Archiv des Autors: b-kreutzer

Schlechter Schnitt mit hiesigen Schnitten


von Hans Obermair
erschienen am 03. Januar 2023 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

 

Der zugezogene Künstler Willi Kruse tat sich schwer, Motive aus Glonn und Kastenseeon vor Ort zu verkaufen – zu seinem erklärten Leidwesen. Der Durchbruch gelang ihm erst später, als er zurück in München war.

Unter den schöpferischen Persönlichkeiten des Landkreises nimmt der Kunstmaler und Grafiker Willi Kruse in Kastensee­on einen besonderen Platz ein. In der Stille und Abgeschiedenheit findet er hier seine Motive und gestaltet seine Werke. Wie 1950 schon die Ebersber­ger Zeitung schrieb, hat es Willi Kruse des Kriegs wegen erst nach Egma­ting und dann nach Kastenseeon verschlagen. Womöglich, als er in Mün­chen ausgebombt wurde, das kann schon 1943 gewesen sein. Nach Kas­tenseeon, jetzt mit seiner Frau Erna, ebenfalls Künstlerin, kam er wohl 1949, in das „Heißnhaus” des „Franzenanwesens”. So berichtet es auch Ka-thi Hütt, die älteste Tochter der Familie Kronester, eben den „Franzens”.

Das Wohnen in Egmating und Kastenseeon bedeutete für Willi Kruse eine deutliche Einschränkung seiner künstlerischen Tätigkeit im Gegensatz zu München. Dort hatte er ein von der Kunstakademie gestelltes Meisterate­lier. Bei einem Fliegerangriff rettete er unter Einsatz seines Lebens Arbei­ten von Akademieprofessoren. Vermutlich bedeutende Werke, sonst hätte man Kruse nach dem Krieg nicht das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Auf dem Land fehlte nicht nur das Atelier, sondern es gab auch soziale Sorgen. 1952 wendet sich Kruse in einem Brief an den Glonner Bürger­meister: Die Gemeinde habe ihm noch kein einziges Werk abgekauft, wo doch seine Bedeutung in Presseartikeln schon mehrfach gewürdigt wurde. Er bittet den Bürgermeister auch, den neu gewählten Landrat, einen selbst ernannten Kunstfreund, auf einen Kauf hinzuweisen. „Seit 1944 sitze ich zwischen Egmating und Glonn und habe hier kein einziges Bild verkauft”, schreibt er weiter. Würde nicht seine Frau beim Bayerischen Rundfunk das Geld fürs Nötigste verdienen, sähe es schlecht aus. Überdies wisse er nicht, wie lange seine Frau der täglichen nervenaufreibenden Arbeit noch gewachsen ist.

Wie die Franzntochter Kathi bestätigt, waren die Kruses trotz allem nette Leute. In der „schlechten Zeit” war es leichter auf dem Lande zu leben, als in der Stadt. Aber die Zeit hatte sich normalisiert, sodass es möglicherwei­se nur mehr die Motive waren, die das Künstlerpaar in Kastenseeon hiel­ten. Überdies gab es in München kaum bezahlbare Wohnungen.
1952 hat man es wohl mit dem Verkauf auf dem Lande nochmals in mit ei­ner Ausstellung im Glonner Neuwirtsaal probiert. Nicht mit großem Erfolg. Wer in Glonn ein Bild kaufte, tat es in der Regel beim Maler Lanzenberger, dem Platzhirsch. Auch der war im Grunde als Künstler ein armer Teufel, obwohl er im eigenen Haus wohnte. Die Kruses waren halt eher Stadtmen­schen. Und so war die Übersiedlung in die Münchner Kaulbachstraße Ende 1952 nur der Schlusspunkt eines lang gehegten Wunsches.

Willi Kruse war 1910 in Herfurt/Westfalen geboren, als Sohn des Malermeistens Robert Kruse und seiner Frau Maria. Seine erste Kunstausbildung absolvierte er in der Kunstgewerbeschule Bielefeld. 1936 wechselte an die Akademie der Bildenden Künste in München – eine der bedeutendsten. Die Aufnahme spricht für sein Talent. Er wird Meisterschüler bei Adolf Schinnerer, Professor für Malerei und Grafik. Einige der Werke Schinnerers wurden im dritten Reich als „entartete Kunst” gesehen und beschlag­nahmt. Kruses Zeit in München endet im erwähnten Bombenhagel. Er zieht nach Egmating. Ob zunächst mit oder ohne seine spätere Frau Erna, ist nicht be­kannt. Jedenfalls heiraten 1946 beide in München. Als Künstlerin nennt sie sich Manuela.
Der Beginn der „freien” Karriere der Kruses war in Egmating und Kasten­seeon. Willi Kruse geht von der Malerei immer mehr ins grafische Genre. Es wird sein Schwerpunkt. Vielleicht deswegen, weil von den Holz- oder Linolschnitten mehr Abzüge möglich waren und das einzelne Werk preis­werter sein kann. In die Zeit hätte dieses Verhalten gepasst. Die Verbin­dung zur Kunstwelt, vornehmlich zur Münchner, pflegte er weiter. Und so können wir in der Ebersberger Zeitung von 1951 lesen: „Der Name Willi Kruse gewinnt mehr und mehr an Klang.” Unlängst habe die Stadt Mün­chen zwei Gemälde zum Thema Kastensee gekauft (knospender Frühling und Winter mit tief verschneitem Bauernhaus). Kruse stelle derzeit in der Münchner Katakomben aus.
Internationale Kunstkreise wurden auf Kruse aufmerksam und er bekam von Institut für Kunstwissenschaft in Lindau einen Brief: Eine internationa­le Jury habe gebeten, er solle an einer Ausstellung teilzunehmen. Der Grund war sein Holzschnitt „Jahrmarkt”. Es könnte ein Glonner Jahrmarkt gewesen sein.
Wieder in München stürzen sich die Kruses voll ins Künstlerleben. Später (tz vom 13.5.1993) wird er der alten Schwabinger Boheme zugerechnet. Seine Themen sind Holzschnitt-Zyklen, und Aquarelle mit exzentrischen Randfiguren der Gesellschaft. Und die farbige Welt der Jahrmärkte und der Artisten. Die wohl in seinem Atelier gefeierten Künstlerfeste „Zirkus Schräg” sind über die Münchner Grenzen hinaus bekannt. Aber auch die Seerosenabende des literarischen Kabaretts Monopteros. So erhält Willi Kruse 1971 den renommierten Schwabinger Kunstpreis. In 150 Städten und 49 Ländern sind seine Werke ausgestellt. An die 80 Grafikpreise hat ihm das eingebracht. Das Atelier und wohl auch die Wohnung der Kruses sind jetzt in der Georgenstraße. Bei der Kunstausstellung anlässlich der Glonner 1200-Jahrfeier, wählte man das Motto „Glonner Künstler – Glonner Motive”. Also Künstler die in Glonn gebürtig sind beziehungsweise in der Gemeinde einmal gewohnt haben oder Glonner Motive malten. Willi Kruse passte für beides. Die Kru­ses sagen zu. Von Willi konnten zehn und von Manuela Kruse fünf Werke gezeigt werden. Allerdings ohne Glonner Motive. Eine Retourkutsche in Er­innerung an das Glonner Kaufverhalten in früheren Zeiten?

Der Autor dieser Zeilen konnte Kruse bei der Gelegenheit zwei Linolschnit­te aus seinem Fundus, einen Glonn von Süden und einen von der Kreuzer Kirche, abkaufen. Ein drittes Motiv aus der Region vom Kastensee befindet sich im Besitz des Franzenanwesens. Fotos von möglichen weiteren wür­den das Heimatarchiv bereichern.

1995 verstarb Willi Kruse in Agios Nikolaos auf Kreta, wo er zuletzt aus ge­sundheitlichen Gründen lebte, 2011 starb seine Frau. Ihre Werke, und da­mit eigene künstlerische Perspektiven auf die Region, überdauern.

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Tausendundeine Nacht in Glonn

von Hans Obermair©
erschienen am 29.11.2022 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

 

Gemälde von Karl Mühlmeister, 1945

Wenn unter Glonns Malern Georg Lanzenberger der mit den meisten Glonner Motiven und die Behams die kunstgeschichtlich interessantesten waren, war Karl Mühlmeister wohl der, der am meisten publiziert und beachtet wurde. Wird nach ihm aber gefragt, ist kaum eine Antwort zu erwarten. Nur drei Werke dieses Wahlglonners waren es, die 1974 bei der Ausstellung „Glonner Künstler“ – „Glonner Motive“ gezeigt werden konnten: Blick auf des Wendelstein, dann Frauenbründl und die Via Appia. Nennt man aber Bücher und Geschichten, die er illustriert hat, werden sie viele kennen oder gelesen haben: Wie „Heidi” und anderes von Johann Spyri, Grimms Märchen, den einen oder anderen Band von Karl May, Lederstrumpf von Cooper oder Tausendundeine Nacht, um nur die bekanntesten zu nennen.

Karl-Rudolf-Gustav Mühlmeister wurde am 3. März 1876 in Hamburg geboren. Der Vater, Wilhelm Mühlmeister, stammte aus Detmold, war Zeichner und Lithograph und ab 1876 auch Mitinhaber einer bedeutenden Kunstanstalt in Hamburg. Die Mutter Dorothea war eine geborene Brühling. Der Großvater Carl war Hofmusikus (Hornist) in Detmold, der Stadt, in der auch der Glonner Komponist Günter Bialas nach dem Krieg tätig war. Nach der Gymnasialzeit arbeitete Karl bis zum Tod des Vaters in dessen Kunstanstalt. Dann ging er nach München an die Akademie der Bildenden Künste. Er war Schüler des Malers und Radierers Peter von Halm. Die Ehe mit Dora Holmberg, Tochter des Malers August Holmberg, blieb kinderlos.

