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Von Jägern, Sammlern und Bauern


von Hans Obermair
erschienen am 29.5.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Sollten die Glonner Ureinwohner noch Jäger und Sammler gewesen sein, dann waren es sicher vorrangig die Fischgründe, die sie in die Region lenkten. Dass es bei uns auch nacheiszeitliche Jagdgründe gab, erfährt man aus Funden, zum Beispiel ein paar Hirschköpfe und Geweihe.

Das Wasser als Grundnahrungsmittel für Mensch und Tier, aber auch für jegliche Pflanzen wird es gewesen sein, das die „Sesshaftigkeit“ nicht nur bei uns einleitete. Auch die Unterkunfstmöglichkeit spielte eine Roille. Höhlen waren natürlich gefragt. Mangels dieser war man auf de Bau von Zelten aus Fellen und/oder auf den Bau von Holzhütten angewiesen, wahrscheinlich in der Art, wie sich die ein Holzknecht unserer Zeit zimmert. Wegen der Rinde für Dach und Wand könnten Plätze mit Nadelbäumen gefragt gewesen sein. Das bäuerliche Steinhaus, das sich aus dem Holzhaus entwickelte, ist erst eine Erfindung der Neuzeit.

Es war sicher kein abrupter „Systemwechsel”, noch über Jahrtausende wurde auch parallel gejagt und gesammelt. Aber wahrscheinlich war es vor den Tieren das Brotgetreide, das man „domestizierte”, das heißt in der Nähe des ständigen Wohnplatzes anbaute, um es auch besser schützen zu können. Die ersten Nutztiere, die Milch, Fleisch, Wolle und Leder lieferten, könnten Schafe und Ziegen gewesen sein. Zum einen war diese Form einer Tierhaltung schon aus „nomadischen” Zeiten geläufig, zum andern war deren Unterbringung kaum ein Problem. überdies waren Schafe und Ziegen als Wiederkäuer genügsamer mit dem Futter, hier reichte auch eine Waldweide. Damit konnte man aufwendige Rodungen auf ein Minimum beschränken.
Als Jäger und Sammler war man „Nomade” und zog dem Wetter und dem Klima hin-terher. In der Sesshaftigkeit war das nur mehr ganz bedingt möglich. War man vorher zum Überleben von „Räumen” abhängig, so jetzt von „Zeiten”. Damit war man zu einer Vorratshaltung gezwungen. Aber auch zu einer anderen Wohnkultur. Langfristig erfolgte damit die Änderung unserer Mentalität hin auf ein längerfristiges Denken. Nicht mehr von „Tag zu Tag”, sondern von „Jahr zu Jahr”, oder gar auf ein Leben lang. Diese neue, notwendige Überlebensstrategie mag in unserer Zeit ein Vorteil sein – ja sogar ein Wettbewerbsvorteil.
Die freie Jagd auf Wild und Fisch war von jeher in Konkurrenz zur geregelten Landwirtschaft. Vielleicht haben die „Obereigentümer” darauf auch Rechte gelegt, um eben den „Untereigentümer” mehr an die auferlegten Aufgaben zu binden. Bis nach den Römern war das Land „Fiskalland”, es war also Staatseigentum. Allmählich ging es auf den Adel, sowie auf Kirchen und Klöster über. Ein Teil blieb dem Landesherrn und nur ein paar Prozent blieb bei freien Bauern. Diese neuen Eigentümer verliehen ihr Land durch verschiedene Lehensformen und Bedingungen als „Obereigentum” an die „Hin-tersassen” also die Bewirtschafter. Der Preis nannte sich “Stift”, ,”Zehnt”, ,”Gilt”, “Zins”, ,”Hand-und Spanndienste”. Die Obereigentümer übten nicht nur die Aufsicht aus, sondern hatten auch in gewissen Fällen zu helfen. Dass hier Kirchen und Klöster, ihre Oberen stammten ja oft aus dem Landvolk, ,,mildtätiger” agierten, mag in dem Spruch zum Ausdruck kommen: ,”Unterm Krummstab ist gut leben”.

Diese Lehensverhältnisse hielten oft über viele Generationen. Das hieß aber auch, seine Aufgaben zu erfüllen. Wer es nicht tat, konnte „abgestiftet” werden. Durch Rodungen wurde das Bauernland immer wieder vermehrt. Aber auch durch Be-, und Entwässerungen entstand mehr Nutzfläche. Die Bevölkerungszahl stieg, so manches Anwesen konnte geteilt werden. So aus einem Ganzen, zwei Halbe, oder aus dem Halben zwei Viertel oder aus diesem zwei Achtel. Hausnamen wie der “Moar” für einen ganzen Hof, ,”Huber” für den Halben, ,”Lehner” für eine viertelten oder “Sölde” für das Achtel, leiten sich davon ab. Dieses System, ,”Hoffuß” genannt, war im Grunde eine Steuergröße. Für die eines ganzen Hofes war nicht dessen Fläche nicht in Tagwerk festgestellt, sondern die Ertragsfähigkeit maßgebend. Und so konnten es bei guten Böden 60 Tagwerk und bei schlechten 120 Tagwerk für den “Moar” sein. Eine Fläche in Quadratmetern wurde also nicht bekannt.

Das Steuerverzeichnis von 1671 gibt uns einen Überblick über die rechtliche und wirtschaftliche Situation der einzelnen Anwesen. 1854 gab es 214 Hausnummern, damit ebenso viele Anwesen im Gemeindebereich. 1671 zählen wir 196. Der Zuwachs fand ausschließlich im Ort Glonn statt, während „rundherum” es sogar weniger wurden.
Beispielhaft gehen wir auf den Raum Überloh, Frauenreuth und Reisenthal ein: Von diesen damals zwölf Anwesen waren zwei im Obereigentum des Landesherren, zwei im Eigentum der Ortskirche, eines im Eigentum der Kirche in Glonn, eines gehörte dem Pfarrer in Aibling, eines den Zinnebergern, drei gehörten dem Klosters Dietramszell und zwei dem Beneficium Altenburg (Moosach). Zu bemerken ist, dass Dietramszell vom Kloster Tegernsee aus gegründet und dotiert wurde und Altenburg ein Tegernseer “Officio” (Amt) war. Ursprünglich wird also Frauenreuth Tegernseer Land gewesen sein. Was den “Hoffuß” betraf, gab es in Überloh, Frauenreuth und Reisenthal ein ganzes Anwesen, sechs Halbe, zwei Viertel, ein Achtel und zwei Sechzehntel. Letztere waren in der Regel ohne Vieh und damit nur zum Wohnen. Da die Familiennamen zum Beispiel durch Heirat wechseln konnten, hatte verwaltungshalber jedes Anwesen einen “Ewigen Namen” zu haben, eben den Haus- oder Hofnamen. die Zahl der Personen in diesen Anwesen, ist auch im Pfarrarchiv nicht zu ermitteln, weil die ledigen Knechte und Mägde nicht festgestellt sind.

Auch der Tierbestand ist in dieser 1671er Bestandsaufnahme angegeben: 28 Roße, sieben Fohlen, 32 Kühe, 24 Jungrinder, neun Kälber, zwei Stiere, zwölf Schweine, 45 Ferkel, 43 Schafe, 13 Lämmer, 13 lmpen, zwei Gänse und zwei Biber (Puten). Was auf-fällt: Scheinbar gab es als Zugtier nur Pferde und nicht auch Ochsen, obwohl diese neben der Arbeitsleistung mehr und besseres Fleisch liefern konnten. Scheinbar ist das Pferd, das man auch vor eine Kutsche spannen konnte – die größeren drei Anwesen hatten je vier – schon damals der Stolz eines Bauern. Selbst die “Sölde” (1/8) hatte ein Pferd. Die Rinder, es waren 32 Kühe, 24 Jungrinder, neun Kälber und zwei Stiere, sind in der Mehrzahl. Die Milch war wohl für den Eigenbedarf, aber auch für Käse, der lager- und marktfähig war. Die angegebenen zwölf Schweine werden zum Teil ,,Schweinsmuttern” gewesen sein, denn es gab auch 45 Ferkel. Für die nicht so nutzbaren Gründe hatte man 43 Schafe und 13 Lämmer. Natürlich auch wegen des Fleisches und der Wolle.
Vier der zwölf Anwesen hatten auch insgesamt 13 „lmpen” (Stöcke). Das lässt auch auf Obstbau schließen und natürlich liebte man auch Süßigkeiten. Die zwei Gänse und die zwei „Biber” (Puten) auf einem Anwesen waren die „Exoten” unter den Tieren und vielleicht nur „Liebhaberei” der Bäuerin.
Der Anbau war seit dem Mittelalter durch die „Dreifelderwirtschaft” geregelt. Damit war für eine Dorfflur der Anbau von einem Drittel der Felder mit „Sommerung” (Hafer/ Gerste) und einem Drittel „Winterung” (Roggen/Weizen) vorgegeben. Das letzte Drittel war „Brache”, hatte also unbebaut, zu sein. Die Brachfläche war zur Erholung des Bodens und zur Beweidung durch den Dorfhirten des Dorfviehs vorgesehen. Die einzelnen Felder waren so gelegen, dass jedes Anwesen in jedem Drittel entsprechende, in der Regel mehrere, Flächen hatte. Dies brachte einen Risikoausgleich im Falle von Nässe oder Unwetter. Sicherte aber auch, dass jedes Anwesen jedes Jahr entsprechend Sommer-und Wintergetreide ernten konnte.
Die wenigsten Felder waren an Wegen, sodass man sein Feld nur über ein anderes erreichen konnte. Ein “Flurzwang” regelte den einheitlichen Anbau, sodass gemeinsam geerntet werden konnte und so der Zugang unproblematisch war. Aber auch für die Beweidung der Brache war der Flurzwang unerlässlich. Die Felder waren nicht vermessen und nur durch “Raine”, beziehungsweise durch Naturmerkmale, abgetrennt. In den Saalbüchern (Grundstücksverzeichnisse) war lediglich aufgezeichnet, auf welcher Seite wer der Nachbar ist. Erst im 19. Jahrhundert wurde die “Brache” zugunsten einer “Blattfrucht” (Klee, Kartoffel usw.) abgeschafft. Die damit erhöhte Anbaufläche steigerte den Anteil an Verkaufsfrüchten, in der Regel Getreide. Damit wurde ein Bauboom ausgelöst.
Mit der Säkularisation ab 1803 wurde zu einem guten Teil das “Obereigentum” auf den Staat übertragen. Es gab dann Ablöseangebote an die “Untereigentümer”, die aber nur von wenigen genutzt wurden. Erst 1848 gab es dann eine generelle “Bauernbefreiung”. Die aktuellen Bewirtschafter wurden, gegen Bodenzins an den Staat, Eigentümer. Damit konnte man jetzt sein Anwesen beliebig verkaufen oder vertauschen. Die schon 1810 vermessenen Grundstücke konnten dann aber auch leichter zu größeren Parzellen getauscht werden. Die “Arrondierungen” beziehungsweise „Flurbereinigungen” in der Mitte des letzten Jahrhunderts ergaben dann die heutige Struktur.
Auch auf die Rinderzucht bekam einen höheren Stellenwert. Der Gastwirt Obermaier aus Gmund „importierte” dazu das Simmentaler Fleckvieh aus der Schweiz. Wohl auch das spezialisierte Personal, eben den „Schweizer”, wie man heute noch den Melker nennt.
Die neue Eigentumsstruktur ab 1848 brachte ein neues Selbstbewusstsein. Bei so manchem Neubau konnte man das auch sehen. Eine neue Freiheit gab es auch bei der Bewirtschaftung und bei den Betriebsmitteln, wie zum Beispiel dem Bauen. Frei-heit heißt auch Risiko und Selbstdisziplin. Nicht alle konnten damit umgehen und mussten verkaufen. Andere konnten sich „aufikaffa”, wie man damals sagte. Sie konnten eben ihr Anwesen vergrößern oder ein größeres kaufen. Den gesteigerten Immobilien- und Geldmarkt nutzten auch viele, die sonst nichts mit der Landwirtschaft zu tun hatten. Durch die neue Transport- und Kühltechnik wurden auch die Agrarmärkte größer. ,”Unsere Kühe weiden am La Plata”, dieses Zitat eines Reichskanzlers, zeigt aber auch die gesunkene Wertschätzung gegenüber der einheimischen Landwirtschaft. Die Landflucht fordert mehr Mechanisierung. Die wiederum muss finanziert sein. Zusammenschlüsse, in der Regel Genossenschaften, werden gegründet, um Ein-und Verkauf zu bündeln. Aber auch das Geld soll im Ort bleiben. Aus dem Bauernstand wurde immer mehr ein Berufsstand.
Zur Jahrhunderte lang geübten Praxis kommt später immer mehr die Theorie hinzu. Ausbildung ist gefragt, die die neuen Landwirtschaftsschulen anbieten. Immer mehr ist auch kaufmännisches Geschick angesagt. Gab es früher Konkurrenten, wenn es um die Hofnachfolge ging, kann es nun Probleme geben. Diesen Veränderungen hatte sich die Landwirtschaft der letzten 150 Jahre auch in der Gemeinde Glonn zu stellen.

