich allein auf dem Feld meinem Schicksal ausgeliefert gewesen. So aber konnte ich meine Arbeit fortsetÂzen.
Im Sommer 1957 kauften wir uns dann einen weiteren Schlepper, der den „Lanz” weitgehend ersetzte. Dieser war dann nur noch auf „Reserve”. Aber immer wieder musste er vor den Pflug. Es war schön mit ihm zu fahren.
Und so kann ich die heute noch übliche „Lanzleidenschaft”, wie man sie heute bei Oldtimertreffen erleben kann, gut verstehen. Die Faszination „Lanz” mag man auch daran ermessen, dass der Gebrauchsname „BullÂdog”, der ursprünglich nur für Lanzschlepper allein gültig war, heute noch als Synonym für alle Traktoren verwendet wird. Dies dürfte ziemlich einÂmalig sein in unserer Industriegeschichte.

von Hans Obermair©
erschienen am Montag, 21. Februar 2022, Ebersberger Zeitung / Lokalteil
Gemeinschaftsform von Ledigen in bäuerlichen Gegenden lebt bis heute weiter
Der Begriff „Zeche”, ist schon im 13. Jahrhundert ein Begriff. Er kommt nicht vom „Zechen”, also mit Essen und Trinken eine Zeche maÂchen, sondern bedeutet so viel wie Gemeinschaft, wie die „Zeche” der Bergleute. Der Sprachforscher Schmeller erwähnt, dass die „Zech”, im SinÂne einer Gemeinschaft von ledigen Leuten, an der „oberen Isar” vorkomÂme. Die „Zech” war eine Gemeinschaftsform von Ledigen, in bäuerlichen Gegenden, wo es meist keine kirchlichen Vereinigungen, wie Gesellen-oder Burschenvereine, gab. Möglicherweise wurden solche erst gegründet, um die Gestaltung des Freizeitlebens der ledigen Burschen nicht nur den „ZeÂchen” zu überlassen. Oder gar um Zechen zu verhindern oder abzulösen.
Und so haben sich Zechen primär nicht an Pfarrorten gebildet, sondern oft in kleineren Orten und Ortsteilen. Überdies gab es in den Pfarr-und GeÂmeindeorten, wie zum Beispiel in Glonn, ein reges Vereinsleben. Wenn Schmeller feststellt „an der oberen Isar” gäbe es die Zechen, es gab diese auch bei uns. Sie sind möglicherweise erst später entstanden. ErstaunliÂcherweise konnten bisher im nördlichen Landkreis, also bei den „Draußerholzern”, keine Zechen nachgewiesen werden.
Um das Leben in den Zechen darzustellen, sei hier die Gegend um Glonn als Beispiel angeführt. So wie es schon im letzten Drittel des 19. JahrhunÂderts in Schlacht eine Zeche gab, so gab es sie auch, wenn auch erst späÂter, zum Beispiel in Münster, Glonn, Frauenreuth, und Berganger.
Zechen waren nicht wilde Gemeinschaften, sondern hatten feste Formen. So hatte jede Zeche einen Zechmeister, gegebenenfalls auch einen StellÂvertreter, einen Musikanten und eine Kasse, vom Zechmeister, oder seiÂnem Stellvertreter geführt. Zu einer Zeche gehörte auch ein „Stammlokal”. So ist es auch zu verstehen, dass sich die jungen Leute eines Ortes ohne Wirtshaus, der Zeche des Nachbarortes anschlossen. Aufzeichnungen in den einzelnen Zechen wie Protokolle oder Kassenbücher sind nicht beÂkannt.
Bei einer „Zech” konnten alle ledigen Burschen und Mädchen eines GebieÂtes mitmachen; auch Knechte, Mägde und Handwerker, die nicht von hier stammten und nur hier im Dienst waren. Es gab keine AltersbeschränÂkung. Wichtig war, dass man noch ledig ist. Zweck einer „Zech” war die GeÂmeinschaft. Gemeinsam war man eben stärker. Selbstbewusstsein und EiÂgenständigkeit der einzelnen Orte kamen hier besser zur Geltung. Ebenso brauchte man die Gemeinschaft zur Pflege und Weitergabe des BrauchÂtums. Außerdem war gemeinsam gekauftes Bier billiger.