Karl Mühlmeister war die Kunst sozusagen in die Wiege gelegt. Mit einer familienbedingten guten finanziellen Ausstattung hatte der junge Künstler eine gute Startposition. Bis zu seinem Umzug nach Glonn wohnte und arbeitete er in München.

Schon früh wurde Mühlmeister als begabter Illustrator entdeckt, der nicht nur Personen und Ereignisse auf Papier brachte, sondern auch Empfindungen. Beides bildet ein harmonisches Ganzes. Sicher litt er, wie viele andere Künstler auch, unter dem reduzierten Kunstmarkt in der Zeit des Nationalsozialismus. Dass die Mühlmeisters gut situiert waren und sich schon vor dem Krieg Auslandsreisen leisten konnten, spricht aber für eine solide Finanzsituation.

Fälschlicherweise wird Mühlmeisters Sterbedatum oft für 1942 angenommen. Laut Eintrag im Glonner Standesamt war es aber der 28. Dezember 1948. 1942 hat er sich wohl in München abgemeldet. In Glonn, seinem letzten Aufenthaltsort, gibt es auch Fotos von ihm. Hier hatte er offenbar Wurzeln geschlagen. 1942 könnte auch der Zeitpunkt gewesen sein, zu dem er ausgebombt wurde und Glonn zu seinem Erstwohnsitz machte.

Da gab es die voralpine Landschaft und ein paar Leute, bei denen die Mühlmeisters Schutz und Vertrauen fanden. Wohl einfache Bauersleute und Menschen, die denen, die er in seinen Werken so oft charakterisierte hatte, am nächsten kamen. Vielleicht waren es aber auch die Glonner Motive. Fotos zeigen, dass sich die Mühlmeisters ihre neue Heimat auch „erwandert” haben.
In der ersten Nachkriegszeit wurde der Wohnsitz von Glonn nach Reinstorf zum „Bohmer”, also zum Esterl verlegt. Dort stirbt Karl Mühlmeister. Er wird auf dem Kreuzer Friedhof beerdigt. Seine Frau, Berta Mühlmeister, bleibt noch etwa 10 Jahre in Reinstorf. Dann zieht sie ins Altersheim nach Laufen an der Salzach. Wie der Glonner Robert Esterl weiß, lagerten auf dem Speicher in Reinstorf viele Mühlmeister-Bilder, die nach dem Wegzug der Frau nach München gelangten.

Wie viele Bilder Mühlmeister in Glonn und wie viele Glonner Motive er gemalt hat, lässt sich nicht nachweisen. Bekannt sind etwa zehn. Mag sein, dass in Glonner Häusern unbekannterweise noch „Mühlmeister” hängen oder lagern. Dies wäre schon allein wegen der Glonner Motive interessant und ein Register wert.
Mühlmeister-Werke finden wir zigfach in den von ihm illustrierten Büchern. Die Vorlagen hierzu dürften sich bei den Verlagen befinden. Einzelwerke außerhalb der Verlagsarbeit, sind dagegen selten. So zeigt es auch der Kunstmarkt. Das liegt zum einen daran, weil er von seiner Haupttätigkeit als Illustrator gut leben konnte und so Einzelwerke erst gar nicht entstehen mussten.
Umso erfreulicher, dass das 1945 entstandene Bild von Kreuz und dem Mesneranwesen erworben werden konnte und sich in Glonner Privatbesitz befindet. Auch das Jahr seiner Entstehung macht das Bild interessant – welcher Maler hat sich schon 1945 mit seiner Kunst beschäftigt? Es darf Materialknappheit angenommen werden – und die geringe Chance, das Bild eines Ortes mit Kirche und zwei Anwesen, mit vielleicht einem Dutzend Einwohnern, zu verkaufen.

Warum hat Mühlmeister dieses Motiv ausgewählt? Vielleicht hat er sich schon damals den Kreuzer Friedhof als seinen letzten irdischen Platz gewünscht oder ausgewählt. So konnte er seinen sicher vielen Bekannten aus seiner Münchner Zeit schon vorab seine letzte Ruhestätte zeigen. Eine zweite Möglichkeit steht im Raum: Das kinderlose Mesnerehepaar Peter Wimmer und Frau Johanna, sowie deren Schwester Anna Messerer, die „Mesner-Nanni” von Kreuz genannt, sie versah über Jahrzehnte den Mesnerdienst in der Kreuzer Kirche, war sehr sozial eingestellt. Dass dies auch dem damals „brotlosen” Künstlerehepaar Mühlmeister aus dem nahen Reinstorf zugutekam, ist gut vorstellbar. Die Mesnerleute wollten hierfür sicher keine Gegenleistung, sonst wäre dieses Bild bestimmt nicht 50 Jahre später auf den Kunstmarkt gekommen, sondern hätte im Mesnerhaus auf Dauer einen Ehrenplatz eingenommen.
Der vom Maler angebrachte Bilduntertitel, obwohl die Kirche das Hauptmotiv ist, lautet „Kreuz bei Glonn – Obb Mesnerhaus Wimmer 1945″. Dieser Angabe klingt schon fast wie eine Widmung – ein Dankeschön. Die Signatur ist in Druckbuchstaben mit „Karl Mühlmeister” angegeben.

 

Ein Taufbecken geht auf Reisen


von Hans Obermair©
erschienen am 5.11.2022 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Das Taufbecken der Glonner Pfarrkirche trägt die Jahreszahl 1529. ©Bild: Archiv Hans Obermair

Das aus Rotmarmor bestehende Taufbecken in der Glonner Pfarrkirche trägt die Jahreszahl 1529. Damit könnte es noch von der Vorvorgängerin der jetzigen Kirche, also der Romanische, stammen. Seit der Fertigstellung der jetzigen Kirche, also seit rund 240 Jahren wird es auf dem jetzigen Platz gestanden haben. Vielleicht sogar schon seit der Bauzeit, denn es macht den Anschein, dass der umgebende Putz erst nachher aufgebracht wurde. Der Sollnhofener Boden, der 1823 vom Grafinger Maurermeister Heinzl gelegt wurde, kam sicher erst später, denn der Sockel des Taufbeckens steht noch auf dem vorausgehenden Ziegelboden.

Der alte Platz an der Ecke des Pfeilers und das unter der Treppe zum Predigtstuhl, mag den Anforderungen des 18. Und 19. Jahrhunderts genügt haben. Damals war die Taufe, oft noch am Tage der Geburt, zwar ein wichtiges, aber keinesfalls ein Ereignis mit vielen Personen. Oft werden es nur der Geistliche, der Mesner, die Patin oder der Pate, die Hebamme und vielleicht der Vater gewesen sein. Im Gegensatz dazu ist heute eine Taufe auch ein Ereignis der Familie und der Verwandtschaft. Ein Dutzend und mehr Personen sind keine Seltenheit. Dafür braucht es mehr Platz.

Und so ist es eine gute Idee von Pfarrer Schöpf, der Kirchenverwaltung und den Mitarbeitern, die Umgebung des Taufbeckens, aber auch den Platz selbst, repräsentativer zu gestalten. Wenn hierzu der rechte vordere Beichtstuhl „geopfert” wird, ist das zu verschmerzen. Robert Weber aus Grafing, ,,Spezialist” für die Gestaltung von Kirchenräumen, hat einen guten Vorschlag gemacht.

Jetzt hat Steinmetz Baumann aus Ebersberg den Taufstein vorsichtig gelöst und in seine Werkstatt überführt, um ihn zukunftsfähig aufzubereiten. Wenn alles fertig ist, wird es sicher ein würdiges Geschenk zum 200. Weihetag der Kirche sein, den die Glonner im nächsten Jahr (2023) feiern können.

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Vom”Troad” und vom “Dreschn”


von ©Hans Obermair
erschienen am 11.8.2022 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Die Ernte von Körnerfrüchten war früher Schwerstarbeit, für die jede Hand auf dem Feld und am Hof gebraucht wurde. Heute ist die getreideernte ein Unterfangen mit hohem Maschineneinsatz. Ein Blick zurück in eine Zeit von Sichel und Sense.

Bild: Archiv Hans Obermair

Der Getreidebau hatte dort, wo es einigermaßen möglich war, in der Landwirtschaft schon immer einen hohen Stellenwert. Getreide war Nahrung für Mensch und Vieh, dann die Marktfrucht mit der höchsten Energiedichte, was ja in Bezug auf den Transport wichtig war. Zudem ist Getreide bei fachgerechter Lagerung über Jahre hinweg haltbar. Schon in der Bibel lesen wir, dass es die sieben „fetten“ und die „mageren“ Jahre auszugleichen hatte. Erinnert sei auch an die Getreidestadel in unserer Gegend, die so konstruiert waren, dass „Nager“, aber auch fliegende Schädlinge nicht in das Lagergut eindringen konnten. Ein Beispiel: Der alte Getreidestadel im Staatsgut Grub.