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Tod am Rednerpult

von Hans Obermair
erschienen in leicht abgeänderter Form am 26.4.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Zum 50. Todestag von Wolfgang Koller

120 Jahre wäre er heuer alt geworden, dieser begnadete Glonner Dichter und Schulmann. Oberschlurat in Ebersberg bis 1969 war seine letzte Aufgabe und sein letzter Titel. Ich persönlich lernte ihn allerdings kennen als „Oberlehrer von Glonn“. Als damaliger „Seminarleiter“ für den Lehrernachwuchs im Landkreis Ebersberg, hatte er auch in meiner Volksschule in Gelting zu tun. Wenn er zu Lehrer Anton Markstätter kam um dessen Unterricht zu bewerten, war dieser sicher aufgeregter als wir Schulkinder. Wir kannten Koller ja schon von einigen Besuchen. Es begann immer so: „So Kinda jiazt lean ma z´scherst a Liadl“. An eines kann ich mich besonders erinnern: „Mia fahrn mit da Zuin üban See und fangan des Fischal juhe-juhe, Fischal im Grund gib guat acht –gib guat acht, sonst bist in da Pfann drin auf´t  Nacht“. Ob der gute Rat und die Drohung an das „Fischal“ auch unserem Lehrer gelten sollte -sicher nicht. Solch plumpe Ratschläge hätten gar nicht zu Wolfgang Koller gepasst. Dass er mit diesem Lied etwas in Mundart „vorgelegt“ hatte, war sicher so gewollt. So war die „Luft heraust“ bei uns Schulkindern, aber auch beim Testunterricht. Übrigens Wolfgang Koller war ein profunder Kenner und Förderer unserer Mundart, dessen Feinheit und deren Spielarten er besonders in seinen Gedichten nicht nur einbaute, sondern auch auslebte. Wenn er auch sicher gerne redete, aber das Zuhören in seine Muttersprache hinein, konnte er auch gut.

1904 in Glonn geboren und 1974 in Glonn gestorben. Eigentlich die Kurzform eines Lebenslaufes, wie ihn eine Vielzahl der einfachen Leute, unter denen er aufgewachsen und denen er zugetan war, lebten und starben. Der  Unterschied ist nur, dass sein Tod an Dramatik kaum zu überbieten ist. Trotz seiner vielen Arbeit war Wolfgang Koller immer für seine Glonner Heimat zu haben. Erst recht im Rentenalter. Logisch, dass er zur anstehenden 1200-Jahrfeier 1974 nicht nur gebraucht wurde, sondern im Festausschuss ein der ganz Wichtiger war. Er kannte sich ich nicht nur in Glonner Geschichte besonders gut aus, sondern auch in der Kunst. Und so war es zwangsläufig, dass man ihn auch für eine Festschrift gewann. Nur er konnte so schreiben, dass dabei keine „Aufzählung“ daraus wurde, sondern ein „Erzählung“. Dabei kam die „Glonner Seele“ nicht zu kurz. Ein Festakt braucht auch einen Festredner und noch dazu einen guten, wenn als Ehrengäste Kardinal Döpfner und Ministerpräsiden Goppel angesagt sind. Auch dafür gab es keinen Anderen und Besseren als Wolfgang Koller. Auch für ihn eine besondere Aufgabe: Während des Festgottesdienstes feilte er noch an seinem Konzept. So, als hätte er geahnt, dass es seine letzte Rede sein sollte.

Bisher war die 1200-Jahrfeier eine fröhliche, bis hin zum Festgottesdienst. Mozarts Krönungsmesse war aufgelegt, was denn sonst! Nachher ging  die Festgemeinschaft in den Pfarrsaal. Wieder Musik und Gesang. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Singer und den Grußworten, endlich der Festvortrag: Sicher, wie immer, stand Wolfgang Koller hinter dem Rednerpult. Weit ausholend kam er zum Glonner Geschehen des Jahres 774. Wohl auf einem Höhepunkt seiner Festrede aber versagt sein Herz. Wolfgang Koller knickte in sich zusammen. Der anwesende Arzt konnte nur mehr den Tod feststellen. Anstatt bei der zum Schluss geplanten Bayernhymne stand man jetzt, als der Kardinal die Sterbegebete über den Verstorbenen sprach. Wolfgang Koller liebte es in der Öffentlichkeit zu sein. So gesehen mag man anlässlich seines Todes am 28. April 1974, und das vor so erlauchtem Publikum, an Vorsehung denken.

Zurück ins Leben des Wolfgang Koller. Dass er am Leonharditag (6. November 1904), dem wohl  bedeutensten bäuerlichsten Fest, geboren ist, könnte ein Omen für seinen Bezug zu den Leuten auf dem Lande sein. Der Vater, Ortsgendarm und aus der Oberpfalz, die Mutter aus dem Schwäbischen stammend und die beiden älteren Brüder, der eine einmal General, der andere einmal Landrat, bildeten seine Familie.  Der gutmütige Vater und die strenge Mutter wohnen mit ihren drei Buben in der Dienstwohnung in einem alten Anwesen, direkt neben dem musikbegeisterten Neuwirt. Vielleicht nahm hier schon seine Liebe zur Musik einen Anfang. Lena Christ, die gegenüber dem Neuwirt ihre Glonner Heimat hatte, war ab 1911 beim Neuwirt ein paarmal in der „Logie“. Auch hier könnte sich eine Nähe zur späteren Dichterin entwickelt haben.
Wie es heißt, besucht Wolfgang in Glonn die achtjährige Volksschule. Lehrer Reisacher, ab 1911 in Glonn, und einer Kunstmalerfamilie entstammend, könnte auch auf das Kunstempfinden des Buben Einfluss gehabt haben. Die „ganze“ Volksschule besucht zu haben, war für den späteren Schulleiter und Schulrat, sicher eine gute Lehre. Im Jahr des Kriegsendes 1918 hat Wolfgang die Volksschule absolviert. Die „schlechte Zeit“ während des Krieges hat sich fortgesetzt. Was mit dem 14-jährigen dann war, ist offen. Jedenfalls heißte es, er sei 1924 nach einem Studium in Freising, wohl das eines Lehrers, in die Praxis als Lehramtsbewerber an die Glonner Schule berufen worden. Lehrer Reisacher war noch Schuleiter. Die „Rally“ eines Junglehrers  beginnt: Ramsau, Marzoll, Skt. Christoph, Amerang, Dorfen (EBE) und endet 1929 in Bad Aibling. Die Heirat mit Barbara, einer Bekanntschaft aus der katholischen Jugendorganisation „Quickborn“ folgt. Die beiden Kinder Lisl und Berhard werden geboren. 1937 begann ein Lehrgang an der LMU in München zum Sonderschullehrer. Das  ermöglichte eine Anstellung in München und brachte von den Schülereltern mehr Unabhängigkeit. Aber die Künstlerfreundschaften aus der Aiblinger Zeit halten sich ein Leben lang. 1937 wird auch das Haus in Glonn gebaut. Jetzt in München tätig, sorgt Koller federführend für eine ergänzte Neuauflage der Glonner Chronik von 1909,  geschrieben von  Pfarrer Niedermair. Später wird  das Werk zum „Einstampfen“ abgeholt.  Der „Quickborn“, bei dem er schon seit seiner Jugend aktiv und dann auch führend tätig  war, ist  nicht auf der Linie der „Nazis“. Und so wurden im Glonn nahen Krügling  konspirative Treffen unter Führung Kollers abgehalten. Dass dort auch der Aufruf der „Weißen Rose“ vorgelesen, und wohl auch diskutiert,  wurde, ist eidesstattlich bestätigt. So etwas war sehr mutig und lebensgefährlich. Aber auch  Glonns  Bürgermeister von 1930 – 1933, der „Neuwirt“ Ludwig Maier, bestätigt Koller als „Antinazi“. 
Nach dem Krieg ist Koller Lehrer in Schönau. Schon 1947 wird er Schulleiter in Glonn.  Von seinen „Oberen“ wird im zusätzlich die Ausbildung des Lehramtsnachwuchses im Landkreis übertragen. Bei der Neuauflage der Lesebücher leistet Koller immer wieder wertvolle Dienste.  Er kann dafür  sorgen, dass Bodenständiges mit eingebracht wird. 1952  wird  er Schulrat in Erding und 1957  â€žOberschulrat“  in  Ebersberg.

Malerei war  eine Leidenschaft Kollers. Auch von ihm selbst gibt es Bilder. Wenn man sein Glonner Haus besuchte,  bekam man einen Eindruck, mit welchen Malern er in Kontakt stand. „Seine“  Kunst aber war das Schreiben. Vom einfachen Zeitungsbericht und Fachbeiträgen  über Mundartgedichte, so auch das Schönauer Krippenspiel,  bis zur ausgereiften Lyrik, verstand er es, seine Mitmenschen anzusprechen. Immer kommt sein Schreiben aus der heimatlichen Wurzel und ist auch an das Gemüt gerichtet.  Und wenn er einmal sagt: „Nicht der Dichter allein schaffe ein Gedicht; eine Situation oder das Leben selbst würden ihm die Feder führen“, so klingt das eher bescheiden. Und doch ist es sein geschriebenes Werk, das ihn auf Dauer überleben wird.