Gründungsmotiv war also der Wunsch zur Gemeinschaft. Solche GemeinÂschaften entstehen oft gelegenheitshalber. Und da Zechen auch Kinder ihÂrer Zeit sind, ist anzunehmen, dass sich viele mit der zunehmenden FreiÂheit des Einzelnen „gründeten” wie etwa durch die „Bauernbefreiung” von 1848. Überdies gilt, wahrscheinlich aus demselben Grund, die zweite HälfÂte des 19. Jahrhunderts auch als die „Gründerzeit” für Vereine. Dies betraf natürlich in erster Linie die größeren Orte. Die Vereinigungsmentalität machte aber vor den kleineren Orten nicht Halt. Das Entstehen von ZeÂchen wurde hierdurch zweifelsohne beeinflusst. Hie und da mag auch die Eröffnung eines Dorfwirtshauses das Werden einer Zeche gefördert haÂben. Es ist aber auch umgekehrt denkbar.
Ein Beispiel: die Schlachter Zeche, die „Greawinkler”. Sie umfasste die Orte Schlacht, Kreuz, Steinhausen, Mühtal, Reinsdorf, Balkham, Ursprung und Adling. Glonn wurde also im Norden und Westen halbkreisförmig umganÂgen. Im Süden und Osten von der Frauenreuther Zech. Nur von einer Zech ist ein spezieller Name bekannt: die „Greawinkler”.
Woher der Name „Greawinkler” kommt, dafür gibt es keine eindeutige Erklärung. Wolfgang Koller glaubte, dass dies mit dem Grün der Wiesen und Wälder zu tun hat. So gesehen müssten auch die anderen Zechen um Glonn so geheißen haÂben. Ebenso wäre es, wenn mit dem „grea” (grün) „jung” oder die Jugend gemeint war. Am ehesten könnte sein, dass „Greawinkler” auf den UmÂstand zurückzuführen ist, dass sich die Schlachter Jugend, für die DreißiÂgerjahre steht dies fest, auf der sogenannten „Winkelwiese” getroffen hat. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass „Greawinkler” ein FantasienaÂme ist, der anfangs sogar als Deckname hergenommen worden sein könnÂte. Fragt man nach dem Zeitpunkt, wann die „Greawinkler” entstanden sind, so ist man ebenfalls auf Vermutungen angewiesen. Da eine „Zech” in der Regel auch sein Wirtshaus brauchte, könnte es durchaus sein, dass die Eröffnung des Schmiedwirt ca 1871, mit dem Entstehen der Schlachter „Zech” zusammenhängt.
Der Jahreslauf einer „Zech” ging natürlich einher mit dem Kirchen- und dem Bauernjahr. Gab es viel zu tun, so gab es wenig zu feiern – und umgeÂkehrt. Die Höhepunkte eines Zechjahres waren sicher die TanzveranstalÂtungen, die in den umliegenden Orten gemeinsam besucht wurden. So in Glonn die „Pfingstmarktmusi” beim Neuwirt und die „Oktobermarktmusi” in der Post. Der Zechmeister, oder ein von ihm Beauftragter, reservierte für seine „Zech” die Plätze, indem er mit Kreide auf die Tische schrieb „Greawinkler”. Die anderen Zechen taten dies ebenfalls für sich. Dann kam ein Banzen Bier auf den Tisch, der an die eigenen Zechleute ausgeschenkt wurde. Einer von der „Zech” kassierte bei allen männlichen Mitgliedern den gleichen Betrag. Reichte es für den Abend nicht, so wurde nachkasÂsiert. War es zu viel, so wurde es für spätere Anlässe gespart.
Aus der Zechkasse wurden beim Musikmeister, das waren in Glonn die Diemer und Faßrainer, Tänze bestellt. Burschen von anderen Zechen die „dreintanzten” wurden „abkassiert”. Dirndln dagegen durften bei den TänÂzen anderer Zechen umsonst mittanzen. Zwischendurch spielte die Musik auch manchmal „Zehnerltouren”. Der „Frausee” kostete 20 Pfennige. WurÂden von den Zechleuten Hochzeiten besucht, so wurde nach dem „AbdanÂken” genauso verfahren wie bei einer Tanzmusi. Eintrittsgeld gab es daÂmals nicht. Die Musik verdiente ausschließlich an den Zechtänzen und Zehnerltouren. Nicht selten spendierten die Zechen der Musi einige Maß Bier.