Die Hauptfrüchte waren „Korn” (Roggen) und Weizen als „Winterung” für das Brot, und als „Sommerung” Gerste für Bier, Nahrung und Futter, sowie Hafer für das Vieh. Auch Vorgängerarten wie zum Beispiel Dinkel konnten regionale Bedeutung haben. Mit Winter- und Sommergetreide hatte man verschiedene Saat- und Erntezeitpunkte, was ja auch einen Risikoausgleich darstellt. Nach Winterung und Sommerung folgte das Jahr der Brache, für die Äcker ein Ruhejahr, die man für die Weide nutzte. Deshalb gab es auch den Flurzwang. Der war wichtig bei diesen kleinräumigen Feldern. Die Er-träge waren wesentlich niedriger als die heutigen. Eine Aussage eines Bau-ern aus dem Oberland in den 1930-er Jahren mag dies verdeutlichen: Er freute sich, weil er acht „Sam” geerntet und gedroschen habe, also das Achtfache der Aussaatmenge.
Gegenüber dem Grünland, hatte der Getreideanbau das größere Risiko: Wenn der „Schaur schlug” (Hagel), schadete das der Ernte. Auch deshalb die kleinteilige Flur, damit jeder überall ein Feld hatte. Aber auch von einem Schneefall auf die Kornblüte wird berichtet. Mit Seilen streifte man den Schnee von den blühenden Kornähren ab. Aber mit der Blüte vernichtete man auch die Ernte. Mein Urgroßvater entschied sich gegen diese Methode und konnte so die Ernte einfahren.
Das Schneiden des Getreides erfolgte erst mit der Sichel und später mit der Sense. Hinter dem „Moder” (Schnitter) wurde das Schnittgut „aufge-klaubt” und zu Garben gebunden. Nicht die schönste Arbeit, denn Unkraut, insbesondere stachelige Disteln, gab es genügend. Das Handmähen wurde in den 1920er Jahren durch die Mähmaschine dann durch den Ableger, bei dem man die Garben noch von Hand binden musste und schließlich durch den Bindemäher, der fertige Garben aufs Feld legte, abgelöst. Die Garben wurden zum Trocknen zu „Mandln” zusammengestellt. Hier war auch „Kinderarbeit” gefragt. Nach ein paar schönen Tagen in die Scheune eingeholt, wurden die Garben im Stadel so gerichtet, dass die,,Spatzen” nicht an die Ähren konnten.
Die älteste Druschmethode dürfte das Auspeitschen der Ähren sein. Irgendwann kam die „Drischel”: Ein langer Stiel, an dem mit Lederriemen ein gut 50 cm langes und etwa 10 cm starkes Rundholz befestigt war. Dieser “Dreschflegel” wurde flach auf das auf der Tenne liegende Dreschgut geschlagen. Bis zu sechs oder gar acht Personen konnten das sein, die reihum im Takt ihre Arbeit machten. Man durfte dabei nicht auf den Flegel eines anderen schlagen. Und so, wie mein Vater sagte, brauchten die Drischler eine „gutes Musikgehör”, um die Reihenfolge sicher einzuhalten. Dann wurde das leere Stroh ausgeschüttelt und gegebenenfalls zu „Schab” (Strohbündel) gebunden. Durch „Windwurf” und Sieben wurde dann bei diesem Getreide-Spreugemisch die Spreu vom Getreide getrennt. Später geschah dies durch die „Windmühle”, ein handbetriebenes Gerät.

Ab etwa der Jahrhundertwende wurde die Drischel durch den „Hakenzylinder”, ein Gerät mit einem hakenbewährten Zylinder, abgelöst. Hier ging nichts mehr mit menschlicher Muskelkraft. Ein „Göppel” musste gebaut werden. Dabei wurde von dem im Kreis gehenden Zugvieh eine stehende Welle gedreht. Die übersetzte Drehung wurde meist per Zahnräder über Scheiben und Riemen, gegebenenfalls über eine Transmission, auf den Hakenzylinder übertragen, mit pro Zugtier einer Pferdestärke (PS). Damit die Spur der reihum gehenden Zugtiere nicht zu einem Graben wurde, wa-ren diese Göppelkreise gepflastert. Beim Wirt in Ottersberg konnte man diese Pflasterung noch Ende der 1950er Jahre sehen. Alternativ zum Göp-pel gab es auch den Ottomotor, der oft mit Spiritus betrieben wurde, und dessen industrielle Erzeugung immer mehr zu einem Betriebszweig (Kar-toffelbrennereien) der Landwirtschaft wurde.
Die neue Methode war aber die Dreschmaschine, die im Grunde die Arbeit des Hakenzylinders und der Windmühle vereinte. Hier brauchte man viel mehr Energie, die nur eine Dampfmaschine erzeugen konnte. Insgesamt ein teures Gespann mit hoher Leistung, deren Kauf sich oft nur für eine Dreschgemeinschaft, häufig auch eine Genossenschaft, oder für einen Dreschunternehmer lohnte. Das Dreschen war jetzt überbetrieblich zu or-ganisieren. Schon wenn die „Dreschgarnitur”, bestehend aus Dreschma-schine, Dampfkessel und später auch die Strohpresse auf dem Hof kam, war oft schon der Nachbar mit gefragt. Ein Vierer-oder Sechser-Pferdezug musste es schon manchmal sein, um dieses Gewicht zu transportieren. Mit der Verbesserung der ländlichen Stromnetze wurde dann immer mehr der Elektromotor zum Antriebsaggregat. Diese Dreschmethode erledigte sich erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts durch die Einführung des Mähdreschers.

War Dreschen angesagt, mussten alle Kräfte gebündelt werden, nicht nur auf der Tenne, sondern auch in Küche und Keller. Nicht umsonst gab es das Sprichwort „der isst wie ein Drescher”. Aber auch Kinder mussten, so-weit es die Schule erlaubte, mithelfen. Ihre Aufgabe: Die Spreu, die die Ma-schine in Massen ausschüttelte, weg zu tragen. Im Norden des Landkreises hieß diese Spreu „Amt” und im Süden „Flahn”. Ich erinnere mich: An meinem zehnten Geburtstag (1949) waren die „Flahn” den ganzen Tag meine Aufgabe. Ich war stolz, war ich doch ein Teil der Dreschmannschaft und zu den Mahlzeiten gab es für mich ein „Kracherl”.

Wie schauten nun solche Dreschtage beim Wirt in Ottersberg, dem Hof, auf dem ich aufgewachsen bin, aus? War die Feldarbeit getan, ging es ans Dreschen. Zu dritt hatten wir eine größere „Esterer”-Dreschmaschine mit Presse (Marke Raussendorf). Ein 22-PS Elektromotor trieb das Ganze an. Das Aufstellen der Maschine in der Tenne musste mit der Wasserwaage erfolgen, damit die Siebe und die Sortiertrommel funktionierten. In einem Stück wurden dann zwei oder drei Tage gedroschen. Insgesamt waren es an die acht. Für die verschieden Tätigkeiten waren an die zehn Leute nötig. Das hieß, man brauchte Taglöhner oder man half sich gegenseitig. So musste auch ich manchmal zum „Dreschen” gehen. Ich tat dies nicht un-gern. Da hatte ich nur meine Arbeit zu tun und musste mich um nichts kümmern. Daheim war ich nämlich der „Maschiner”, der für das Funktio-nieren der Maschine Verantwortung hatte. Das hieß auch, während der Mittags- oder den Brotzeitpausen die Maschinen zu schmieren. Bei diesen Pausen ging es nämlich immer lustig zu. Da wäre ich gerne dabei gewesen.
„Maschiner” sein bedeutete auch, während des Betriebes unter die Presse zu schlüpfen, um neu „einzufädeln” wenn das Pressgarn gerissen war. Dies war nicht ganz ungefährlich. Ein Abstellen und wieder Anfahren der Ma-schinen hätte wertvolle Zeit gekostet. Während das Stroh als Pressbündel im Stadel eingelagert wurde, musste das Getreide, das marktfertig von der Maschine kam, entweder in Säcken auf den Speicher getragen, bezie-hungsweise am Abend mit einem handbetriebenen Windenaufzug dorthin gebracht werden. Oder die Säcke, die maximal 100 Kilo schwer waren, wurden auf einen Wagen gestellt. Zur Abholung durch die Brauerei, oder zum Transport ins Lagerhaus.
Als dann alle drei, der „Homer” von Gelting, der „Sprunkmoar” und der,,Wirt” von Ottersberg auf Mähdrusch umgestellt hatten, es war cirka 1959, wurde der „Esterer” aufs Feld gefahren, mit Benzin überschüttet und angezündet. Niemand trauerte vor dem Haufen Schrott der alten Dreschmethode nach, obwohl damit, wieder still und leise, eine bäuerliche Epoche ihren Abschluss gefunden hatte.

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Die Auswanderer


von Hans Obermair©
erschienen am 18.8.2022 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Familie Grasberger aus Kreuz bei Glonn in Amerika -„Moarsöhne” auf der Suche nach dem Glück

Wenn Deutschland heute „Einwanderungsland” genannt wird, so war es im 19. Jahrhundert zweifelsohne ein Auswanderungsland. Für die meisten war Nordamerika das Land ihrer Zukunft, und damit ihrer Träume. Der Traum nach einer besseren Zukunft, ist Teil der Menschheitsgeschichte. Waren es häufig Hungersnöte, so auch zum Beispiel das „Hungerjahr” 1817, so war es später der Drang nach Freiheit. Sein Leben selbst zu gestalten war über Jahrhunderte nicht möglich. Leibeigenschaft und Knechtschaft ließen das nicht zu, in der Regel auch nicht bei denen, die in und von der Landwirtschaft lebten. Und das waren die Allermeisten.

Eine gewisse Wende war sicher die Anfang des 19. Jahrhundert einsetzende „Bauernbefreiung”, die 1848 ihren Höhepunkt fand. Man konnte jetzt mit seinem Anwesen frei disponieren: Tüchtigkeit und Weitsicht konnten sich lohnen -umgekehrt konnte es aber auch sein. Wie es hieß: Man konnte sich „aufi” kaufen oder auch „obi”. Dies alles hat dazu geführt, es auch zu „probieren”, die neuen Freiheiten machten es möglich und wenn es „in’s Amerika” gehen sollte, wie man es damals formulierte. Für die, die es schon erfolgreich probiert hatten, war es „das gelobte Land”. Ihre Nachrichten an die Heimat, die durchaus übertrieben sein konnten (wer berichtet über sich schon Schlechtes?) war die beste Werbung für dieses Land. Die aber, die nichts Gutes erwartete, berichteten erst gar nicht darüber. Vielleicht auch nicht, um dann hören zu müssen „warst net umi g’farn”.

Ein weiterer Grund für das Auswandern ist gewesen, sich den hiesigen Strafbehörden zu entziehen. In den Neunzigerjahren waren es zum Beispiel die „Habererprozesse”, die das „Abhauen” beförderten.