1974 endet dieses Leben – ein gutes halbes Jahr vor seinem Siebzigsten. Hätte er diesen Tag erlebt, wäre er zum Ehrenbürger der Marktgemeinde ernannt worden. So aber erinnert die Straße nach Moosach,  die „Wolfgang-Koller-Straße“ an ihn. Aber auch seine  Sorge um Leben und Werk von Lena Christ ist in die Literaturgeschichte  eingegangen. Eines seiner eigenen Gedichte „Der Brunnen“  ist ein zeitloses Vermächtnis von Wolfgang Koller. Was aber noch an ihn erinnert, sind die vielen guten Lehrerinnen und Lehrer, die er uns geschenkt hat. Umgekehrt haben auch die an Ihn erinnert, nicht nur mit ihrer Arbeit, sondern auch, weil sie keinen runden Geburtstag- und Todestag ihres Lehrers übersehen haben.
Wer mehr über Wolfgang Koller wissen will, dem seien die Beiträge von Rudolf Gerer (Band 2/1999) und Herrmann Eberle (Band 15/2012)  der Jahrbücher des Historischen Vereins für den Landkreis Ebersberg e.V. empfohlen.

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Mühlrad und Forelle – Unverkennbar Glonn


von Hans Obermair
erschienen am 6.4.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Wenn einem „Mühlrad und Forelle“ auf dem Querschild eines Hosenträgers begegnen, dann hat das was mit Glonn zu tun. Der Träger dieser Hose ist dann zu einem hohen Prozentsatz ein Glonner.

Er muss deswegen nicht in Glonn geboren sein, aber mit großer Wahrscheinlichkeit  gehört er zur Glonner Musi oder zu den Glonner Trachtlern. Auch die Freiwillige Feuerwehr trägt dieses unmissverständliche Glonner Kennzeichen, auf dem Ärmel und auf der Fahne, so wie auch die vielen anderen Vereine des Marktfleckens. Alle die es tragen, tragen es mit etwas Stolz, niemand versteckt es. Unser Glonner Wappen ist also nicht nur ein hoheitliches Zeichen, sondern hat, wie wir gesehen haben,  auch eine Erkennungsfunktion. Letztere ist aber auch die Ursprungsidee warum man Wappen „erfunden“ hat. Es hat „ritterlichen Ursprung und zwar um die Erkennbarkeit eines Ritters zu erleichtern.  Denn die trugen bei ihren Turnieren, aber auch Kämpfen, eine Rüstung.  Und die sahen im Grund alle gleich aus. Zum einen sollte ein Ritter im Turnier für sein „Fans“ erkennbar sein, aber auch beim Kampf,  um im Ernstfall nicht den eigenen Kumpan für den Feind zu halten. Die Wappen, die sich ab dem 12. Jahrhundert entwickelt haben, waren sozusagen als „Visitenkarte“ auf dem „Schild“, dem „Schutzblech“ des Ritters, angebracht. Da hatte es den meisten Platz, um auch möglichst sichtbar zu sein. Dieses Zeichen wurde im Laufe der Zeit auch zum Emblem für ganze Familien, nicht nur für Adelige, sondern auch für Bürger.  Allmählich wurde Wappen auch als Hoheitszeichen für Länder, Städte, Märkte und Gemeinden angenommen. Aber  auch alle möglichen Zünfte, Gilden und Gemeinschaften nützten dieses Medium. Man war zwar damit nicht „ritterbürtig“,  man konnte aber auf allen möglichen Gegenständen, Papieren, Stempeln und Sigeln sein „Gesicht“ zeigen und verbreiten. Mit einem Wappen gehörte man ja zu den „Gwappit´n“, was ja heute im Volksmund noch Bedeutung hat. Wie oft die Wappenidee Umsetzung fand, zeigt uns der Wappenkundler Johann Siebmacher, der ab 1596 seine Wappenbände mit damals fast 6000 existierenden Wappen herausgab.  Ein heutiges Wappenbuch zeigt über
20 000 Beispiele.
Dass sich die 1848 „befreiten“ größeren Bauern zum Zeichen ihres „Standings“ auch mit einem Wappen schmücken wollten, ist begreiflich. An Tradition hat es ja nicht gefehlt. Clevere Geschäftemacher nützten das aus. Zum Namen passende Wappenvorlagen dienten als Muster für ein grafisches Angebot an die Interessenten. Mit  einem „ich habe euer Wappen gefunden“ war schnell ein Geschäft gemacht. So wie „echte“ Adels-und Bürgerwappen wurden diese dann verwendet und  gezeigt. Dass die Käufer auf den „Leim“ gegangen sind, hätte man im „Siebmacher“ oder einem anderen Wappenbuch  nachvollziehen  können.

Aber zurück zum Glonner Wappen: Glonn hatte bis dahin kein Wappen. Erst im Jahre 1931 wurde unter Bürgermeister Ludwig Mayer ein Wappen beantragt und vom Bayerischen Innenministerium am 16. November genehmigt. In diesem Jahr war auch die Einweihung des neuen Rathauses. Mag sein, dass dieses Ereignis den Bürgerstolz besonders entfachte und zu diesem Antrag führte. Auf jeden Fall stand auch Professor Lebsche hinter dieser Idee. Bürgermeister Mayer hält dies am 27. April 1932 schriftlich so fest: „Herr Universitäts-Professor Dr. Max Lebsche, Sohn des hiesigen Sanitätsrates Lebsche, hat ich um den Entwurf sowie um das Zustandekommen reichen Verdienst erworben. In hochherziger Weise  übernahm Herr Professor auch die gesamten Kosten der Ausführung. Die künstlerische Ausführung lag in den Händen von Professor Hupp, Heraldiker in Schleißheim und Professor Buchner in München.  Am 22. April 1932 wurde das Wappen am neuen Rathaus angebracht“. 
An geschichtlichen Motiven für ein Wappen hätte es in Glonn sicher keinen Mangel gegeben. Stattdessen wurde aber ein „sprechendes“ Motiv gewählt. Die Idee beziehungsweise die Vorgabe dürfte von Professor Lebsche  stammen.  Hier die offizielle Beschreibung: „In Silber ein schwarzes Mühlrad, überhöht von einer rechtshin schwimmenden Forelle“ Damit wurde den Besiedlungsmotiven Glonns  Rechnung getragen: Das Mühlrad, das 16 Zacken hat, hat übrigens mit den 16 Bundesländern nichts zu tun, sondern soll an das Wasser erinnern, die   Lebensgrundlage für Mensch und Tier, sowie  „Kraftquell“ für die sieben Glonner Mühlen. Aber auch an den Tuffstein, aus dem Wasser geworden und  Basis für den Mühlstein, dem wichtigsten Utensil einer Mühle.  Die Forelle steht für Leben, Nahrung und Beweglichkeit.

Einer der  Schöpfer des neuen Wappens, der weithin bekannte Heraldiker Prof. Hupp, entwarf nicht nur Wappen sondern auch Banknoten und Firmenlogos, auch für Brauereien.  Eine frühere Zusammenarbeit mit dem Architekten  Gabriel von Seidl ist verbürgt. Das Glonner Wappen ist nur eines von rund 10000 Werken, die Hupp gestaltet hat. Von ihm stammt auch das Bayerische Staatswappen von 1923.  1906 wurde Hupp vom Prinzregent Luitpold  zum Professor  ernannt. Obwohl Hupp ein hochrangiger Künstler war, er wollte als Handwerker gesehen werden.

Das neue Wappen ziert nicht nur das Gemeindesiegel, sondern auch als in Stein gehauenes Relief über dem Eingang des Rathauses. Der Bildhauer ist nicht bekannt. Vielleicht war es wieder der Bildhauer Maier, der 1923 den „sterbenden Krieger“ am neuen Kriegerdenkmal geschaffen hat. Jedenfalls hat diese Skulptur „fünf Zentner“, wie es im „Oberbayer“ vom Mai 1932 heißt, und scheint für die Ewigkeit geschaffen zu sein. Hoffentlich!
Sicher war das neue Rathaus ein günstiger Anlass für ein Gemeindewappen. Aber Professor Max Lebsche und Bürgermeister Ludwig Mayer, der „Neuwirt“, dürften aber auch die Zeichen der Zeit erkannt haben, und damit den drohenden Nationalsozialismus. Deshalb hat Lebsche 1930, er hatte den Staatsdienst quittiert und  seine eigene Klinik aufgebaut. 1933 nach der „Machtübernahme“, wäre es sicher nicht mehr möglich gewesen, solch konservative Motive wie  in einem Glonner Wappen zu  verwenden. Die „Nazis“ haben dann ab 1933 ihre eigene Symbolwelt aufgebaut und reichlich demonstriert –allerdings nicht mit Mühlrad und Forelle.

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Glonns erste Christen und die Kirchen


von Hans Obermair
erschienen am 13.3.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Wie wir schon festgestellt haben, ist der Anlass für die Urkunde von 774 eine Schenkung an die Marienkirche in Freising. Damit können wir sicher davon ausgehen, dass der Schenker Ratbot und zumindest auch sein Vater Criminus, dessen Name sich von Kirchensprache Latein ableitet, schon Christen waren. Das wird also schon vor 750 gewesen sein. Wenn wir davon ausgehen können, dass zum Beispiel die in Glonn am „Kirchberg” gefundenen „Tuffplattengräber” schon „geastet” waren, könnte man auch erste Christen in Glonn deutlich früher ansetzen. ,,Geastet” heißt, dass der Tote mit Blick nach Osten beerdigt wurde. Im alten Teil unseres Kirchfriedhofes ist das heu-te noch so. Die aufgehende Sonne im Osten (Orientierung) ist Symbol der Auferste-hung. Tuffplattengräber, wenn auch nicht „geastet” kennen wir schon ab etwa 600.
Wann und wie erste Christen nach Glonn kamen, ist also offen. Dass es noch Römer waren, unter denen es in unserer Provinz Rätien und in der Nachbarprovinz Noricum schon einige Christen gab, ist unwahrscheinlich. Für eine Tätigkeit in Glonn der Missio-nare Marinus und Anianus aus Wilparting (lrschenberg), ab Ende des siebten Jahrhun-dert, gibt es keine Beweise. Die Meinung, dass Münster ein Kloster gewesen sein könnte, von dem aus die Gegend missioniert wurde, ist nur eine Annahme. Heute geht man davon aus, dass der Name „Münster” nicht ein Kloster bedeutete, sondern nur klösterlicher Besitz. Der Heilige Emmeran, dessen Tod 652 ins nahe Helfendorf verortet wird, wurde nach Regensburg überführt. Dabei hätten sich dem Zug an die 200 Männer, wohl Christen, angeschlossen. Das wäre ein gewichtiger Hinweis für eine größere christliche Bevölkerung um 650 in dieser Gegend.

Aber es sind eben nur Indizien und keine Beweise. Am ehesten werden die ersten Christen in unserem Gebiet wohl Zuwanderer gewesen sein. Immerhin gab es 724 mit Korbinian schon den ersten Bischof in Freising, aber auch die Diözesaneinteilung von 739 durch Bonifatius lässt auf eine breitere Christianisierung schließen.