Für das Landvolk gab es früher keine Tanzkurse. Nicht tanzen können hätÂte, im wahrsten Sinne des Wortes, „Sitzenbleiben” bedeutet. Und welch junger Mensch wollte das schon. Und so wurde das Tanzen häufig bei der Zeche gelernt. In den Stuben, im Fletz oder auf dem Tennenboden gab es Platz genug.
Eine wichtige Angelegenheit im Jahreslauf einer Zeche war der „Kirta”. DarÂüber schreibt die in der Schweiz wohnende Emma Rapp, die in Schlacht zu Hause war: „Kirchweih oder Kirta, das war noch ein Tag, und was für einer, für Jung und Alt. Das Wichtigste, es gab Kirtanudeln, Kirtabrot, eine Kirta- hutsch, Kirtabier und den Kirtatanz. Und der Kleinmaier Hermann, er war lange der Musiker seiner Zech, berichtet, dass für die Schlachter Burschen und Dirndl der Silvestertanz eine wichtige Angelegenheit war. Bis MitterÂnacht wurde beim Wirt musiziert und getanzt. Dann ging man mit der HarÂmonika voraus, von Hof zu Hof und wünschte ein gutes Neujahr, wofür man mit einem Geldstück belohnt wurde.
Wenn jemand von der Zeche heiratete, so wurde vom Zechmeister im AufÂtrag der Zeche ein „Regulator” (Wanduhr) oder ein „Humpen” überreicht. Sofern die Zechkasse es erforderte, wurde hierfür (nur bei den Burschen) einkassiert. Das Brautpaar bedankte sich für das Geschenk mit Freibier und Ehrtänzen. Einige Tage vorher wurde, in der Regel im Hause des Hochzeiters oder der Braut, die „Nachthochzeit” gefeiert. Der Name kommt wohl davon her, weil sie im Gegensatz zur Hochzeit, am Abend bzw. bei der Nacht gefeiert wurde. Wurde im Greawinklerbezirk eingeheiÂratet, dann wurde von der Zech ein Hochzeitsbaum aufgestellt. Hatte sich nach einem Jahr noch kein Kindersegen eingestellt, so gehört der Baum den Burschen.
Wie schon geschrieben, waren die einzelnen Zechen (Schlacht, Adling usw.) auch selbst aktiv. Die Schlachter Burschen trafen sich an Sonntagen geÂwöhnlich beim Wirt. Auch bei diesen Treffen wurde gemeinsam ein BanÂzen Bier gekauft und natürlich auch getrunken. Der Fellermaier Hartl weiß, dass die Schlachter Jugend 1934 eine Holzhütte auf oder in der Nähe der Winkelwiese, gebaut haben. Diese Hütte wurde „Wastlalm” genannt. Dort traf man sich zum Reden und Tanzen, um von den „Alten” nicht eingeseÂhen zu sein. Der Kleinmaier Hermann nennt dies eine „sturmfreie Bude”. Aber auch die Adlinger hatten ihre Hütte. Einmal in ihrer Geschichte haben die Greawinkler sogar einen Maibaum aufgestellt. Dies war im Jahre 1938.
Die „Greawinkler” brauchten natürlich auch eine Organisation. Die ganze Zeche hatte immerhin gut 50 Mitglieder. Allein die Schlachter hatten 20 bis 25 Treffen, die sich jährlich wiederholten. Dabei hatten die Adlinger, die von der Glonner Christlmühle den Strom bezogen, ein besonderes System. Die Neunerbuben, der Max und der Jakl, Teil der Adlinger Burschen, waren beim Christlmüller im Dienst. Wenn ihnen das Einsagen oblag, ließen sie einfach in Adling die Lichter flackern, indem sie den Storm kurz unterbraÂchen. Die Adlinger Burschen wussten dann, was los war.