Auf jeden Fall musste man sich erst die Überfahrt von Hamburg oder Bremen nach Amerika verdient, oder durch Mitgift beisammen haben. Sonst kam man nicht aufs Schiff. Hier hat sich eine regelrechte Auswanderungsindustrie gebildet, die die Frachträume durch „Zwischendecke” unterteilte, in denen man kaum stehen konnte. „Eingepfercht”, erreicht man oft erst nach Wochen sein „gelobtes Land”. Nach vielen Tests und gegebenenfalls nach einer Quarantäne, durfte man dann erst „wirklich” einreisen, oder wurde in seltenen Fällen auch zurückgeschickt. Wohl denen, die schon Verwandte oder Bekannte „drüben”, und zumindest für den Anfang Hilfe hatten. Also viele Entbehrungen, bis man „drüben” war. Da stellt sich die Frage, warum auch die Söhne größerer Höfe das alles auf sich nahmen. Waren es die hohen Erwartungen, die ja auch mit „Goldgräberstimmung” umschrieben wurde, nicht erfüllte Wünsche an das Elternhaus, oder weil man daheim eine bestimmte Frau heiraten sollte? In den meisten Fällen wissen wir es nicht. So auch bei den zwei „Moarsöhnen” aus Kreuz bei Glonn Franz-Paul (*1819) und Josef (*1823). Nachdem Franz-Sales Schneeberger -„beim Schneeberger” ist heute noch der geläufige Hausname -als letzter der Familie 1825 verstarb, übernahm die Familie Grasberger, aus Föching kommend, noch im gleichen Jahr den „Moar”. Schneeberger der neben dem „Moar” auch Förster und Jäger für Zinneberg war, hatte ein wohl einmaliges Schicksal zu ertragen: Von den 14 Kindern aus der Ehe mit Ursula Wiesbeck, Wirtstochter aus Lorenzenberg, sind alle, spätestens im fünften Lebensjahr, verstorben. Auch seine zweite Frau war zwei Jahre vor ihm gegangen. Sodass Schneeberger kinderlos verstarb. Dies war wohl der Grund, warum sich die Kurfürstenwitwe Leopoldine (Zinneberg) als Obereigentümerin für diese umgehende Neubesetzung entschied. Es ist von einem Verkauf die Rede, sodass sich das Obereigentum von Zinneberg damit erledigt haben dürfte.

Zur Familie Grasberger gehörten 1825 die Söhne Franz-Paul, Thomas (*1820) und Josef. Warum nicht der älteste Franz-Paul, der ja den Vornamen des Vaters trug, das Anwesen übernahm, ist ungewöhnlich. Der Vater verstarb plötzlich 1848 mit 54 Jahren an Schlaganfall. Die Witwe Ursula, damals 52-jährig konnte sich für eine Übergabe erst 1853 zu Gunsten des zweiten Sohnes Thomas entscheiden. Und so könnten es Erbstreitigkeiten gewesen sein, die Franz-Paul, damals 30-jährig, dazu bewogen, 1849 nach Amerika zu gehen. Über seine Entscheidung berichtete er vermutlich positiv, denn 1855 folgte ihm Bruder Josef in die Neue Welt. Von ihm wissen wir, dass er 1859 Marie-Therese Marais heiratet und 1890 in Pennsylvania, vermutlich am Sitz seiner Familie, verstarb.

Sein 1864 geborene Sohn Bonifac ließ sich, wohl nach der Schule, in Richmond, Virginia (Nachbarstaat von Pennsylvania), bei Onkel Franz-Paul, nieder. Dort baute man Kutschen und Waggons. Höchstwahrscheinlich hat Bonifac sein Handwerk bei seinem Onkel Franz-Paul erlernt und galt dann als einer der besten Fachleute von Richmond, wie berichtet wird. Er hat sich nach 1889 im Fach des Onkels selbständig gemacht. Seinen Betrieb gab es bis ca. 1900. Wahrscheinlich hat er den Konkurrenzkampf mit seinem Cousin Julian, Sohn von Franz-Paul, nicht durchgehalten. Es ist anzunehmen, dass er wieder im Betrieb des Onkels und Cousin tätig war. Er war ja Fachmann. 1945, also im Alter von 81 Jahren, ist er wohl in Richmond verstorben. Franz-Paul, sowie seine Frau, hatten mit seiner 1827 in Kreuz geborenen Schwester Ursula einen Briefverkehr geführt, der uns etwas Einblick in seine Familie gibt. 1853 heiratet Franz-Paul in Amerika die Deutsche Margarethe Karl, ihr Vater ist aus Tennesberg in der Oberpfalz gebürtig, Sie wohnen in Richmond, der Hauptstadt des Staates Virginia. Insgesamt sind zehn Kinder aufgeführt. Über den Verbleib dieser wissen wir außer den Vornamen nur, dass Therese als Schwester Xaviera ins Kloster ging und der 1860 geborene Julius in Richmond 1909 ein „Manufacturer of Vehicles”, also Hersteller von Fahrzeugen, war. Es ist anzunehmen, dass der 1849 ausgewanderte Franz-Paul schon bald nach seiner Ankunft sich in Richmond niederließ. Es wird von dort berichtet, dass es 1849 zwei Kutschenbauer gab. Ob ein Betrieb oder zwei, von denen einen Franz-Paul gegründet haben dürfte, ist offen. Woher hatte er die Kenntnis Kutschen zu bauen? Bei uns war das Wagnerhandwerk dafür zuständig. Es ist gut möglich, dass Franz-Paul sobald die Nachfolge als „Moar” in Kreuz nicht mehr wahrscheinlich war, das Wagnerhandwerk erlernte. Das könnte beim Wagner, später im „Scheilanwesen” in Schlacht gewesen sein. Johann Gruber, dessen Vater, gebürtig in einer Tiroler Wagnerei, hat 1778 in Schlacht eingeheiratet. Johann kann durch ein Zeugnis der Innung in Wasserburg seinen Beruf nachweisen. Dessen Sohn Josef (*1813), auch Wagner, hat das Geschäft übernommen.

1899 verstirbt Franz-Paul Grasberger in Richmond mit 70 Jahren. Frau Margaretha hat 1909 noch gelebt. Schon der Vater hat vor 1877 sein Geschäft ausgebaut und das in zwei zweistöckigen Industriegebäuden. Sohn Julius hat 1885 den Betrieb übernommen. Über seine Heirat und seine Kinder haben wir keine Daten, außer über Tochter Sylvia, die 1908 als stolze „Chauffeuse” ein „Vehikel” über die Straßen von Richmond werbewirksam steuert. Und das als Frau, so können Stadtgespräche entstehen. Das zeigt auch, dass man die Zeichen der Zeit erkannt hat. Das Automobil war längst erfunden und löst zunehmend die Kutsche ab. Auf dem Land wird es allerdings noch lange dauern, hier ist das Pferd noch der „Motor” und Kutschen sind weiter nötig. Dass Julius Grasberger jetzt auch „Agent” (Gebietsvertretung) für Autos der Marke „Schacht Auto-Runabout” ist, das ist er den Kunden schuldig, denen die Kutsche nicht mehr genügt. Außerdem wird für die Werkstatt auch „Lackieren, Überhohlen, Polster und Reparieren” angeboten. Mit dem in der Werbung von 1908 gezeigten Modell von Schacht, wird Grasberger nicht mehr das große Geschäft gemacht haben. Das Auto sieht aus, wie Grasbergers Kutschen, mit einem Motor versehen. Vielleicht hat er es auch probiert. Ab dem gleichen Jahr bot Ford sein Modell „T” an. Es war schon ein Auto im heutigen Sinn. Damit hat Ford den Geschmack der Zeit getroffen, oder für Jahrzehnte mit formuliert. Das erste Auto, das mit Fließbandtechnik fabriziert wurde. Bis 1927 wurden 15 Millionen Stück „T” verkauft. Den Rekord des meistverkauften Automobils hielt Ford damit bis 1972. Der Aufstieg der Familie Grasberger erinnert an den Slogan „vom Tellerwäscher zum Millionär”, der wohl bei vielen auswanderungswilligen Deutschen die Entscheidung mit beeinflusst hat. Ob es in Richmond in Virginia heute noch Leute mit dem Namen Grasberger gibt, darüber wurde nicht recherchiert. Jedenfalls werden es Bayerische Einwanderer vor dem Ersten Weltkrieg, wenn sie den urbayerischen Namen Grasberger gelesen, dies wie einen Willkommensgruß empfunden haben.

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Wie eine Malerfamilie Glonn prägte


von Hans Obermair©
erschienen am 7.9.2022 in der Ebersberger Zeitung/Lokalteil

Auf den Spuren der Behams und ihrer Bedeutung für die Kunstge­schichte

Vor ein paar Monaten feierte Glonn den 125. Geburtstages des Malers Georg Lanzenberger. Er wird gewiss der Maler sein, der nicht nur die meisten Werke hinterlassen hat, sondern auch der mit den meisten Glonner Motiven. Lanzenberger war aber bei Weitem nicht der Glonner Maler mit der größten Bedeutung für die Kunstgeschichte. Hier sind die Mitglieder der Glonner Malerfamilie Beham zu nennen.