Mutmaßlich war der erste Glonner Priester am Platz Georgenberg Ratpot. Er und sei-ne Familie werden hier nicht die einzigen Christen gewesen sein. Auch die Schenkung einer Eigenkirche von 776/778 im nahen Berganger anlässlich deren Weihe durch Bi-schof Arbeo (+784) lässt eine christliche Gemeinde vermuten. Vielleicht war es sogar mit der Georgenberger zunächst eine. Warum dann am Platz Georgenberg ein eige-nes „Oratorium” (Bethaus)? Wie wir der Urkunde von 774 entnehmen, hat Ratpot ,,nur” Grundbesitz und keine Kirche, wie die Bergangerer Adalfried und Rihher, ge-schenkt. Wir können von zwei verschiedenen Familien ausgehen. Warum sollten Cri-minus und Sohn Ratbot, nicht auch eine Eigenkirche bauen? Oder sogar, weil Ratpot Priester war. Gab es vielleicht Rivalitäten? Wahrscheinlich war es Ratbots Bethaus, das der Freisinger Bischof Hitto am 20. Januar 813 in Georgenberg einweihte, das mit der bischöflichen Weihe erst zur „Kirche” wurde. Es könnte auch sein, dass das Bethaus des Ratpot schon einige Jahrzehnte stand und jetzt erst, eben 813, geweiht wurde. Bei der erneuerten Schenkung von 826 war höchstwahrscheinlich die von 774 die Grund-lage. Laut dieser ging das Schenkungsobjekt erst mit dem Tod von Ratpot an Freising über. Also hat er das Bethaus beziehungsweise die Kirche, ja noch auf „seinem” Grund erbaut. In der 774-er Urkunde stand nichts von einer Kirche. Und so musste die „Ei-genkirche”, vermutlich eigens geschenkt werden. Dass die beiden Höfe von Georgen-berg 1554 noch „Freisingerisch” waren, zeigt uns das Feuerstättenbuch. Wie lange hier der Pfarrmittelpunkt war und ob es außer Pfarrer Hadhmunt, vermutlich Sohn des Ratpot, hier noch einen weiteren Geistlichen gab, ist nicht bekannt.
Bis 1125 sind zwar in Georgenberg freie Familien mit Namen Dietbold genannt, aber nicht als Geistliche. Seit rund 200 Jahren ist die St. Georgkirche wieder „Eigenkirche”, heute der Familie Weil.
Chronist Pfarrer Niedermair mutmaßt in seinen Chroniken von 1909 und 1939, dass die Kirche in Georgenberg erste Glonner Pfarrkirche gewesen sein wird. Natürlich vor-ausgesetzt, dass es damals überhaupt eine Pfarrei im kirchenrechtlichen Sinne war.
Unterstützt wird diese These damit, dass in Glonn damals keine Kirche nachgewiesen ist. Das Tal mit seinen Bächen und Sümpfen wird eine Barriere gewesen sein. Bis zu dieser natürlichen Grenze gegen Westen waren die Orte (Reinstorf, Kreuz usw.) der Pfarrei im entfernteren Egmating, (Ersterwähnung 794) unterstellt. Balkham und Steinhausen wohl nicht, weil diese Orte erst entstanden sein dürften, als Glonn schon Pfarrmittelpunkt war. Es ist wahrscheinlich, dass die frühe Kirche in Georgenberg für den damals praktizierten Taufritus des Untertauchens nicht geeignet war. Außer man brachte eine entsprechende Menge Wasser von der Glonn auf den Berg. Und so war es, und das bei zunehmender Bevölkerung und damit Tauffällen, praktikabel, in der Glonn direkt zu taufen. Irgendwann wird man dafür eine Kirche gebaut haben, sinn-vollerweise mit dem Patrozinium Johannes des Täufers. Ort und Fluss Glonn hatten ja schon einen festen Namen, sonst hieße man vielleicht Taufkirchen, ein in Oberbayern öfter vorkommender Ortsname, notwendigerweise alle an einem Fluss gelegen.

Wie es heißt, könnte diese erste Glonner Kirche am Bäckerberg nahe der Glonn ge-standen haben. Dies wird auch von Heinrich Kastner angezweifelt. Neuere Befunde ergeben, dass bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts die Glonn in der Nähe der jetzigen Kirche verlief und dann verlegt wurde. Der jetzige Platz der Kirche wird deshalb der ursprüngliche sein. Demnach wäre die aktuelle Kirche der vierte Kirchenbau auf die-sem Platz. Die erste wird eine Holzkirche, wie damals üblich, gewesen sein. Für die weiteren, die Romanische und die Gotische, gibt es Funde. Die jetzige ist im „Zopfstil” erst 1823 geweiht. Die darin enthaltenen Skulpturen haben kunsthistorischen Wert.
Ein „Chunradus” ist 1244 im Pfarrerverzeichnis angeführt. Die Lücke bis 1486 wird wohl kaum zu schließen sein. Die Bedeutung von Pfarrei und Pfarrer in Glonn ergibt sich 1315 aus der sogenannten Konradinischen Matrikel, denn Glonn war einer von den zwei Dekanatsorten im Landgerichtsbezirk Schwaben. Glonn für den östlichen Be-reich, und Egmating, auch Johannes d.T. geweiht, für den westlichen. Und das bis Neu-ching. Warum diese beiden Dekanatsmittelpunkte beide im Süden lagen, ist offen.
Vom damaligen Landgericht bis in unsere Zeit waren die Pfarrer immer wieder auch Dekane.
Die Liste der Pfarrer dürfte erst seit 1524 vollständig sein. Übrigens, dass Glonn schon 1315 Dekanatsort war, könnte bedeuten, dass die Pfarrei damals schon eine „uralte” war, vielleicht schon seit Ratpot, also schon ein halbes Jahrtausend alt.

Unsere Gotteshäuser und die Pfarrei waren nie zum Selbstzweck geschaffen. Sie sind zur Ehre Gottes und für ihre Aufgaben entstanden – und die waren nicht wenige. In erster Linie natürlich die Betreuung der „Seelen” von der Wiege bis zum Grab, sowie die Spendung der Sakramente. Aber auch für soziale Aufgaben war man zuständig, es gab ja noch keine Gemeinden. Schon vor 1560 gab es in Glonn eine Schule, die auch Pfarraufgabe war. Von Bruderschaften, insbesondere die schon 1440 genannte Aller-seelenbruderschaft Glonn, wurden die kirchlichen Aufgaben unterstützt. Die genannte Bruderschaft war nicht arm, sonst hätte sie nicht über ein Jahrhundert lang das Gehalt eines Hilfslehrers übernehmen können. Über dies war sie überregional, woher wären sonst die zeitweise über 2000 Mitglieder gekommen.

Die Ressourcen für all diese Pfarraufgaben waren bei baulichen Maßnahmen Spen-den und Umlagen, sowie Hand-und Spanndienste. überdies erbrachte die zur Pfarrei im Obereigentum stehenden Anwesen, Einnahmen (Naturalien, Stift, Gilt, Laudemien usw.). Dem Pfarrer selbst stand die Bewirtschaftung des „Pfarrhofes”, einem landwirtschaftlichen Betrieb, zu. Der Pfarrer war damit auch Kollege der vielen bäuerlichen Betriebe in seiner Pfarrei. Da er einer der wenigen, wenn nicht der einzige, war, der die dürftige Fachliteratur nutzten konnte, war er auch „Vorzeigebauer”. Seinem Einfluss, aber auch dem Wohlstand seiner „Seelen” hat das bestimmt nicht geschadet.
Wir dürfen davon ausgehen, dass sich Glonn über Georgenberg schon seit der Chris-tianisierung zum Mittelpunkt entwickelte. Damit war die Pfarrei die Basis für unsere Gemeindebildung. Für die Entwicklung unserer Pfarrei waren auch unsere Filialen be-deutend. Baiern und Frauenreuth sind also solche 1315 genannt. Eventuell deswegen, weil diese mit Geistlichen besetzt waren. Beide sind aber wesentlich älter. So ist es auch bei den 1315 nicht genannten Filialen. Diese waren: Adling, Georgenberg, Has-lach, Zinneberg, Doblberg, Sonnenhausen und Steinhausen. Die drei letzten sind der Säkularisierung zum Opfer gefallen. 1928 sind Schlacht, Kreuz und Münster von Eg-mating nach Glonn „umgepfarrt” worden. Die Kirche im Glonner Marienheim und die Kapellen in Reisenthal und Reinstorf, sind in den letzten Jahrzehnten hinzugekommen.
„Stockkatholisch” war Glonn allerdings nie. Die Reformation zeigte Auswirkungen. Der Pienzenauer von Wildenholzen mit seiner „Grundingerin” wurden protestantisch. Und so wurde Bruck zu einem lutherischen Zentrum. Wie Rössler für 1560 feststellt, kamen die Glonner Protestanten nach Bruck zum Abendmahl. Überdies waren die protestantisch gewordenen Rosenbuschs aus München hier auf drei Anwesen Obereigentümer. Erst 1825 erfahren wir wieder von einem zugezogenen „Protestanten”. Es war Gärtner Schenkelberger in Zinneberg, der von der Pfalz hier hergeholt wurde. Dann: Karl Frank, ein Schreinermeister, er war wohl auf der „Walz” und hat in Glonn eingeheiratet. Die 1875 sieben Glonner „Protestanten” unter den 1367 Einwohnern, werden den Glonner Pfarrer nicht „aufgeregt” haben. Auch nicht als 1882 die evangelische Charlotte von Crailsheim in Zinneberg zur Frau von Scanzoni wird. Bereits 1892 verstirbt sie und wird vom Vikar aus Feldkirchen b.M. an der Glonner Kirchenmauer beerdigt. 100 Jahre vorher wohl unmöglich.

Eine andere Zeit hat Einzug gehalten. Zwei Weltkriege und insbesondere die „Völker-wanderung” seit dem zweiten Weltkrieg haben die „Evangelischen” in Glonn zu einer Gemeinschaft mit eigener Kirche werden lassen.
Auch in der uralten Katholischen Glonner Pfarrei hat sich viel verändert. In keinem Jahrhundert vorher, wie im Zwanzigsten, wurden hier so viele Kirchen und Kapellen neu gebaut in Zinneberg, im Marienheim, in Reisenthal und in Reinstorf. Aber auch die Erhaltungsmaßnahmen an unseren alten ehrwürdigen Kirchen und Kapellen zei-gen eine ähnliche Tendenz. Überdies wurden noch zu keiner Zeit so viele neue „Feld-kreuze” wie in unserer geweiht.

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Glonn in seiner Wasserlandschaft


von Hans Obermair
erschienen am 15.2.2024 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Warum gibt es Glonn? Warum sind hier Leute „hängen geblieben”? Warum haben diese den Platz zum Ort und zum Markt gemacht? Eigentlich Fragen, die sich die Glonner und erst recht die Kommunalpolitik auch heute noch permanent zu stellen haben. Zukunft besteht ja aus der Vergangenheit.