So wie in Schlacht haben die Weltkriege überall das Zechenleben zum StillÂstand gebracht. Aber beide Weltkriege haben die „Greawinkla” überstanÂden. Es gab jeweils einen Neubeginn. Wenn sich auch die „Heutigen” BurÂschenverein Schlacht nennen, den Geist der „Greawinkler” gibt es noch. Heute auf die ganze Glonner Gmoa ausgedehnt und seit 1994 mit Fahne.
Dieser Text von ©Hans Obermair erschien am 17.8.2021 in der Ebersberger Zeitung
Ein Höhepunkt in der Geschichte Glonns: SilbermedaillengewinÂner Lukas Dauser besucht seine Heimat. Die Glonner Musi spielt den Olympioniken vom Haus der Eltern zum Marktplatz, wo ihn Bürgermeister Josef Oswald begrüßt und der Eintrag ins Goldene Buch des Marktes erÂfolgt. Diese mehr protokollarische Angelegenheit wird aber sicher überboÂten von der Freude der Glonner über den Besuch Lukas Dausers, der schon drei Tage nach seinem Triumph in Tokio zu seinen Wurzeln zurückÂfindet. Er belegt dies damit, dass er offen bekennt „…immer wenn ich herÂkomme, fühle ich mich sofort heimisch”. Und wenn er weiter erinnert: „als Kind wurde ich angesprochen, ob ich der bin, der im Schwimmbad Wiesmühle die Saltos vom 3-Meter Sprungbrett macht!”, dann unterstreicht das ebenfalls seine Verbindung mit Glonn. Und so darf Glonn schon auch stolz darauf sein, Heimat eines so großartigen Sportlers zu sein.
Wer denkt bei einem solchen Anlass daran, dass das Turnen in Glonn in seinem „Turnverein” schon seit 1884, also seit 137 Jahren, Tradition ist. InÂitiator war der Lehrer Bartholomäus (Bartl) Nußhart. Er war aus Inning am Ammersee gebürtig und erst seit Juli 1883 in Glonn. Neben seinem SchulÂdienst war er auch Organist in Frauenreuth. Das hieß, täglich vor SchulbeÂginn einen Fußmarsch zur Wallfahrtskirche und zurück. Vorübergehend muss Nußhart auch Schulleiter gewesen sein. Das bedeutete, auch den Gemeindeschreiberdienst zu versehen. Bürgermeister war damals der Christlmüller Johann Beham.
Wie es in einem Bericht von 1934, also zum 50-jährigen Bestehen, heißt, war es nicht leicht, den Anfang zu machen. Weiter ist vermerkt: Die „mitÂreißende Persönlichkeit” des jungen Lehrers sei es gewesen, die die JuÂgend für das Turnen begeisterte. Erster „Sportplatz” war eine Wiese, dort wo der Kupferbach in die Glonn mündet und „Turnerheim” war das GastÂhaus Lanzenberger. Wie schnell sich die junge Gemeinschaft gefestigt hat, zeigt, dass bereits 1886 eine Fahne angeschafft werden konnte. Als NußÂhart, wohl berufsbedingt, im gleichen Jahr Glonn verließ, war er nicht gleich zu ersetzen. Erst 1888 übernahm der Maler Peter Meßner den VorÂsitz. 1898 wurde der Turnplatz in die Nähe des Metzgeranwesens (Bredenhöller) verlegt. Dieses Anwesen gehörte zum „Neuwirt”. Und so war es verÂständlich, dass die Turner mit dem Vereinslokal dorthin wechselten. 1929 erbaut man die Turnhalle des Vereins.
Statuten und eine „Turn-Ordnung” zeugen vom Ordnungswillen des VerÂeins. Da heißt es zum Beispiel „Das Turnen von Zweien auf einem Geräthe ist nicht gestattet”, oder dass „Übungen, welche mit Gefahr verbunden sind, ohne Beisein anderer nicht versucht werden”.
Das Kassenbuch von 1901 -1921 und das Beitragsbuch von 1911 – 1922, das wieder gefunden und erst vor ein paar Jahren dem ASV übergeben wurde, gibt einen Einblick in die Tätigkeit des Vereins in diesen Jahren. NeÂben dem Training gab es natürlich immer wieder Wettkämpfe und man beteiligte sich bei Gauturnfesten. Da gab es zum Beispiel für 1907 für die Glonner mehrere Preise.