Die Behams sind 1718 aus Aich, Pfarrei Jesenwang (Fürstenfeldbruck) zum „Vogl” in Herrmannsdorf übersiedelt. Warum, können wir nur vermuten: Der Achtelhof „Vogl” war im Eigentum des Klosters Beyharting, dessen Kir­che ab 1668 umgebaut und um 1730 von Johann-B. Zimmermann stuckiert und ausgemalt wurde. Der Zuzug der Behams erfolgte also in einer Zeit, in der das Kloster vermutlich zahllose Künstler beschäftigte. Dass die Familie Beham wegen der Arbeit an der Klosterkirche diesen Umzug ins rund 70 Kilometer entfernte Herrmannsdorf und noch dazu in dieses klösterliche Obereigentum unternahm, lässt einen Zusammenhang vermuten. Über­dies hätte man sicher keine Probleme gehabt, den „Vogl” mit hiesigen Leu­ten zu besetzen. Dass dann der im Dezember 1718 in Glonn getaufte Sohn Jakob Maler wurde, könnte bedeuten, dass der zugezogene Vater auch schon einer, oder zumindest ein Bauhandwerker war.
Während Sohn Martin (*1711) beim „Vogl” übernimmt, heiratet Jakob die Glonner Naglschmiedtochter Maria Rieder. Das junge Paar kann wohl im Zusammenhang mit der Heirat 1749 das der Pfarrei Glonn grundbare Hechenberger-Anwesen in Westendorf beziehen, wo die ersten sechs Bu­ben zur Welt kommen. Der siebte Sohn wird dann im Naglschmiedanwe- sen „am Berg”, der Heimat der Frau, geboren. 1763 übernahm man näm­lich den „Naglschmied”. Der neue Hausname wechselt jetzt zum „Moier am Berg”. Und das bis heute. Vater Jakob verstirbt, wie es heißt erblindet, dort als „Piktor” (Maler) 1794. Von ihm sind keine Kirchenarbeiten be­kannt. Er wird seinen Söhnen das ehrbare Handwerks des Malers beige­bracht haben, so wie er es wahrscheinlich von seinem Vater übernommen hat. Um 1749 wird er sich mit dem Erwerb des „Gütls” in Westerndorf nächst dem Schloss von Zinneberg selbstständig gemacht haben. Der aus­laufenden Barock mit seinem letzten „Aufbäumen” im Rokoko, wird sich auch auf die Kundschaft ausgewirkt und dem „Maler am Berg” die überle­bensnotwendigen Aufträge zugespielt haben: Schränke, oder auch schon die eine oder andere „Lüftlmalerei”, wie es allmählich bei den Reicheren modern wird. Sonst hätten nicht schon die Söhne, kaum 20, in dieser Diszi­plin etwas leisten können.

Zwei der Söhne, der 1752 geborene Johann-Baptist und Michael (* 1757) haben sich dem Malerhandwerk verschrieben. Bruder Phillip-Jakob (*1760) übernimmt 1794 das Anwesen, eventuell auch als Maler. Bevor des­sen Sohn Johann um 1828 das „Sach” an Breit verkauft, schließt er mit dem „Weigl” im nahen Ursprung 1821 noch einen wichtigen Vertrag: Die­ser liefert ihm das Trinkwasser. Die Gegenleistung war: Der „Moier” hat dem Lieferanten jährlich eine Heilige Messe lesen zu lassen.
Johann-B. (* 1752) heiratet 1785 die Malerstochter Maria Gail aus Aibling. Wahrscheinlich konnte er schon Jahre vorher beim Schwiegervater, der 1770 als Kirchenmaler beschrieben ist, sein Können beweisen, sonst wäre er für die Heirat mit der Tochter und die folgende Geschäftsübernahme nicht „würdig gewesen.
Auch bei Michael Beham ist anzunehmen, dass er im Betrieb des Malers Gail in Aibling und später in dem des Bruders Johann-Baptist gearbeitet hat. Jedenfalls ist Michael schon 1781 an der Glockenhaustüre in Ellbach für Arbeiten an dieser Kirche als„Mallerssohn von Glonn” verbürgt. Und Ellbach dürfte das Gäu des Kirchenmalers Gail gewesen sein. 1788 wird Michael bei der Arbeit am Tabernakel in Au „Mallersgsell in Aibling ge­nannt. Ab spätestens diesem Zeitpunkt wird sein Wohnort auch in Aibling gewesen sein. Für 1808 ist dokumentiert, dass er für Katharina Kirchberge- rin von „Rabtal” einen Kasten „gemalen” hat. Es wird wohl „Radtal” in der Pfarrei Niklasreuth gewesen sein. Denn Namen Kirchberger gibt es dort zuhauf. Auch Michaels Wohnsitz von 1809 in „Ratzenlehen nächst Mies­bach” passt hierzu. Dort gibt es zwei Sechzehntelanwesen, die zur Herr­schaft Wallenburg gehören. Dem Namen nach keine „gute Adresse”. Dies ist aber auch das letzte Lebenszeichen des Michael Beham. Er dürfte zu diesem Zeitpunkt (noch) ledig, und wahrscheinlich in Arbeitsabhängigkeit seines Bruders Johann-B. gewesen sein.

Wir haben noch die Zeit Napoleons und seiner Kriege. Ein Sterben durch oder in einem Krieg kann nicht ausgeschlossen werden, und das irgendwo. Im Vergleich zu seinem Bruder Johann dürfte Michael nie oder kaum die Möglichkeit gehabt haben, seine eigene künstlerische Handschrift zu zei­gen. Eher ein Leben ohne oder nur mit wenig „Applaus”, das kann natür­lich in Richtung „Abgrund” führen, so wie wir es auch bei andern begabten Künstlern beobachten können.

Als selbstständiger Meister am Landgerichtsort Aibling kann Johann-B. in seiner Familientradition aufgehen. Der gute Name, die guten Verbindun­gen und natürlich auch gut ausgebildetes Personal, die sind vom Schwie­gervater schon da. Man muss nicht mehr „Klinkenputzen” und kann sich umso mehr auf die Kunst konzentrieren. Prof. Gerdi Maierbacher-Legl nimmt an, dass Johann-Baptist bei seinem Schwiegervater Johann-Georg Gaill die Technik der Frescomalerei erlernt hat, „da er wie dieser durch sei­ne Deckengemälde in ländlichen Kirchen und durch die Fassadengestal­tung reicher Bauernhäuser bekannt geworden ist”.

Johann-Baptists Schaffen ist in der Zeit von ca 1772 bis 1823 festzustellen. Seine erste bekannte Arbeit ist die Außenbemalung des Wiedenbaurhofes zu Schreiern (Leizachtal). Der Hof wurde 1772 erbaut. Die Bemalung könn­te in diesem Jahr begonnen worden sein. Eine Reihe von Autoren weisen diese Arbeit wechselnden Mitglieder der Familie Beham zu. Johann Baptist ist zu diesem Zeitpunkt erst 20 Jahre alt; sein Bruder erst 15 und der Vater 54. Nimmt man an, dass es ein Gemeinschaftswerk war, so kann durchaus auch der Vater mit einbezogen werden. Ein Schrank von 1778, der die vier Jahreszeiten zeigt und im Bayerischen Nationalmuseum in München steht, ist signiert mit„J. Pöhamb pinxit (Maler) in Glon coficion (hergestellt) in El­bach”. „J” könnte auch für „Jakob” dem Vornamen des Vaters stehen. Er war damals 60 Jahre alt.

Ein Spätwerk von Johann-Baptist ist die Decke der Glonner Pfarrkirche vom Juli 1823. Es stellte Szenen aus dem Leben des Heiligen Johannes dar. Der damalige Pfarrer nennt das Werk eine „mittelmäßige Arbeit”. Wahr­scheinlich wurde es unter Zeitdruck geschaffen, denn die Einweihung der Kirche erfolgte bereits am 18. August 1823. Wenn man bedenkt, dass das Gerüst vor der Weihe auch noch abzubauen war, so blieben dem Maler vielleicht nur vier Wochen für sein Werk.

Prof. Gerdi Maierbacher-Legl schreibt: „Die Möbeldekorationen der Gebrü­der Böheim gehören zum Liebenswürdigsten und zugleich Qualitätvolls­ten, was uns aus der Blütezeit der oberbayerischen Möbelmalerei zwi­schen 1770 und 1820 erhalten ist”. Vergessen wir nicht: Die Grundlage hierfür wurde in Glonn gelegt!

Die Bedeutung der Familien Beham für die Glonner Geschichte ist aber mit den Malern bei weitem nicht vollständig dargestellt. Martin Beham (*1711), der das „Vogl-anwesen” in Herrmannsdorf übernimmt haben wir ei­nen weiteren, für Glonn geschichtsträchtigen Familienzweig. Sein Sohn Ferdinand (* 1750), heiratet 1750 Maria Wäsler. Sie ist die Tochter des Franz-Seraph Wäsler, „Faber-Lignari (Zimmermann) und Archtictus”. Drei der Nachkommen dieses Zweiges werden einmal Glonns Gemeindevorste­her/Bürgermeister sein: Mathias Beham von 1821-1828, Mathias Beham (sein Sohn) 1866-1869 und dessen Bruder Johann 1881-1887. Alle drei, be­sonders aber Johann, der „Christimüller” haben wesentliche Grundlagen für das heutige Glonn geschaffen. Und so war 1718, als Jakob und Elisa­beth Beham wohl auf Initiative des Klosters Beyharting beim „Vogl” in Herrmannsdorf zuzogen, gewissermaßen eine „Sternstunde” für Glonn.

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Abschied von einem Stück Ge­schichte


von Hans Obermair©
ergänzt mit Bildern aus dem Archiv Markt Glonn
erschienen am 22.4.2022 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Glonner „Neuwirt“ wird gerade abgerissen – Ein Haus, das viel erlebt und viel zu erzählen hat.

Häuser stehen nicht nur auf einem Grundstück oder einer Flur­nummer, sondern auch auf dem Boden ihrer Geschichte. Wenn ein Haus abgerissen und neu gebaut wird, wird die Geschichte übernommen.

Eigentlich hat die Geschichte des Glonner „Neuwirt” im Mühltal begonnen. Die heute „Christlmühle“ genannte Mühle stand nämlich früher im Mühl­tal. Wegen eines Streits wurde diese Mühle um 1560 an die jetzige Stelle verlegt. Wohl der Obereigentümer, das Kloster Ebersberg, ließ die Glonn entsprechend verlegen. Irgendwann vor 1671 wurde der Mühle das „Kuchlmayranwesen“, auch im Obereigentum des Klosters, zugeordnet, wohl als Sitz der Mühlen-Landwirtschaft, zugeschlagen. Auf diesem Grund­stück stand das Anwesen, in dem 1862 der „Neuwirt“ eröffnet wurde, in dem die Kollerbuben Karl, Josef und Wolfgang geboren wurden, und das seit 1971 Parkplatz war.