Die mändernde Glonn vor der “Regulierung”; Karte von 1810

Warum gibt es Glonn? Grund sind nicht die Bodenschätze oder irgendwelche Heilquellen, nicht das Klima oder das Wetter, nein, Grund ist schlicht und einfach das Wasser. Noch dazu ein Wasser, das in der Nähe aus Quellen oder aus der Tiefe kommt; unverbraucht und kaum belastet, gäbe es da nicht den hohen Kalkanteil. Für den heutigen Wasserkonsumenten zu viel, aber für die Entwicklung Glonns ein Segen: Der Tuffstein, besteht aus diesem Kalk, der sich unter Mitwirkung bestimmter Moose über die Jahr-tausende aus dem fließenden Wasser herauslöste und sich als wertvoller Baustoff bis zu einer Mächtigkeit von fünf Metern ablagerte. Nicht nur unsere Kirchen, viele Häuser, der Ortsname Steinhausen erinnern daran, sondern auch die vielen Mühlsteine, die das Getreide für unser „täglich Brot” aufbereiteten.
Wasser ist auch das Medium, das unsere Landschaft gestaltete. Zuletzt war es der Inn-Gletscher in der letzten, der „Würmeiszeit”, der uns mit seiner Eismächtigkeit bis hin zu den Endmoränen, die herrliche Landschaft ,,aushobelte” und Berge und Täler hinterließ. Täler die sich durch die ablaufende Gletscherschmelze zu Flusstälern gestalteten: Als Hauptader das Glonntal, das uns über Mangfall, Inn und Donau die Verbindung zum Schwarzen Meer schenkt. An die 30 Quellen sind es unterhalb des Weilers Ursprung, die die Glonn bilden. Gleichsam vom Gewicht der beiden Höfe wird der neue Fluss aus dem Berg ins Mühltal gepresst, gespeist aus dem Grundwassersee der Münchner Schotterebene.
Die Kelten nannten den Fluss den „klaren-reinen” eben Clana. Sie haben uns damit unseren schönen Ortsnamen gegeben. Die Glonn, allein im Oberlauf, ist auch die, die früher fünf Mühlen antrieb. Aber auch der „Lohmühle” des Gerbers und der Pumpe für die Zinneberger Wasserversorgung verlieh die Glonn ihre Kraft. Heute liefern diese Glonnmühlen wie auch die anderen umweltfreundlichen Strom.

Dann das von Süden und damit aus dem Bezirk Aibling kommende Wasser des Kupferbachtals. Früher auch die „Laus” genannt, weil es eben von dort (Unterlaus) kam. Auch Chronist Dunkes schreibt von der „Lauß”. Nachdem diese den aufgestauten „Lauser Weiher” speist und durchläuft, fließt das Wasser durchs Moor unter Spielberg. Das gibt dem Bach seine kupferne und damit namensgebende Farbe. Bei Reisenthal, dessen Hof bis zur Säkularisation dem Pfarrer von Aibling grundbar war, wurde der Kupferbach durch das klare Wasser des „Augrabens” gestärkt. Mächtiger geworden, kann es dann schon nach rund zwei Kilometer der Wiesmühle seine Kraft geben. Schaut man die Flurkarte von 1810 an, muss der Bach dann vor Glonn immer wieder in die Breite gegangen sein, denn von der Kirche bis zur Wiesmühle finden wir kein Haus. Es war eben wegen der Nässe nicht möglich. Als nächstes tauchte der Glonner Messerschmied das Wasserrad seiner Schleifmühle in diesen Bach. Nach ein paar Hundert Metern ist es der Schmied für seinen Hammer. Zwischen beiden ist der „Bader”, der sich auch „Chirurg” und „Balneator” nennt, und taucht seine Schöpfkelle oder gar den ganzen Patienten in die Fluten des Kupferbaches. Pfarrer Kneipp lässt wohl auch in Glonn grüßen.
Mit dem Schrankenbach von Norden, hat sich Glonn endlich zum „Dreiflüsseort” gesteigert. Bis der Lauf der Glonn in der Mitte des 16. Jahrhunderts von der Ortsmitte in den Norden verlegt wurde, mündete der Schrankenbach in die Glonn erst in der Ortsmitte. Warum dieser auch „Donisbach” heißt: Ob er beim Anwesen des „Wasenmeisters” oder „Abdeckers” (Kadaververwertung), mit Namen Dionys (Donisl) Hartl, entspringt, oder auch für diesen eine Abwasserfunktion hatte, sei dahin gestellt. Dass es neben den drei Bächen auch noch viele Quellen gab, die für häusliche Versorgungen genutzt wurden, kam natürlich auch Mensch und Tier zugu-te.
Glonn ist also in eine Flusslandschaft eingebettet. Mit allen Vor- und Nachteilen. Und so kann es in Glonn, auch als es noch keine Wasserleitungen gab, nie ernste Wasserprobleme gegeben haben. Aber auch für die Bekämpfung von Feuersbrünsten war man immer gut gerüstet. Dass man am Ufer der Glonn für Glonner und Umliegende sogenannte „Krautgärten” anlegen konnte, weil eben Wasser zum Gießen da war, mag so manche Kost aufgebessert haben. Von den Fischen, die ebenfalls den Tisch bereicherten, gar nicht zu reden. Deshalb waren auch die Fischrechte Jahrhunderte im Eigentum der Zinneberger. Was verboten ist, schmeckt natürlich besonders gut. Das wussten auch die Buben, und nicht nur die.
Dieser vom Wasser gebildete und von ihm durchzogene Boden brachte auch Probleme. Jeder Meter des Glonner Untergrunds kann deshalb, horizontal und vertikal, anders sein. Von der Kohle unterm Schulhaus bis hin zu Tuff und Torf kann hier alles nahe beieinander liegen. Und so wurde schon manche Baukalkulation über den Haufen geworfen, bis hin zum Konkurs.

In Glonn kann Bauen teurer sein, auch wegen der Bachabstände, die einzuhalten sind. Wo viel Wasser ist, kann auch das Hochwasser eher zuschlagen. Immer wieder mussten Anlieger zusehen wie ihr Anwesen „durchflutet” wurde – mit immensen Schäden, materiell und gesundheitlich. In feuchten Häusern zu wohnen, ist eben ungesund. Dass man dann immer wieder versuchte, solches zu verhindern, liegt auf der Hand. Begradigen und tiefer legen sind dann notwendige Maßnahmen. Der erste Wasserbau wird von den Müllern ausgegangen sein, die damit das Wasser auf ihre ,,Mühlen” lenkten.
Gehen wir ins 19. Jahrhundert. Wasserbauprojekte, ,,Kultivierung” genannt, prägen heute noch unsere Landschaft an Kupferbach, Schrankenbach und Glonn. Die Überflutungen der Ufergrundstücke sollten damit gemindert werden. Dass damit auch die Bewirtschaftungsflächen vergrößert wurden, diente auch der Verbesserung der Nahrungsgrundlage und das bei steigenden Bevölkerungszahlen. Hinzu kommt, durch die „Entsumpfung” wurde die Mückenplage mit all ihren Nebenwirkungen reduziert. Dies war ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt.

An Hand- und Spanndiensten der Beteiligten hat es sicher nicht gemangelt, aber auch nicht an behördlicher Mitwirkung. Ab 1863 ging man im Kupferbachtal ans Werk. Ein stark mäandernder Bach wurde in die „Gerade” gezwungen. Wohl auch deswegen, um mehr und schnelleres Wasser auf das Wasserrad der Wiesmühle zu bringen. Der Teil nach der Wiesmühle wurde dann ab 1946 „reguliert”. Diese Maßnahme war dem Hochwasser geschuldet. Ebenfalls 1863 ging es in einem weit größerem „Kulturprojekt” der Glonn an die „Mäander”. Wie es heißt, wurde „ab dem Orte Glon bis zur Obermühle (Piusheim)” reguliert. Mit errechneten Gesamtkosten von 2100 Gulden. Im Vorbericht heißt es, dass der gekrümmte Lauf besonders nachteilig sei, weil die anliegenden Wiesen in einem versumpften Zustand sind. Auch Überschwemmungen gäbe es. Zu regulieren waren 240 Tagwerk von 46 meist kleineren Landwirten. Für die war es auch eine Existenzfrage. Es entstand eine eigens gegründete Kulturgenossenschaft, deren Vorstand hatte für die Durchführung zu sorgen. Die Kosten wurden wohl nach Fläche umgelegt. Anhand der Flurkarten war die Schrankenbachregulierung schon 1857 abgeschlossen.

Dass die Herkunft Glonns viel mit Wasser zu tun hat, das ergibt sich auch seit 1931 aus dem Glonner Wappen: Mühlrad und Forelle. Das Mühlrad ist nur mehr Zeichen für das Wasser und seine Kraft. Die Forelle möge noch lange ein real existierendes Symbol bleiben. Vielleicht könnte dafür die fossile Schnecke, die man vor zwei Jahren beim Kanalbau unter der vielleicht 15 000 Jahre alten Tuffablagerung gefunden hat, ein Vorbild sein.

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Im Jahr 774 wird Glonn erstmals erwähnt

 

von Hans Obermair
erschienen am 18.1.2024 in leicht veränderter Form im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Die Marktgemeinde feiert 1250 jähriges Bestehen

Obwohl in der Niedermairchronik von 1909 schon  die Schenkung vom 31.3.774,  als erste urkundliche Erwähnung des Namen Glonn enthalten ist, ist für 1924 keine 1100 Jahrfeier erwähnt. Dass damals die Glonner nicht feierten, hängt wohl mit den Umständen der Zeit zusammen. Dagegen wurden 1974 die 1200 Jahre  ein ganzes Jahr lang ausgiebig begangen. Ein 1200-Jahr-Emblem,  viele Zeitungsberichte, insbesondere eine Festschrift von Wolfgang Koller, aber auch viele persönliche Erinnerungen von Zeitzeugen  sind noch präsent. Auch das traurigste Ereignis des Festjahres, der plötzliche Tod von Wolfgang Koller während der Festansprache am 28.4.1974, wird dauernd in Erinnerung bleiben.

Die Urkunde von 774, ist Teil der Freisinger Traditionen,  die uns der Historiker Bitterauf aufbereitet hat. Die Urkunde verweist auf eine Schenkung, in der ein gewisser Ratbot, an die Marienkirche in Freising und wohl auch dem bischöflichen Haus, Freising war seit 739 Bistum,  seine Ländereien an „Mosaha“  und „Clana“, also an Moosach und Glonn nach seinem Tod übergeben wird. Ratbot war Sohn und Erbe des Criminus. Woher dieser die geschenkten Güter hatte, ist nicht bekannt. In der Urkunde ist die Rede von Wiesen, Weiden, Wäldern und fließenden Gewässern. Diese Aufzählung lässt darauf schließen dass es sich, eventuell auch nur teilweise,  um bewirtschafteten Boden handelte, der von einem „Landgut“ aus betreut wurde. Es ist in der Urkunde auch von Häusern und Höfen die Rede. Einen Ort oder Sitz hierzu muss  es wohl gegeben haben. Es ist aber weder Moosach noch Glonn als Ort, sondern nur als Fluss genannt. Obwohl es Glonn, durch zahlreiche Funde belegt, 774 schon als „Platz“ gegeben haben muss. Der Ort Moosach wird laut Chronik 788 erstmals erwähnt. Also hat es schon bestanden und kann damit auch wesentlich älter sein.