Aber es wurde nicht nur geturnt, sondern auch Schwimmen gehört dazu und das Theaterspielen. Der alljährliche Turnerball war ein Höhepunkt des Glonner Faschings.
Die Liste der Vorstände zeigt, wie sehr der Verein im Glonner Bürgertum verankert war. Und trotzdem hatte der Verein auch seine Krisen. In einer Zeitung von 1907 steht zu lesen, “…. man habe den Verein wieder neu zu Leben erweckt”. Vielleicht hat der 1903 gegründete Athletenclub und der Radfahrverein von 1906 den Verein geschwächt. Anfang der Dreißigerjahre nahm man sogar die Sänger in die Reihen der Turner auf. Der MännergeÂsangverein nannte sich nun „Sängerriege des Turnvereins”.
Einen Höhepunkt hatten die Glonner in den Jahren nach dem Ersten WeltÂkrieg. Der Erste Weltkrieg brachte, wie bei allen Vereinen, einen Einbruch, die meisten erwachsenen Glonner Turner waren ja im Krieg. Die AufbruchÂstimmung muss enorm gewesen sein. Das führte zu den Erfolgsjahren des Vereins: 1924 war die Fahnenweihe und dann die vielen sportlichen ErfolÂge, sowie 1929 der Bau der Turnhalle. Diese sportlichen Erfolge dürften zurückzuführen sein einmal auf die Vereinsführung und auf die VereinsÂtrainer. Diese waren für die Kinder und Jugendlichen Korbinian Beham, er war einer der besten Glonner Turner und Enkel des GründungsbürgerÂmeisters Johann Beham. Für die Erwachsenen war es Wolfgang Maier, er war der Sohn eines Glonner Postlers, des letzten Glonner Postillon in Glonn. Ein Zeitungsausschnitt mag dafür ein Beleg sein, wie viele Glonner damals aktive Turner waren. Den Mitgliedern nach gab es auch eine VerÂbindung zum Glonner Katholischen Gesellenverein (Kolping).
Die Aktivitäten der Turner scheinen Ende der Zwanzigerjahre abzunehÂmen. Wie es heißt, wollen die Jungen Fußball spielen und die Alten nicht. Ein neuer Verein (Spiel und Sport) wurde gegründet. Die Machtergreifung der NSDAP ab 1933 verordnet die Gleichschaltung, das heißt die MitwirÂkung der Partei. Vorstand Maier erklärt dies 1934 der Versammlung. Die „graue Eminenz” im Verein, Ludwig Maier (Bürgermeister von 1929-1933), ist damit nicht einverstanden und bewirkt einen Vorstandswechsel. August Knorr wird Vorstand. Auch die aufkommende Hitlerjugend mag das ihre beigetragen haben. Liest man die Zeitungsberichte, kommt man zu dem Schluss, dass der Turnverein nur mehr gesellschaftliche Funktionen ausÂübt: Theaterspielen, Faschingsveranstaltungen und Versammlungen. Das geht so bis 1941, dann ist Stille. 1947 erfolgte dann die Zusammenlegung beider Sportvereine zum Allgemeinen Sportverein (ASV).
Dass sich nun ein Weltklasseturner von seine Wurzeln her zu Glonn beÂkennt, könnte doch ein Anlass sein, die alte Glonner Turnertradition wieÂder aufleben zu lassen. Turnen, ein Sport, der nicht auf Zweikampf ausgeÂrichtet ist, sondern wo der Fähigste der Beste ist, passt doch in unsere Zeit. Ein Sport, der aber auch die Gemeinschaft fördert. Noch dazu in eiÂnem Ort, dessen Vereinsleben von zwei großen Sportvereinen maßgeblich mit geprägt wird. Vor allem aber auch, weil man mit Lukas Dauser, ein so großes Vorbild hat. Quasi einen Paten, um den uns viele beneiden. Zudem hat unsere Marktgemeinde eine zweite Turnhalle in der Agenda. Aber auch die Glonner Bürger würden sich nicht „lumpen” lassen. Also anpaÂcken!