Das alte Zuhaus

Die „Untereigentümer“ der Christlmühle nannte man anfangs einfach „Christlmiller”. Ab etwa 1700 wurde der Familienname genannt: Wild, Dötsch und ab 1777 Schlickenrieder. Anton Schlickenrieder war es dann, der über die „Bauernbefreiung“ volles Eigentum erhielt. Sohn Sebastian wollte die Erfolgsgeschichte der Familie fortsetzen und eröffnete 1862 in Haus Nummer 37, dem landwirtschaftlichen Anwesen der Mühle, die zwei­te Glonner Gaststätte, den „Neuwirt“. Ein rund fünfjähriger Streit ging mit den Behörden und dem „Platzhirsch”, dem Glonner „Postwirt“ Wagner, voraus. Damals war bei einer Gewerbeeröffnung auch die „Bedürfnisfrage“ zu klären. Wagner, der ja hohe öffentliche Ämter inne hatte, konnte durch seinen Einfluss und seine Argumente einen Bedarf jahrelang vereiteln. Es muss aber doch, wohl wegen der Praktiken des Wagner und auch wegen der fünf Glonner Brannweinschänken, einen „echten“ Bedarf gegeben ha­ben, sonst hätte der Kandidat für den Gemeindevorsteher (Bürgermeister) Bonifaz Gruber nicht als Wahlversprechen ausgegeben, wenn er die Wahl gewinne, werde es in Glonn einen zweiten Wirt geben.

Dass es im Grunde damit auch dem „übermächtigen“ Wagner „gezeigt“ werden sollte, beweist, dass das etwa 1864 fertig gestellte neue Gebäude des „Neuwirt“ für damalige Verhältnisse für die bauliche Umgebung zu wuchtig und für den Bedarf völlig überdimensioniert war. Das Gebäude war nach der Kirche das zweithöchste und größte in Glonn; um ein Stock­werk höher als die „Post“, wenn es auch von Gesamtgrundfläche kleiner war. Aber von weitem sichtbar, natürlich auch von der „Post“aus.

Dass der Repräsentationswunsch des Schlickenrieder bei weitem den ech­ten Bedarf übertraf, steht fest. Fazit: Auch die Schlickenrieder wollten es dem Wagner „zeigen“, zumal Glonn, wenn auch Pfarr- und Gemeindemit­telpunkt, ein mehr oder weniger bedeutender Ort war. Hätte es nicht die vier Jahrmärkte gegeben, hätte Glonn überregional keine Rolle gespielt Die Bahn gab es erst 30 Jahre später. Kaufmännische gesehen war dieser „Prunkbau“ also eine Fehlkalkulation. Das beweist auch, dass 1876 wohl der Hauptbetrieb die Christlmühle mit Mühle, Säge und Branntweinbren­nerei, verkauft werden musste. Käufer war der Adlinger Johann-Baptist Beham, der von 1881 bis 1887 Glonns Bürgermeister war. Er war auch Bau­meister und Planfertiger. Viele Glonner Gebäude stammen aus seiner Hand.

Sebastian Schlickenrieder konnte also nur mehr seinen „Neuwirt“ mit dem alten Anwesen nebenan 1885 an Sohn Josef übergeben. Im gleichen Jahr heiratet dieser Theres Schuster, eine Bäckerstochter aus Großhelfendorf. Sicher mit einiger „Mitgift“, aber die wird nicht ausgereicht haben, sonst hätte er nicht 1890 an das Ehepaar Josef und Magdalena Mayer verkauft. Für Magdalena war Josef der dritte Mann, zwei waren schon jung verstor­ben. Beide waren auf dem „Metzgeranwesen“ und betrieben dort die Jahr­hunderte alte Metzgerei. Das „Metzgeranwesen“ behielt man. Mitgenom­men wurde nur die Metzgerei, die man erst einbauen musste. Aber auch die fünf Kinder des Paares und zwei aus zweiter Ehe bekamen mit dem Kauf ein neues Zuhause. Weitere drei Kinder sind im „Neuwirt geboren.

Vor dem Neuwirt: 2.v.r.: Josef Mayer; 2.v.l.: Magdalena Mayer ca. 1905

Die Glonner Dichterin Lena Christ, als gegenüber dem Neuwirt 1881 gebo­renes „Hansschuasta-Lenei”, hätte über die Schlickenrieders und die May­ers mehr erzählen können. Alles was sie in ihren Romanen und Erzählun­gen über das Wirtshausleben zum Besten gibt, wenn auch manchmal un­ter anderen Namen, hat sie beim Nachbar Neuwirt mitbekommen. Und so hat sie auch, nach vielen Schicksalsschlägen, einige ihrer Landaufenthalte beim „Neuwirt“ verbracht.

Josef Mayer war ein tüchtiger Wirt und Metzger und auch dem Modernen aufgeschlossen. Dafür spricht ein Inserat, dass der Wirt schon 1898, das Jahr in dem Glonn die Elektrizität erhielt, zu einem Gartenkonzert mit elek­trischer Beleuchtung einlud. Sein 1890 geborener Sohn Ludwig schreibt, der Vater habe mit seiner Gitarre die Gäste beim Gesang begleitet. Wo­möglich habe er vom Vater die Musikbegabung. Der „Neuwirt“ war in Glonn bis zuletzt die Herberge der Sänger und Musiker. Diesem Umstand habe er auch zu verdanken, dass er als Sechsjähriger beim „Faßrainer“, dem Musikmeister, das Violinspiel erlernen durfte. Mit 13 kam ein Blasin­strument dazu. Das all war die Basis, dass Ludwig schon mit 18 zur Militär­musik genommen wurde. Musiker war sein Lebensziel. Doch das Schicksal wollte es anders: Der Tod des Vaters 1914 ließ ihn zum „Neuwirt“ werden, denn der ältere Bruder Markus (Max), der gelernte Metzger, wollte daheim nicht übernehmen. Der Max übernahm lieber das Metzgeranwesen. Für Glonn eigentlich ein Glücksfall. Ludwig diente so zeitlebens der Glonner Musi: Blasmusik, Kirchenmusik, Salonorchester, Chöre. Zwischen den Krie­gen und nach dem Zweiten kamen viele gute Musiker zum Neuwirt, schlie­ßlich hatte er auch eine Metzgerei.

“der Neuwirt” Ludwig Mayer (*1890+1977)

Von 1929 bis 1933 war Ludwig Mayer Glonns Bürgermeister. Der Rathaus­bau und das Wappen fallen in seine Zeit. Wegen der Naziherrschaft muss­te er „gehen“. Kein Wunder, dass er das Risiko auf sich nahm, in den Drei­ßigerjahren den Juden Baum mit Familie zu beherbergen. Dass sein Haus von Glonner Nazis mit „Judenwirt“ betitelt wurde, dürfte ihn nicht beson­ders berührt haben. Schließlich waren Onkel und Bruder seiner Frau Ma­ria, geb. Winhart, mit der er 1921 die Ehe einging, Priester. Dazu passt auch, dass ihn die einmarschierten „Amis“ 1945 wieder als Bürgermeister haben wollte. Mayer lehnte ab.

Der Neuwirt 1909

Von den vier Kindern, Maria, Ludwig, Martha und Mathilde übernahm Mar­tha Wirtschaft und Metzgerei. Ihr Gatte Xaver Kronthaler war ein guter Metzgermeister und ein guter Wirt. Er hatte es mit diesem in die Jahre ge­kommenen großen Haus nicht leicht. Er und seine Frau hielten nicht nur das Haus gut in Schuss, sondern vergrößerten 1971 um den Lena-Christ- Stüberl-Anbau. Von den drei Kindern Franz, Angelika und Hermine über­nehmen Franz mit seiner Frau Angelika die Metzgerei und Angelika mit Ehemann Robert die Wirtschaft. 2001 wurde die Wirtschaft dann geschlos­sen. Die Metzgerei wurde noch weitergeführt. Die Gasträume mietete die Marktgemeinde Glonn, um hauptsächlich den großen Saal für diverse Ver­anstaltungen anbieten zu können.

Im neuen Anbau das “Lena Christ Stüberl” , 1971

Die neue Zeit mir ihren betriebswirtschaftlich Vorgaben lässt als Möglich­keit eigentlich nur mehr den Abriss und den Neubau dieses großen Hau­ses sinnvoll erscheinen. Diese Zäsur lenkt natürlich den Blick zurück an dieses Haus und die dienstbaren Geister, die dieses Haus nicht nur am Le­ben hielten, sondern auch belebten, als Mittelpunkt der Glonner Kultur und Gastlichkeit. Wer denkt da nicht gerne zurück an die „Sali” (Salome) die ihr ganzes Leben zum „Dienen“ auf dem Haus blieb, die, manchmal eingeschlafen den letzten Gast abwartete, bis es dem „recht“ war.

Die Neuwirtstür – auch im neuen Gebäude wird sie zu finden sein.

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Am ersten Tag meldeten sich 21 Männer


von Hans Obermair
erschienen am 8. März 2022 im Lokalteil der Erbersberger Zeitung

Die Feuerwehr Glonn feiert heuer ihr 150-jähriges Bestehen – Blicke in die Anfänge

Eine Gruppenaufnahme der Glonner Feuerwehr, die wahrscheinlich zum zehnjährigen Bestehen 1882 entstanden ist. Foto: ©Hans Obermair

Glonn – „Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr“ steht auch der Fahne der Glonner Wehr. Mit diesem Spruch soll gesagt sein, dass Feuerwehren nicht vordergründig Dienstleistungsunternehmen sind und sein wollen, sondern dass die Kultur des Helfens im Vordergrund steht. Die Bereitschaft und den Zwang, sich dem Feuer zur Wehr zu setzen, gibt es schon länger als jene menschliche Errungenschaft, selbst Feuer zu entfachen. Die Bereitschaft, auch dem Nächsten vor Feuerschaden zu bewahren – und damit sogar einen eigenen Nachteil in Kauf zu nehmen, ist ein Kultursprung in der Menschheitsgeschichte.