Anhand der Beschreibung des Schenkungsgutes könnte es sich auch um ein größeres Areal handeln. Dies wäre an der Moosach  möglich von der Quelle in der Nähe des Steinsees bis zur Attel und an der Glonn von Glonn/Mühltal/Ursprung bis Aibling. Gemeint sind wohl aber nur die beiden oberen Flussläufe.  Hier  gibt es auch geschichtlich bedeutende Orte beziehungsweise Sitze: Zum Beispiel Altenburg, Falkenberg, Zinneberg, Sonnnenhausen. Wenn diese Orte auch erst später erstmals beurkundet sind, können sie  auch wesentlich älter sein. Der wahrscheinlichste Ort von dem das Schenkungsobjekt aus bewirtschaftet wurde, ist der Platz Georgenberg. Noch 1554 können wir aus dem  Feuerstättenbuch entnehmen, dass die beiden „ganzen“ Höfe („Moar“ und „Dumberger“) in Georgenberg als einzige im Glonner Gäu im Obereigentum des „Capitels“ von Freising sind. Ein weitere Tatsache dass Georgenberg der Ort des Ratpot gewesen sein wird:  Am 20. Januar  813 hat  Bischof Hitto aus Freising jene Kirche in Georgenberg eingeweiht. Und wie Meichelbeck feststellt, hat Hahmunt die Schenkung, es dürfte sich um die von 774 handeln, erneuert. Dies macht wahrscheinlich, dass es eine Beziehung zwischen Ratpot und Hahmunt gab. Und wie es der Glonner Chronist Pfarrer Niedermair meint, kann die Kirche in Georgenberg sogar die erste Glonner Pfarrkirche gewesen sein. Dafür spricht auch, dass das nächst bei Glonn liegende Reinstorf,  noch bis 1928, zur Pfarrei Egmating gehörte. Dass der Pfarrsitz mit Pfarrkirche irgendwann aus praktischen Gründen nach Glonn verlegt wurde, weil zum frühen Taufritus das „Untertauchen“ gehörte, wäre logisch. Und hierzu brauchte man ein Gewässer, eben die Glonn. Das Glonner Patrozinium Johannes der Täufer“ spricht auch dafür. Wo stand diese erste Glonner Taufkirche? Wahrscheinlich am Platz der jetzigen Pfarrkirche, denn die Glonn floss bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts nicht im Glonner Norden, wie heute, sondern in der Ortsmitte. Die Tuffplattengräber auf dem „Bäckerberg“ im Osten Glonns könnten aus der Zeit vor der ersten Glonner Kirche stammen.

Der Name  Criminus oder Crimuni, also der Vater des Ratbot, klingt römisch-lateinisch. Dass dieser Name die rund 300 Jahre, seitdem Römer in Bayern keine Rolle mehr spielten, überdauert hätte, ist eher unwahrscheinlich. Aber Lateinisch, die Sprache der Römer, war ja auch Kirchensprache und so gibt es bis in unsere Tage viele aus dem Lateinischen kommenden Berufsbezeichnung. Wenn auch das lateinische „criminis“ in allen seinen Ausformungen mit Schuld und Klage zu tun hat, wird Criminus  wohl kaum „kriminell“ gewesen sein.  Aber eine Tätigkeit im damaligen Rechtsystem wäre denkbar. Zu solchem passen auch „Ländereien“. Eben standesgemäß. Und wie es noch vor ein paar Jahrhunderten war, war die  Nennung des Standes oder Berufes wichtiger als des  Familiennames. Das gilt auch für „gewichtige“ Hausnamen wie zum Beispiel dem „Moar“. Und wenn dann der Sohn „nur mehr“ Ratpot hieß, kann das plausibel sein.

Warum diese Schenkung durch Ratpot. In der Urkunde von 774 geht hervor, dass er diese auf  „Eingebung des göttlichen Lenkers“ tue. Womöglich war oder wurde Ratpot auch Priester. Warum? Eventuell verfügte es Vater Criminus und verband es mit der Schenkung. Übrigens, diese Schenkung wurde in der Regel mündlich gegeben und das unter Zeugen, die zur Bekräftigung oder auch zur Wirksamkeit ihrer Zeugenschaft an den Ohren gezogen wurden. Wie es heißt, waren unter den  Zeugen, der Bischof als Vertreter der/des Beschenkten, drei „Presbyter“ also Priester und ein Diakon. Das Versprechen wurde bei Anwesenheit des Bischofes wohl in Freising gegeben. Von der Zeit her könnte es Bischof Arbeo gewesen sein. Dass beim Schenkungsversprechen auch Notizen gemacht worden, wäre zweckdienlich. Das Datum der Schenkungserklärung war wahrscheinlich deutlich vor dem der Urkunde am 31.3.774.  Dieses kann frühestens 756 oder 757 gewesen sein, weil in diesem Jahr Tassilo III, auf den in der Urkunde hingewiesen wird, Bayerns Herzog wurde. Schenkungen dieser Art wurden bei Besuchen oder Anlässen mündlich, wenn auch unter Zeugen, gemacht. Der Eintrag in  Schenkungsverzeichnisse oder Inventare wurde, in der Regel in gewissen Zeitabständen, beziehungsweise  bei gewissen Ereignissen oder Gelegenheiten, und durch speziell ausgebildete Fachleute (eventuell bischöfliche Notare) nachgeholt. Man war sich sicher auch dessen bewusst, dass solche Urkunden nicht nur Nachweise zu sein haben, sondern auch das Spiegelbild einer Amtszeit sind, das noch nach vielen Jahrhunderten eine gute Beurteilung  auslösen soll.

Wegen „774“ also der Ersterwähnung Glonns gab  es immer wieder  Diskussionen. Es gibt nämlich im Landkreis Dachau auch ein Glonn an der Glonn, das im Zusammenhang mit einer Kirchenschenkung in den Freisinger Kirchentraditionen  mit Urkunde vom  30. März 774 erwähnt ist. Der Schenker hieß  nicht Ratpot, sondern Onolfus.  Es waren also  verschiedene Schenkungen.  Möglicherweise  waren die gleichen Ortsnamen  der Grund für den Eintrag in dieser Reihenfolge. Dass das Datum für Glonn auch mit  21. März angegeben wird, kann mit der Umstellung des Julianischen- auf den Gregorianischen Kalender im Jahr 1582 zusammenhängen.  Damals wurden im Oktober zehn Kalendertage übersprungen. Ein Beispiel, dass Schenkung und Eintragung häufig nicht unmittelbar erfolgten, war das Jahr 788.  Das Herzogtum Bayern wurde dem Fränkischen Reich einverleibt. Aus diesem Grunde war das Bedürfnis  zur Sicherung  von Rechten groß was zu vielen nachträglichen Urkunden führte und  wiederum in  1988 zu so vielen 1200-Jahrfeiern. So könnte es auch in Moosach gewesen sein.

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1250 Jahre Glonn – Frühe und noch frühere  Glonner

 

von ©Hans Obermair
erschienen am 2.1.2024  in leicht veränderter Form unter dem Titel “Alte und ganz alte Glonner” im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

 

Seit wann gibt es Glonner? Ob es schon „Hiesige“ waren, die eine über 4000 Jahre eine Kulturschicht im Boden hinterließen? Eher schon, denn wer Steinmesser, Steinschaber und Spinnwirtel hinterlässt, war kaum nur ein Durchreisender. Und wenn der 1945 in Glonn verstorbene einstige Ordinarius für Vorgeschichte an der Münchner Uni, Professor Birkner, diesen Fund als den „ersten neolithischen Siedlungsbefund innerhalb des Moränengebietes“ bezeichnet, muss doch was dran sein. So sieht es auch Gottfried Mayr der Schöpfer des Historischen Atlas für unseren Landkreis. Wenn dann ein Glonner sagt, uns gäbe es im Landkreis am längsten, so wäre das nur schwer zu entkräften. Und wenn er dann auch noch meint „wea ko dea ko – dea is vo Glo“, ist das auch nicht verkehrt.

Das Alter eines Ortes hat nichts mit durchgehender Besiedlung zu tun. Und so  ist unser Glonn deshalb nicht jünger, weil vielleicht nicht alle Perioden entsprechend „aktenkundig“ sind. Jedenfalls haben die „Römer“, die ja nicht alle Römer waren, in Glonn Münzen von 41 nach Christus hinterlassen und damit ihre Anwesenheit bezeugt. Ob schon bei Prägung der Münze, oder später oder mehrmals, ist offen. Die „Via Julia“ die Römerstraße im nahen Helfendorf  und die „Villa“ nächst des Steinsees, lassen ihre dauernde Anwesenheit  wahrscheinlich sein. Vielleicht ging sogar eine vermutete Römerstraße in den Norden des Landkreises durch unsere Gemeinde. Nach den Römern in Bayern, etwa in der Mitte des fünften Jahrhundert, kam wieder ein „staade Zeit“ was nachgewiesene Siedlertätigkeit in Glonn angeht. Dass man seine Toten vielleicht schon im siebten Jahrhundert in Glonner Tuffplattengräbern bestattet, zeugt nicht nur, dass man hier die Verwendbarkeit des Tuffes erkannte hatte, sondern auch von einer Besiedlung. Nicht nur in Glonn, sondern auch in umgebenden Orten, stellte man diese Art der Bestattung fest. Ob seit den Römern die Besiedlung durchgängig war, oder ob spätere Völkerwanderungsleute es waren, darüber muss spekuliert werden.  Aber wahrscheinlich waren diese frühen  Glonner  Angehörige des „Mischvolkes“ der Bajuwaren. 788 wechselte die „Regierung“ von den Agilolfingern zu den  Franken.

Neue Siedler ließen die Ortsnamen nicht mehr mit einem „ing“ enden, sondern jetzt zum Beispiel mit einem „kam“, „ham“, „heim“ oder „dorf“. Auch das gibt es bei uns mehrfach: Balkham, Herrmannsdorf, Westerndorf. Die Namen die jetzt in den Annalen auftauchen, betreffen keine „kleinen“ Leute, denn diese waren ja „leibeigen“, also im Eigentum  eines anderen und quasi rechtlos. Von diesen „Besseren„ die urkundlich in der Regel oft als Amtsträger oder Zeugen vorkommen, kennen wir in Glonn ab 1015 einen Witigo, einen Werinheri mit Willa und Otto, 1145 einen Siegboto, 1150 einen Heinrich , 1189 einen Ulrich und 1200 einen Tamno von Glonn. Wie wir sehen sind christliche Namen,  auf dem Vormarsch. Erst als dann um diese Zeit das heute noch gültige Zweinamensystem, wohl auch aus verwaltungstechnischen  Gründen, aufkommt, wird ein christlicher Heiligenname fast ausschließlich zum Vornamen. Die jeweils in einer Pfarrei vorkommenden Patrone und Heiligen, sowie die in einem Familienverband bereits vorkommenden Vornamen und natürlich die der Paten, sind vorrangig. Scheinbar hat man nicht gerne geredet, denn viele Vornamen wurden verkürzt und/oder in einer Verkleinerungsform ausgesprochen: Das war die Basis für den Glonner „Hans“ und „Sepp“. Ob dann ein Glonner mit Vornamen, Familiennamen, Hausnamen oder Berufsnamen gerufen wurde oder wird, kann bis heute ein Problem sein. Erst recht bei der Familienforschung für frühere Jahrhunderte, wo für die gleiche Person in den Matrikeln  alle vier Rufformen einzeln vorkommen können.

Wenn es auch in der Bibel heißt „ich habe dich bei deinem Namen gerufen … (Jes.43,1)“,  so war das kaum auf die Praxis übertragbar, denn viele haben ihren Namen, außer den Taufnamen gar nicht gewusst. So wie auch Agathe „Weisnit“, die Magd aus Frauenreuth, die noch 1768,  laut Spendenliste für die Glonner Kirche, ihren Nachnamen nicht sagen konnte. Erst mit Anlage der Glonner Pfarrmatrikel 1630/34 wurde der allergrößte Teil der Glonner Leute erstmals nach und nach „aktenkundig“. Vorher nur, wenn man eventuell mit „Behörden“ zum Beispiel als Zeuge, mit einem Gericht, oder sonst amtlich, in Erscheinung trat. Es mag absurd klingen, wenn es für die  Forschung ein Vorteil ist, dass, wer zum Beispiel etwas „ausgefressen“ hat, erst „existent“ ist, außer  man findet ihn in auch in Kirchenmatrikeln. Ob dann alte Akten schon gefunden sind oder ob es diese überhaupt noch gibt, kann zum  Glücksfall werden. Und so kann die Nachrichtenlage spärlich sein.

Für Glonn sind Aufzeichnungen vor 1500 selten. In der gängigen Literatur sind im Wesentlichen eigentlich nur die Mühlen genannt: 1417 der Furt-, 1490 der Wies-, schon im 14. Jahrhundert der Christl-, 1424 der Stein- und 1417 der Kothmüller. Erst das Kuchlbuch von 1501/1517, das uns Dr. Huber aufbereitet hat,  nennt uns neben den fünf angeführten  Mühlen in Glonn und Mühltal noch eine weitere Mühle (Oswolt), sowie zehn weitere Anwesen darunter der „Tafernwirt“, also insgesamt 16. Im Kuchelbuch genannt  waren allerdings nur die, die dem Herzog Holz zu liefern hatten. Es werden aber noch weitere, kleinere, Anwesen in Glonn gewesen sein, die nicht „Holzlieferant“ sein mussten. Von den 16 waren nur drei in Eigenbesitz, die anderen 13 und wohl auch die die „weiteren“ waren im Obereigentum  zum Beispiel  des Landesherrn, des „Zinneberger“, des  Kloster Ebersberg und der Glonner Kirche. Die Haupttätigkeit dieser Leute war wohl die Landwirtschaft als Nahrungsgrundlage. Viele Anwesen hatten im Nebenerwerb ein Gewerbe, was auch auf die Müller und den Wirt zutrifft. Weiter Angaben, insbesondere Personalien, finden wir in „Anwesen der Marktgemeinde Glonn“ (HP der Gemeinde).

Die später sieben Glonner Mühlen, die ihre Wasserkraft nach und nach auch zum „Sägen“ verwendeten, konnten natürlich von Glonn allein nicht leben. Und so brauchte man die Umgebung. Bis aus München sind Kunden  vermerkt. Dieser „Zulauf“ brachte auch viel potenzielle Kundschaft, auch für andere Gewerbe, nach Glonn. So sehen wir auch an vielen alten Hausnamen, dass Glonn immer mehr zum Gewerbeort wurde. Auch die Aufträge aus Zinneberg förderten diese Entwicklung. Und so konnte Hazzi 1825 folgende Gewerbe feststellen: 1 Bader, 1 Bäcker, 1 Bierbrauer (Zinneberg), 1 Färber, 1 Faßbinder, 1 Metzger, 5      Hufschmiede, 2 Messerschmieden, 7 Müller, 1 Naglschmied, 1 Sailer, 1 Sattler, 2 Schneider, 1 Schlosser, 2 Schreiner, 7 Schuhmacher, 1 Wagner, 7 Weber, 1 Wirt, 1 Ziegler, 1 Wasenmeister, der allerdings nicht aufgelistet war. Die Glonner Dörfer sind in dieser Aufzählung mit erfasst. Dunkes kann nach 1860 in seinem „Lagebuch“ weiter Gewerbe nennen, wie den „Bot“ (Spediteur), einen Mühlarzt, Maler, Vergolder, drei Ärzte und eine Hebamme, Glaser und Uhrmacher. Was für ein Entwicklung diesen gut drei Jahrzehnten. Dass sich dann zu Lasten der fünf Glonner Branntweinschänken zwischen 1862 und 1875 sieben neue Gaststätten gründeten, zeugt von der weiteren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Um 1860 werden im Ort Glonn rund 500 Einwohner festgestellt. Nur mehr ein Anwesen betreibt Landwirtschaft allein. Dass mit dieser Entwicklung viele Gesellen von auswärts zuziehen, damit stellt sich für den Pfarrer auch eine soziale Frage. 1854 gründet sich dann ein katholischer Gesellenverein, einen der ersten in Bayern, um gewissermaßen auch diese, zunächst heimatlosen, Gesellen „aufzufangen“. Kommunistische Tendenzen sind laut Gründungspapiere untersagt. 1848 lässt grüßen. Aber auch in den Dörfern hat sich einiges getan. Die höheren Erträge, ausgelöst auch durch bessere Anbaumethoden, verlangten zunächst mehr Personal. Aber die Gründerjahre lösten eine Landflucht aus und wenn diese „Flucht“ auch zunächst nur in einem Glonner Handwerk endete.

Die Gewerbeentwicklung sorgte für einen überdurchschnittlichen Zuzug von außen. Ob das Verhältnis der „Alten“ mit den  â€žNeuen“ immer harmonisch verlief, bleibt dahin gestellt. Jedenfalls hat es mittelfristig Glonn nicht geschadet. Dieses 19. Jahrhundert, war ausgehend  auch geprägt von einigen Vereinsgründungen, während sich die in den umgebenden Dörfern in ihren „Zechen“ trafen. Der Bahnanschluss Glonns, 1894, brachte nicht nur  die Glonner näher an München, sondern die Münchner haben Glonn zur Erholung entdeckt. Vor diesem aufgezeigten Hintergrund hat sich das Leben der Glonner, hinein ins 20. Jahrhundert, vollzogen. Aus ehemals einem Hof oder Handwerksbetrieb ein Leben lang „Hörigen“, wurden Arbeiter und Angestellte im heutigen Sinn. Ab den 80-er Jahren des 19. Jahrhunderts meist auch schon mit Kranken- und Rentenversicherung. Die selbstständigen Bürger und größeren Bauern fuhren weiterhin mit ihrem „Gäuwagerlgespann“, während die Ärmeren auf ihr erstes Fahrrad sparten. Dabei blieb es nicht. Das Ziel war ein eigenes „Heisl“ für die Familie. Vorher war man aber in der Regel Mieter. Ein gemeinsamer „Abort“  und ein Wasseranschluss mit Gully in der Etage, war schon ein Luxus. Wir „Nachgeborenen“ sollen das alles nicht vergessen, wie unsere „Vorderen“ gerackert haben.  Letzlich für uns Enkel und Urenkel. Und zufriedener waren sie auch noch, auch ohne täglichen Braten im Angebot und auch ohne Radio und Fersehen. Das Verständigungsmedium war meistens die „Hausbank“.

Bei unserem 1250-Jahr Jubiläum sollen wir uns immer vergegenwärtigen, dass  Glonn,  nicht in erster Linie aus unserer schönen Landschaft, aus Häusern,  Straßen und einer Infrastruktur besteht. Glonn sind in erster Linie die Menschen die das alles geschaffen haben und die uns den Auftrag gegeben haben dies alles zu erhalten und weiter zu entwickeln. Sind wir uns aber auch bewusst, je mehr wir uns am Gemeinschaftsleben beteiligen, und seien es auch nur passive Vereinsmitgliedschaften, umso mehr dürfen wir uns Glonner nennen.  Und das ist in Glonn nicht schwer. Einem Glonn, das  Helmut von Cube 1949 als „sehr bayerische und sehr voralpenländische Idylle“ beschrieb. Lassen wir uns das nicht nehmen.

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Artikel von Hans Obermair in Ebersberger Zeitung 2024

 

2.1.2024 “Alte Glonner und ganz alte Glonner” 9.7.2024 ” Der “Doktormax” und das Attentat”
18.1.2024 “Im Jahr 774 wird Glonn erstmals erwähnt” 16.8. 2024 “Fundamente Glonner Geschichte”
15.2.2024  “Glonn in seiner Wasserlandschaft” 31.8.2024 “Glonns frühe Schule und ihre Lehrer”
11.3.2024   “Glonns erste Christen und die Kirchen” 28.9.2024 “Von Pfarrhäusern zu Schulhäusern”
6.4.2024 “Mühlrad und Forelle – Unverkennbar Glonn” 29.10.2024 “Als die Glonner Kirchen schwanden”
26.4.2024 “Wolfgang Koller – Tod am Rednerpult” 12.11.2024 “Als Glonn große Sprünge machte”
29.5.2024 “Von Jägern, Sammlern und Bauern” 16.12.2024 “Der heisse Heiligenschein”
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Das Glücksschwein und die arme Sau


von ©Hans Obermair
erschienen am 30. 12. 2023, im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Nicht nur zum Jahreswechsel müssen Tiere für allerlei Sinn und Un­sinn herhalten

1720 dankt der „Stein­müller” vom Glonner Mühltal mit einer Votivtafel der Muttergottes von Frauenreuth für 22 durchgebrachte „Frischlinge”.

Zum Jahreswechsel werden sie wieder millionenfach auf Karten und allen möglichen Süßigkeiten als Glückssymbole in Aktion treten, eben die Glücksschweine. Deren Unterart die Sparschweine, die glücklich machen sollen, wenn man sie entleert, stehen zudem auf allen möglichen Theken rund um die Uhr und warten auf „Fütterung”. Dabei können die Motive sehr unterschiedlich sein: Anerkennung, Dankbarkeit oder auch nur Entsorgung des lästigen Kleingeldes.

Dagegen ist die sprichwörtlich „Arme Sau”, die sich nicht als Schwein zeigt, schlechthin das Synonym für alle Personen, die es nicht, oder noch nicht, geschafft haben. In diesem Fall bezieht sich der Begriff „Sau” und all seine Ausformungen, auf das weibliche Schwein, das Ferkel hat oder erst be­kommt. Ungerechterweise! Wenn dann in wenigen Fällen auch der männli­che Teil dieser Spezies mit ins Gespräch kommt, dann als „Saubär” und nicht, wie es richtig wäre, als Eber oder Keiler. So gesehen ist die Sau selbst eine wirklich „arme Sau”, weil diese in der Regel nur im negativen Zusammenhang in die Sprache kommt. Im Übrigen ist der Eber nur zur Zucht von Nöten, zum menschlichen Verzehr weniger, außer dieser ver­bringt „kastriert” sein Dasein, sozusagen als „Schweinsochse”.

Schaut man in die Steuerakten von 1671, wird das Mutterschwein respekt­voll „Schweinsmutter” genannt. Dass bei einem guten „Wurf’ mundartlich vom „Sauglück” die Rede ist, ist in Ordnung. Eine der seltenen „Glücksfälle” in dem die „Sau” im positiv gesetzt ist. „Sauglück” hatte auch der „Stein­müller” vom Glonner Mühltal, denn 1720 dankt er mit einer Votivtafel der Muttergottes von Frauenreuth für 22 durchgebrachte „Frischlinge” (Jung-schweine). Diese werden aus zwei oder drei Würfen stammen. Lena Christ hat diesen Vorgang mit ihrem „Mathias Bichler” in die Literaturgeschichte eingebracht.