Allmählich gaben sich die Menschen auch Gesetze. Im Bereich des Feuerschutzes hatten sie ihre Aufgabe nicht allein darin, bei Feuersbrünsten regelnd einzugreifen, sondern auch dem Feuerschutz vorbeugend zu dienen. Die vierteljährliche Beschau der Feuerstätten durch den „Dorfvierer“ ist vorgeschrieben. Seit 1554 gibt es bei uns ein Feuerstättenverzeichnis.

Die Mittel zur Brandbekämpfung waren primitiv. Bis zur Entwicklung der Handspritze gab es nur den Kel, der von Mann zu Mann, vom Dorfweiher zur Brandstätte gereicht wurde. Hierin haben viele künstliche Dorfweiher ihren Ursprung. Ebenfalls wichtige Brandutensilien waren die Feuerleiter und der Feuerhaken. Alarm wurde mit den Kirchglocken und dem Signalhorn gegeben. Brandstiftung wurde als Strafdelikt schon in den Rechten des Mittelalters differenziert behandelt. Man unterschied zwischen Brandstiftung (Vorsatz) und „Feuerverwahrlosung“ (Fahrlässigkeit). Bei der Brandstiftung war die Todesstrafe fällig.

Durch das „Organische Edikt über die Bildung von Gemeinden“ von 1808 wird das Feuerschutzwesen auf die Landgemeinden übertragen. Alle Männer zwischen 18 und 55 Jahren waren in der „Pflichtfeuerwehr“ zur Hilfeleistung und wohl auch zu Übungen verpflichtet. Auch für die Gemeinde Glonn gab es eine „Lokallöschordnung“. 1866 lesen wir vom Bau eines Feuerwehrgerätehauses mit zwei Einfahrten. 900 Gulden für die Spritze und 507 Gulden für das Spritzenhaus. Die alte fahrbare Spritze, mit 300 Schuh Schlauch (ca. 90 Meter), die schon 1861 erwähnt ist und vermutlich 1856 vom Glonner Arzt und Bader Georg Mayr der Gemeinde gestiftet wurde, war als „Wasserzubringer“ gedacht.

Die Siebzigerjahre des vorletzten Jahrhunderts waren „Gründerjahre“ für die Freiwilligen Feuerwehren. Allein im Bezirksamt Ebersberg wurden in diesem Jahrzehnt 23 freiwillige Wehren gegründet. Warum? Wahrscheinlich waren die Pflichtfeuerwehren als behördliches Instrument ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen. Überdies war dieses Jahrzehnt ja auch eines, in dem viele Vereine gegründet werden. Ein gewonnener Krieg und die Reichsgründung sowie der sich daraus ergebende Patriotismus, waren dafür sicher ein Hintergrund.

Der 24. Mai 1872 war sicher wieder, so wie 240 Jahre vorher die Schlacht auf dem Kugelfeld im Jahre 1632, ein Schicksalstag für Glonn: Es ist die Geburtsstunde der freiwilligen Feuerwehr. Der Glonner Chronist Pfarrer Niedermair berichtet uns, dass am ersten Tage schon 21 Mann beigetreten sind. Im Laufe des Jahres sind es dann schon 94 Mitglieder. Zum Vorstand des neuen Vereines wird Apotheker Birzer (stammt aus Regensburg) gewählt. Aber auch eine einfache Standarte, die es heute noch gibt, wird angeschafft. Kommandant ist der Wirt und Posthalter Wolfgang Wagner sen., er ist später auch Mitglied des Land- und Reichstages. Selbstverständlich ist er auch Gründungsmitglied des neuen Vereines.

Während 1873, der Vorstand noch von einem regen Vereinsleben und großer Begeisterung berichten konnte, hatte der Verein bereits 1875 seinen ersten Tiefpunkt. Der Gemeinderat beschloss mit 6:1 seine Auflösung. Ein Grund ist nicht angegeben. Vielleicht hatte sich mit dem neuen Verein das Feuerlöschwesen zu sehr verselbstständigt, hatte doch vor 1872 die Gemeinde allein das Sagen. Der Verein konnte aber kraft eigener Statuten von der Gemeinde nicht aufgelöst werden. Eine Vereinsversammlung wurde einberufen, die gegen die Auflösung stimmte.

Birzer verlässt 1876 Glonn. Neuer Vorstand wird Bürgermeister Nikolaus Niedermair. Vielleicht war er die Stimme gegen die Auflösung des Vereines. 1877 übernimmt Kommandant Wagner den Vorstand. 1878 folgt ihm der Lehrer Josef Hecht, der zugleich Gemeindeschreiber ist. 1880 wird Kommandant Wagner wieder Vorstand, diesmal für 22 Jahre – bis zu seinem Tod 1902. Ab 1875 ist er auch Mitglied des Bezirksfeuerwehrausschusses. Unter Wagners Vorstandschaft wird 1880 der Metzger Maier, 1884 der Käser Türk und 1889 sein Sohn Wolfgang Wagner jun. Kommandant. Letzterer bleibt es bis zu seinem Tod 1912.

Es schaut so aus, als hätte sich die Glonner Feuerwehr erst ab 1880 voll etabliert. Zu diesem Zeitpunkt war aber auch die erste Investitionsphase, nämlich der Bau eines Feuerwehrgerätehauses (ca. 1877), der Umbau der Spritze (800 Mark 1877), die Anschaffung eines Mannschaftswagens (418 Mark 1880). Sicher haben auch erfolgreiche Einsätze, so beim Brand in Reinstorf (1873), und des Schlickenrieder-Hinterhauses (1873) zum guten Ruf beigetragen. Die Feuerwehr war ein Stück Sicherheit. Als Zeichen der Anerkennung darf gewertet werden, dass 1881 der 6. Bezirksfeuerwehrtag in Glonn abgehalten wurde.

Der 150. Geburtstag der Feuerwehr wird vom 1. bis 4. Juli in Glonn gefeiert. Eine dann erscheinende Chronik wird über die gesamte Geschichte berichten.

zuück

 

Maler der Heimat


von Hans Obermair©
erschienen 1. März 2022 im Lokalteil der Ebersberger Zeitung

Zum 125. Geburtstag des Glonner Künstlers und Bürgermeisters Georg Lanzenberger

Aus bestem Haus: die Eltern angesehene Glonner Wirtsleute und der Vater zudem ab 1899 Bürgermeister. Noch dazu der, der 1901 Glonn zum „Markt“ machte. In dieses „gemachte Nest“ wird am 24. März 1897 als fünftes von sieben Kindern Johann-Georg Lanzenberger geboren, der später als Maler eine lokale Berühmtheit wurde – und heuer eben seinen 125 Geburtstag feiern würde.

Die siebenjährige Volksschule besuchte Johann-Georg Lanzenberger in Glonn und wie es bei Wirtskindern so üblich war, hatten ihn sicher auch das elterliche Wirtshaus und seine Gäste mit erzogen. Der 1907 gegründete „Glonnthaler“ Trachtenverein hatte in der „Lanz“ seine Herberge. 1909 ist Georg sein „Taferlbua“. Schon als Sechs- oder Siebenjähriger malt er, wohl von einem Foto, das alte Wirtshaus, sein Geburtshaus.
Der erst 17-Jährige wollte ab 1914 zusammen mit seinem Freund Karl Kol­ler, dem Sohn des Ortsgendarmen, die Welt sehen. Schon in England holte sie der Krieg ein. F Lanzenberger bedeutete das vier Jahre Internierung, aber glücklicherweise auch ein Kunststudium. Aus dieser Zeit sind erste Kunstwerke bekannt.

1918 wieder zu Hause, wohl als „Wirtssohn“ tätig, konnte er in den Folge­jahren in München sein Kunststudium, unter anderem bei Professor Geiger und auch Olav Gulbranson, vollenden. Ausstellungen, unter anderem auch 1927 im Münchner „Glaspalast“ und das Atelier in Schwabing sind Stationen des Künstlerlebens, das auch in Glonn stattfand. Wohl auch wegen der „Nahrungsquelle“ im elterlichen Anwesen.

1929: Lanzenberger ist zu diesem Zeitpunkt in der Mitte der Dreißiger und ledig. Dem gut aussehenden Künstler hat es sicher nicht an Bekanntschaften gefehlt. Die Wahl fällt auf die drei Jahre jüngere Anna-Maria Stettmayer, die am 2.6.1932 seine Frau wird. Die standesamtliche Trauung ist in München und die kirchliche auch. Die Ehe blieb kinderlos. Im gleichen Jahr zieht das Paar nach Glonn und mietet das ehemalige Forstmeisterhaus in der Glonner Filzen. Neben Schaf- und Hühnerzucht versieht Lanzenberger auch die Kasse und Verwaltung seines Bruders Kino in der „Lanz“.

Die Machtergreifung durch die „Nazis“ am 30.3.1933 änderte am Leben von Georg Lanzenberger zunächst wahrscheinlich nichts. Es ist nicht bekannt, wie er politisch interessiert war. Mag schon sein, dass Hitlers „Aufräumen“ zum Beispiel mit der unglücklichen Weimarer Republik, wie bei vielen, bei Georg Lanzenberger auch Beifall fand und er deshalb am 1.5.1933 Parteimitglied wurde. Zu diesem Tag musste auch die Zusammensetzung der Gemeinderäte nach dem Reichstagswahlergebnis vom 5.3.1933 neu geregelt werden. Erster Bürgermeister blieb Ludwig Mayer, Zweiter wurde letztlich Bruder August, der von der NSDAP bestimmt wurde. Erst als Mayer am 30.8.1933 aus „Gesundheitsgründen“ zurück trat, ging auch der Zweite, wohl deswegen, weil sein Bruder Georg Lanzenberger von Ebersberg aus zum Ersten Bürgermeister bestimmt ist.