Umgangssprachlich, und das bis heute, wird die Muttersau auch die „Lous” oder die „Loas” genannt. Laut Professor Rowley ist dies ein germanisches Wort, das von „lösen” kommt, also eine Muttersau nach der Geburt, die sich eben von ihren Ferkeln „gelöst” hat. Oft werden für die ausgesproche­ne „Lous” oder „Loas” noch schlimmere Zustände gebrandmarkt als mit „Sau”. Aber immer betrifft es einseitig das weibliche Geschlecht. Für das männliche Geschlecht gilt allenfalls der „Saubär”, wie neulich eine Busfah­rerin einen Buben genannt hat, der sich wohl nach dem Urteil der Fahrerin als solcher benommen hat. Allerdings unter Strafe, nicht dem Buben ge­genüber, sondern für die Busfahrerin. Ob da einer „Sau graust” muss je­des für sich selbst entscheiden. Ich gestehe: Ein „Saubub”, war ich auch schon, aber wenn es dafür eine Strafe gab, musste ich den Kopf oder den Hintern hinhalten. Schulbusse gab es bei uns noch nicht. Unser „Verkehrs­mittel” war von April bis Oktober das „barfußlaufen”.

Ein Schweinestall, „Saustall” genannt, musste auch regelmäßig ausgemis­tetwerden. Man sagt hierzu „saustoiramma”. Zugegeben, nicht die be­gehrteste Arbeit. Und so könnte auch der „Saustoi” zum Synonym für Un­ordnung geworden sein. Wenn wer oder etwas als „saudumm” bezeichnet wird, kann dies zweideutig sein: Entweder ist es „dumm” gelaufen oder man war blöd oder zu blöd. „Sauschlecht” und „saumäßig” ist ähnlich zu bewerten.

Da hat der „Sauladen” schon mehr Substanz. Jedenfalls steht das „Sau”, so wie im Schlechten als auch im Guten, oft für eine Steigerung. Man könnte es oft auch mit „sehr” ersetzten. Woher kommt das? Es könnte so gewesen sein: Fleisch und damit auch „Schweinernes” gab es früher selten. Zu Weihnachten war es sicher die „Mettensau”, oder auch „Weihnachter” ge­nannt, die auch auf dem Tisch des Gesindes landete. Manchmal in Men­gen, die nicht jedes vertragen konnte. Es war also eine „Sau” die diesen Se­gen ermöglichte. Warum sollte man dann das Mahl nicht auch als „sau- guat” bezeichnen. Und so könnte sich ein Begriff eingebürgert haben, in dem auch ein „sau” in „sauschlecht” oder „saumiad” und vieles andere das „sehr” ersetzte. Das „Schwein gehabt” ist sicher ein Import aus dem Nor­den, wo die Schützenfeste Tradition haben. Der Sieger durfte sich auf ein Schwein freuen. Ein Letzter bekam nur ein “Ferkel” und hatte sozusagen ein Jahr Zeit zum “Üben”, bis der Trostpreis zum “Schwein” wurde. Bei uns gab es die Tradition der Schafkopfrennen. Der Sieger bekam zwar keine Sau aber den Kopf einer solchen – die „Krawatte”, also der Halsanteil, nicht zu knapp bemessen. Und als bei einem „Schafkopfrennen” in Kleinhelfen­dorf, der Sieger war der in Neumünster wohnende Maler und aus Schlesi­en stammende Paul Chruschowitz, mit seinem „Ersten Preis” im Rucksack zu Fuß, und erst spät sein Quartier erreichte, stellte er seine „Trophäe” der Frau auf den Nachttisch. Als er sie weckte, quittierte sie dies mit einem Schrei. So etwas hatte sie noch nie im Schlafzimmer gesehen. Allerdings auch nicht in der Küche. Bei so viel Fleisch und damals noch ohne Kühl­schrank, musste man schon hinlangen. Ob das dann auch noch „sauguat” war?

Auch in der elterlichen Gaststube gab es „Sauen”, denn an den meisten Ti­schen wurde „gekartelt”. Die „Ass” im Kartenspiel nannte man eben „Sau”. Sie waren sehr angesehen, denn außer, dass sie in vielen Fällen auch „ste­chen” konnte, war sie eine begehrte „Schmier”, mit der höchsten „Augen­zahl”, nämlich mit „Elf” angesetzt. Dass die „Schellnsau” im Spiel auf dem Kartenbild von einem Hund überfallen wurde, konnte nicht gedeutet wer­den, spielte dabei aber auch keine Rolle.

Dass das Schwein, insbesondere die „Sau”, bei all ihren Vorzügen eher für „Negatives” stand, ist kaum erklärlich. Neuerdings liefert sie der Human­medizin auch noch Herzklappen. Überdies brachte sie als „Schweinsmut­ter” pro Wurf, und im Jahr deren zwei, einem Bauern die meisten Nach­kommen.

Bei all den Tieren auf einem Bauernhof, waren Schweine die größten Nah­rungskonkurrenten des Menschen. Das hatte allerdings auch einen Vorteil: Blieb etwas über, der „Saukübel” stand schon bereit. Also kann es für den schlechten Ruf dieser Tiere nur mehr die „Drecksau” gewesen sein. Trotz „Suhle” waren Schweine aber eher reinliche Tiere, wenn man ihnen Platz ließ: Sie koteten nicht in ihren Schlafplatz. Als wir ihnen dann eine „däni­sche” Aufstallung, mit Mistgang eine Stufe tiefer, und Stroh nur auf dem Schlafplatz, bereiteten, muss das Glück unserer Schweine vollkommen ge­wesen sein. Und wenn man in den Stall kam und ein zufriedenes Grunzen vernehmen konnte, freute man sich. Also ein Schwein wird nur zur „Sau” wenn man sie nicht anders lässt. Wenn man dann die Muttersauen bei der Geburt, dem sogenannten „Faggäpassn” zu überwachen und gegebenen­falls zu helfen hatte, ist man dann auch noch begeistert, wie sie ihrem ur­alten Begriff „Schweinsmutter” gerecht wurden.

Keinem Haustier wird, zumindest verbal, so viel Unrecht angetan, wie dem „armen Schwein”. Allenfalls gibt es im Sprachgebrauch eine „dumme Kuh” eine „blede Henna”, ein „dummes Schaf’ oder einen „dummen Hund”. Mit einem „des is a Hund” wird Menschen sogar ein Lob ausgestellt.

Also: Die „arme Sau” ist kein „dummer Hund”, aber ein Hund kann zur „Drecksau” werden, wenn man ihn lässt. Grundstückseigentümer an ei­nem Spazierweg, können ein Lied davon singen, obwohl ihnen nicht „zum Singen ist”.

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Milliardenschweres Gedenken


von Hans Obermair
erschienen am  10. 11. 2023, im Lokalteil der EbersbergerZeitung

Seit 100 Jahren erinnert das Glonner Kriegerdenkmal an die Gefalle­nen des 1. Weltkriegs

Noch kein Ereignis wird so einen Denkmalboom ausgelöst haben, wie der Erste Weltkrieg 1914/18. Treibende Kraft hierzu waren häufig die „Veteranenvereine”, die sich oft schon nach dem „gewonnenen” Krieg von 1870/71 gründeten. Und dass Anfang der Zwanzigerjahre dieser Boom auch in der Glonner Umgebung stattfand, das kann man im Protokollbuch der Glonner Veteranen nachlesen. Es war nämlich gute Sitte, dass man bei Denkmalsenthüllungen „rundum” mit dabei war: 1921 in Neufarn und Parsdorf, 1922 Putzbrunn, Siegertbrunn, Oberpframmern, Kirchseeon, Em­mering, Ebersberg und Kleinhelfendorf.
Bauherrn der Kriegerdenkmäler waren in der Regel die Gemeinden. Schon 1920 wurde hierzu in Glonn ein „Kriegerdenkmalverein” gegründet. Als dessen Initiatoren und Vorsitzende werden Pfarrer Schrall und Sanitätsrat Lebsche genannt. Dass es eines eigenen Fördervereins bedurfte, mag dar­an liegen, dass der Verein kriegsbedingt ziemlich am Boden lag.
Ein Bericht im Glonner Gemeindearchiv „Thätigkeit des Comite’s” gibt über die Vorgänge Auskunft. Die erste Phase befasste sich damit, ob es über­haupt möglich sei, ein Kriegerdenkmal zu errichten: Wo, Wie und die Fi­nanzen waren da zu erörtern. Nach fast zwei Jahren scheinen diese Fragen grundsätzlich gelöst zu sein und der Sanitätsrat übergibt sein Amt an Josef Landthaler, er ist zugleich auch Vorstand des Veteranenvereins.
Bei einer Versammlung setzt sich als Standort eines neuen Denkmals der „Marktplatz” gegen die so genannte „Friedhofswiese” durch, die sich dort, wo heute der untere Friedhof ist, befand, und 1912 von der Frau Posthal­ter gestiftet wurde. Ein weiterer Platzvorschlag war die Kirche, wohl in Form einer Gedenktafel, ähnlich wie das 1870/71-Denkmal.

Ebenfalls noch in der Ära Lebsche wurde das „Wie” diskutiert. Mit 45 gegen 39 Stimmen entschied man sich für eine „Gedächtniskapelle” am Markt­platz. Auch eine „Mariensäule” war einmal im Gespräch. Jetzt ist auch von Architekt Heppner und Professor Lempel, die wohl Entwürfe eingebracht haben, die Rede. Abgestimmt wird nun für ein „Denkmal” und zwar an der „Gürteler-Ecke”, dem heutigen Standplatz. Man entscheidet sich für den „sterbenden Krieger”. Den Auftrag erhält für die Figur Steinmetzmeister Jo­sef Mair aus Ebersberg.

Die sich stets steigernde Inflation zwingt zum Handeln: Man entscheidet sich für „Kirchheimer Muschelkalk”. Einem günstigen Angebot für den für die „Figur” nötigen Block wird für 5400 Mark stattgegeben. Weitere Mate­rialien werden gesichert. So auch Zement. Inzwischen (25.7.1922) rechnet man mit Gesamtkosten von 150 000 Mark.
Im August 1922 wird mit den Erdbewegungen und dem Unterbau zu be­gonnen. Auf dem Bau muss man fleißig gewesen sein, denn am 28.3.1923 kann man schon den „Enthüllungstermin” für 10. Juni 1923 beschließen. Da geht es um Aufgabenverteilung, Feldmesse, Kirchenzug, Festzug, Mu­sik, Festzeichen damit den Glonnern und die zu den Ortsvereinen gelade­nen 30 Veteranenverein des Umkreises, die zu einem guten Teil mit der Bahn gekommen sind, ein würdiges Fest geboten werden kann. Ein Fest­zeichen wird 10 000 Mark kosten und die Musik des „Faßrainers” 460 000 Mark. Das Fest selbst, dessen weltlicher Teil dann im Herbergslokal Neu­wirt stattfand, dürfte sich selbst getragen haben.

Beim Bau des Denkmales, dessen Kosten mit über 5 Milliarden beziffert sind, gab es allerdings ein Defizit von einer Milliarde und 175 000 Mark, das allerdings der Vereinskassier Ludwig Winhart, „Weigl” von Ursprung gedeckt hat.
Wenn man aber die Preise am Ende der Inflation (15.11.1923) in Betracht zieht – ein Kilo Roggenbrot kostete 233 Milliarden – dann könnte der „Weigl” das Defizit allerdings, sozusagen „aus dem Westentaschl” geleistet haben.

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