In Glonn gab es aber auch Widerstand. In einem Monatsbericht 1935 heißt es „Die Bauern lernen allmählich die Gesetzte der NS-Regierung begreifen und man sieht den ehrlichen Willen mitzuarbeiten. Die Gegner und Hetzer befinden sich nur mehr in den Kreisen der Geschäftsleute und des Klerus. Letzterer kämpft mit allen Mitteln um die Jugend.“

Mag auch sein, dass Lanzenberger deswegen am 24.2.1937 seinen Austritt aus der katholischen Kirche erklärt hat, auch in dem Wissen, dass dies bei der Bevölkerung nicht bekannt wurde, aber sicher bei seinen Vorgesetzten Punkte brachte.

Inwieweit Lanzenberger während seiner Bürgermeisterzeit der Malerei nachging, ist kaum nachzuvollziehen. Bekannt sind von 1934 zum Beispiel zwei Versionen des Glonner Marktes, wie er ihn von seinem Amtszimmer aus sah.

Über Lanzenberger gibt es so manche belastende Aussage. Gegen ihn sprechen die vielen Einberufungen, die er mit gutgeheißen hat. Noch dazu, wenn die Einberufenen gefallen waren. Alban Huber, einer der Akteure des „Pfingstlümmels 1936“ verhält sich zurückhaltend. Er, sein Bruder und seine Schwestern waren an verschiedenen Aktionen gegen die Nazis beteiligt und hatten von daher mit dem Bürgermeister nicht die besten Erfahrungen. Hier sei angemerkt: Keiner kam in ein KZ.

Insbesondere die zwölfjährige Amtszeit gibt Anlass zur Vermutung, dass er ein „Nazi“ war. Damit hätte er die Ideologie er das Wohl des Ortes und seiner Bewohner gestellt. Hätte er es anders gewollt, hätte er ja „aussteigen“ können, so könnte man nach heutigem Verständnis folgern. So einfach war es aber in der Nazizeit nicht. So etwas hätte man als offenen Widerstand gewertet, der sicher Folgen, wahrscheinlich auch KZ, bedeutet hätte.

Und so gab es für ihn, der Glonner war und in Glonn viele Bekannte hatte, nur den Weg: Noch oben loyal und nach unten pragmatisch. Von Zeitzeugen wurde immer wieder bestätigt: „Ein Nazi war er schon, aber er hat niemand nach Dachau (KZ) gebracht“. Die Glonnerin Maria Sedlmair schreibt: „Doch darf nicht vergessen werden, dass er viele Bürger von Glonn von dem Grauen des KZ Dachau und vor fürchterlichen Folgen bewahrte.“ Weiter: „Die Gebrüder Alban und Martin Huber, Seiler Hans von Haslach, Spitzer Georg von Gailling, der Wiesmüller Lenz (Kirmair) und Eduard Singer waren schon verhaftet und durften später nach Hause. Ohne Fürsprache von Georg Lanzenberger und Karl Koller hätte es nicht gut ausgesehen“.

Als dann am 1. Mai 1945 in Glonn die Amerikaner einmarschierten, wäre natürlich der Bürgermeister dran gewesen. Aber den gab es nicht mehr, denn, so Pankraz Mennacher, er habe bei Kriegsende mit einer kleinen Gruppe von Antinazis Lanzenberger gebeten, sein Amt als Bürgermeister niederzulegen, um jegliches Blutvergießen zu verhindern, was dieser zusagte.

Lanzenberger wird 1945 für drei Jahre interniert und kann 1948 wieder in Glonn bei seiner Frau im Forsthaus in der Filzen sein. Zuhause nimmt Lanzenberger wieder seine Künstlertätigkeit auf. Es sind vorwiegend Motive aus der Heimat. Soweit es ihm möglich ist, zog es ihn mehrmals an den Gardasee, nach St. Angelo auf Ischia und die kleine Nachbarinsel Procida, um dort südländische Stimmungen auf seine Leinwand zu bannen.

Im Dezember 1949 veranstaltet er in Glonn eine Kollektivausstellung. Wolfgang Koller ehrt ihn in einem Artikel als „Maler der Heimat“. Dass Lanzenberger 1952 auf Veranlassung von Pfarrer Boxhorn wieder Mitglied der katholischen Kirche wird, lässt von beiden Seiten eine Normalisierung erkennen. Die Bürgermeisterkandidatur von 1956 ebenfalls. 1957 gibt es einen öffentlichen Auftrag: Die neu gebaute Glonner Schule verziert er mit dem Zyklus „Hans im Glück“.

Ab ca. 1955 malt er auch in Hinterglas. Laut den Presseberichten steigert sich die Zahl der Ausstellungen des Künstlers bis zur Jahresausstellung. Immer mehr Leute wollen einen oder ein paar „Lanzenberger“ in der Wohnung.
Nach dem Tod seines Bruders Max 1952 musste er sich zur Malerei jetzt ganz um den Betrieb des Kinos im elterlichen Saal kümmern. Es ist anzunehmen, dass er „seine“ Kinotätigkeit erst 1977 mit der Schließung des Kinobetriebes und dem Umbau zum Verbrauchermarkt beendet hat.

1972 gilt es den 75. Geburtstag des Künstlers zu feiern. Bürgermeister Decker zeichnet ihn mit einer Ehrengabe aus. Und seine Malgeräte nehmen immer noch den wichtigsten Platz in seinem Leben ein. 1986 ehrte Bürgermeister Sigl den 89-jährigen als „Aushängeschild des Ortes“. Lanzenberger verstarb 1989. Er wurde 92. Bis zuletzt habe er Pinsel und Bleistift in der Hand gehalten, so die Presse.

Nun sind und werden es die Gedächtnisausstellungen sein, die an den Künstler erinnern. Der Glonner Kulturverein sorgt schon dafür. So auch zum 100. Geburtstag 1997 und jetzt zum 125.. Das eigentliche Gedächtnis an Meister Lanzenberger werden aber die ein paar hundert Bilder sein, in Wohnungen und Ämtern, die dauernd nicht nur an ihn erinnern, sondern auch den Betrachtern Freude bereiten.

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Kurze Chronologie der Geschichte Glonns

ZeitraumEreignis
ca. 2000 vor Chr.
ca.1500 v.Chr.
zwischen 50 und 300 n.Chr.

7 Jhd. n.Chr.
774
1235 bis 1350
1501 oder 1517
1516-1827
1350-1596
1554
1762
1813
1838
1848-1854
1856-1858
1854
1854-1856Bürgermeister Isidor Wäsler, Wiesmüller oder Johann Wäsler, Waslmüller
1862
1858-1865Bürgermeister Bonifaz Gruber, Sattlermeister (1805-1881)
1867
1865-1869Bürgermeister Matthias Beham, Messerschmied
1871
1869-1881
1872
1864
1874
1881-1887Bürgermeister Johann Beham, Christlmüller
1884Gründung des Turnvereins
Das Bild zeigt die "Gründerväter" des Turnvereins Glonn.
1887-1899
1887
1888
1894
1894
1897
1899-1912
1900
1901Markterhebung
Mit Telegramm vom 24.4.1901 wird die Erhebung zum Markt Glonn bekanntgegeben.
1902Gründung des Obstbauvereins am 21.12.1902
1902
1903
1904
1906 Gründung des katholischen Arbeiterverein KAB
1906
1907
1907Gründung des Geflügelzuchtvereins
1907
1912-1919Bürgermeister Johann Kirmair
1914-1918Erster Weltkrieg; Glonn hat 64 Gefallene und Vermisste zu beklagen
1919-1930Bürgermeister Josef Meßner, Schlossermeister
1920Gründung des Spar- und Darlehenskassenverein
1926Wiedergründung des katholischen Gesellenvereins. (Erste Gründung 1854
1926Gründung der Molkereigenossenschaft und Bau der Molkerei am Bahnhof
1929Gründung des Spiel- und Sportvereins vor allem zur "Pflege des Fussballspieles"
1929
1930-1933Bürgermeister Ludwig Mayer, Gastwirt, "Neuwirt"
1931
1931Die Gemeinde erhält ein Wappen
1933-1945Bürgermeister Georg Lanzenberger, Kunstmaler
1.9.1939Beginn des 2.Weltkriegs. Die Gemeinde Glonn verzeichnet 98 Gefallene und 6 Vermisste Bürger.
1.5.1945Am 1.Mai 1945 endet in Glonn mit dem Einzug der Amerikaner der 2.Weltkrieg
3.5.1945 - 1946
1946-1960
1957
1971Erster Erweiterungbau der Schule mit Neubau von Schwimmhalle und Turnhalle
1960-1972Bürgermeister Anton Decker
1968Erster Maibaum seit 100 Jahren
1970Gründung des WSV Glonn
1970Erneuerung und Verbreiterung der Ortsdurchfahrt
1972-1978Bürgermeister Michael Singer
19741200 Jahr Feier
1978Zweiter Erweiterungsbau der Schule mit Neuanlage des Schulsportplatzes
1978-1996Bürgermeister Martin Sigl
1978Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Glonn. Im Zuge der Gemeindegebietsreform schließen sich die vorher eigenständigen Gemeinden Moosach, Egmating, Oberpframmern, Bruck, Baiern und Glonn zur Verwaltungsgemeinschaft zusammen mit Glonn als Verwaltungssitz. Siehe auch: Glonn - "Der Weg in die Moderne", Hrsg.: Archiv Glonn: Schriften zur Ortsgeschichte, 2024
1992

1996Gründung des Förderverein für Kinder, Jugendliche und
Familien in der Gemeinde Glonn e.V., "KiJuFa"
1996-2014Bürgermeister Martin Esterl
2002"Jahrhunderthochwasser"
2014Bürgermeister Josef Oswald